Berufs- & Lebensbilder weltweit im Wandel: Vom Weltreisenden zum Handwerker & Hausbauer

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Dave Beere ist 67 und hat in seinem Leben viel falsch gemacht, wie er sagt: Zum Beispiel, dass er nur wenige Jahre zur Schule gegangen ist. Für Fünf Jahre hat er Neuseeland verlassen und ist um die Welt gereist. Doch seinen Frieden hat er schließlich erst in der Heimat gefunden.

dave kanuka loft

Cowboy in Australien & Rußland-Durchquerung in Kalten Krieg

Als junger Mann wollte Dave die Welt sehen: Er arbeitete auf verschiedenen Farmen, fuhr zur See und war Cowboy in Australien. Schließlich durchquerte er mit einem Freund aus Neuseeland von Japan aus ganz Rußland und erreichte schließlich Westberlin. Das war Ende der sechziger Jahre Ende und mitten im kalten Krieg.

Der Freund blieb wegen einer Frau da, wurde Fotograf und lebt noch heute in Berlin, doch Dave zog es weiter nach Österreich, wo er das Schnitzerei-Handwerk erlernt. Eigentlich wollte er nach Amerika, doch familiäre Gründe zwangen ihn zur Rückkehr in die Heimat.

Mit den eigenen Händen den Regenwald nutzbar gemacht

Dave lernte seine Frau Anna kennen. 1977 kauften die beiden in den Northlands ein Grundstück: „Wir wollten raus aus der Stadt und hatten Angst vor einer Atombombe,“ erzählen sie mir und lachen über ihre damalige Naivität. Geblieben ist von dieser Idee ein kleines Paradis im Regenwald mit Blick auf die Bay of Islands.

Dabei bestand das Grundstück anfangs nur aus unerschlossenem Regenwald, das die beiden in harter Arbeit nutzbar machten und nach eigenen Vorstellungen selbst bebauten. „Es ist doch“, so erklären sie mir, „viel schöner, wenn man sich etwas mit den eigenen Händen aufbaut – das kann man hinterher auch viel mehr schätzen.“

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Teuere Kleider und Gummistiefel

Heute, bedauern die beiden, sei das aus rechtlichen Gründen gar nicht mehr möglich: „Wer ein Haus bauen will, kann es selbst entwerfen, muss aber dann einen Baumeister engagieren.“

Dave arbeitete fortan als Handwerker und baute Möbel. Anna entwarf Kleider und taschen, die sie nach Auckland verkaufte. Beide arbeiteten gemeinsam in der Scheune. „Ich habe damals sehr teuere Kleider hier gefertigt, während ich selbst in Gummistiefeln im Schlamm herumlief“, lacht Anna.

Tourismus by Chance

Die Geschäfte liefen gut, weil in Neuseeland damals  kaum Waren importiert wurden. Als später die Importwaren aus Asien kamen, wurde alles billiger – und Dave und Anna mussten sich etwas neues einfallen lassen.

Die Idee, an Touristen zu vermieten, kam ihnen eher zufällig, erzählen sie mir. „It happened by Chance“. Aus der Scheune wurde ein die Kanuka Loft mit Küche und Terasse.

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Überrascht vom Erfolg der Idee

„Eigentlich hatten wir nie vor, in die Tourismus-Branche einzusteigen, denn wir schätzen unsere Ruhe und Einsamkeit hier“, sagt Anna, die überrascht war vom Erfolg der Idee: „Wir hatten gedacht, wir könnten ein paar Wochen im Jahr vermieten – jetzt sind wir quasi stets ausgebucht!“

Dennoch halten sie die Touristen lieber auf Distanz und bieten deshalb nur Ferienwohnungen an: „Da bleiben die Touristen dort und wir hier, das ist auch gut so.“

Barfuß zur Baumpflanzung

Hinter dem Haus will Dave eine kleine Baumpflanzungsanlage einrichten. Barfuß, wie auf seinem Grundstück am liebsten herumläuft, zeigt er mir die Stelle im Wald. Eine Genehmigung dafür hat er nicht, dafür aber eine ganz eigene, typisch neuseeländische Philosophie:

„Sage nie einem Bürokraten, was du vorhast, dann gibt es nur Probleme. Einfach machen. Später ist dann immer noch Zeit!“ Nun gut, die Bäume müssen erstmal ein paar hundert Jahre wachsen.

Wie wichtig ist kulturelle Identität?

Dave nimmt noch heute gelegentlich Handwerksaufträge an. Auch die Arbeiten am Haus des Bishops Pompallier in Russell stammen von ihm: Er hat die Möbel innen gefertigt, das Dach gedeck und fungierte als Tischler, Drechsler, Dreher und Dachdecker in einem.

Er macht TaiChi. Und mit der Kultur der Maori hat er sich ausgiebig beschäftigt und ihre Sprache gelernt: „Die Maori“ erklären mir Dave und Anna „glaubten ab einem gewissen Punkt selbst, dass es besser sei, sich der europäischen Kultur anzupassen. Genau deshalb fehlt ihnen aber ein Stück kulturelle Identität.“

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Weglaufen statt Ankommen ist immer die schlechtere Alternative

Anna und Dave haben schließlich hier Wurzeln geschlagen. Wie das Leben ohne Wurzeln aussieht, haben sie jedoch oft genug bei Auswanderern erlebt: „Wir haben viele Leute hierherkommen sehen, die irgendwo weggingen.

Aber sie gingen nirgendwo hin und deswegen hat es hier nicht funktioniert. Weglaufen statt Ankommen ist immer die schlechtere Alternative!


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