Berufs- & Lebensbilder weltweit im Wandel: Der Maori-Häuptling und das Internet – 2/3 – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Berufs- & Lebensbilder weltweit im Wandel: Der Maori-Häuptling und das Internet – 2/3



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Offenlegung/Anzeige & Bildrechte:  Das holländische Tourismus-Unternehmen TravelEssence unsere Kosten für Flug, Inlandsflüge und Verpflegung für eine Recherche-Reise nach Neuseeland übernommen. Bildmaterial erstellt mit einer Systemkamera unseres Sponsors Olympus, außerdem von Hone Mihaka. Bild-Location: 318 Maunu Rd, Horahora, Whangarei 0110, Neuseeland.

Hone Mihaka, Häuptling der Ngapuhi, hat es dank Tourismus zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Geholfen hat ihm dabei auch das Internet. Doch eine weit größere Rolle spielen für ihn seine Kultur und seine Traditionen.

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Durch Traditon gefestigt

Früher, sagt Hone, habe er nicht gewusst, wer er war: Er habe irgendwie versucht zu überleben, mehr als 20 Jahre lang ziellos an verschiedenen Orten Neuseelands und schließlich in Auckland. 1997 dann die Heimkehr in die Bay of Islands.

Seitdem hat sich Hone immer stärker mit den Traditionen seines Stammes beschäftigt und seine ganz eigene Lebensphilosophie entwickelt.

Seine Ahnenreihe kennt er auswändig

So kennt er seine ganze Ahnenreihe bis 1819 auswändig. Damals reiste einer seiner Vorfahren nach London, besuchte King George und lernte die Lebensweise der Europäer kennen. Und übersetzte die Bibel mit 14 Buchstaben des englischen Alphabeths in das Te Reo, die „von den Göttern geschenkte Sprache“ der Maori. Englisch sei hingegen eine von Menschen gemachte Sprache, sagt Hone – und es klingt ein wenig abfällig.

In der Garage, die als Wohnzimmer dient, sind seine Ahnen als Fotos aufgereiht und blicken beim Essen auf uns herab. Der Respekt vor den verstorbenen ist so groß, dass ich diese Bilder nicht fotografieren darf.

Echte Werte oder nur für den Tourismus

Und doch: Hat diese Rückbesinnung auf familiäre Traditionen nicht auch damit zu tun, dass er mit dem Tourismus sein Geld verdien? Das bestreitet Hone energisch – und nennt als ein Gegenbeispiel seine Ta moko, die traditionellen Tatoos der Maori, die er am ganzen Körper trägt.

„Wenn ich sie nur für Touristen tragen würde, wären sie aufgemalt wie in anderen Regionen Neuseelands“ erklärt der Maori-Häuptling. Tatsächlich sind die Tatoos, die Geschichte seiner Familie erzählen, Zum Teil noch auf die traditionelle Maori-Weise eingeritzt – mit Knochen, die in Farbe eingetaucht und dann in die Haut gestochen wurden. Nebenbei nicht die einzige blutrünstige Sitte der Maori, die in früheren Zeiten auch den Kanibalismus pflegten. Das sei aber längst vorbei, versichert man mir.

Blutige Angelegenheit

Heute, sagt Hone, bevorzugen aber auch die Maori die moderne Tätowierungsmethode, auch wenn sie mehr Schmerzen: „Beim traditionellen tätowieren verliert man zu viel Blut und das Infektionsrisiko ist wegen der Umweltverschmutzung größer. “

„Wer darf denn ein Ta moko, tragen?“ frage ich. „Jeder“, sagt Hone und erzählt von seinem deutschen Freund, der Tätowierer ist und sein Ta moko mehr schätzt als andere Tatoos. Denn ein Ta moko kenne keine Vorurteile erklärt er mir und fügt hinzu: „Menschen sind rassistisch und diskriminieren, Kultur nicht.“

„Ich versuchte, irgendwie zu überleben“

Hone trägt heute mit Stolz seine Familie auf seinem Körper, wie er sagt. Und doch ist er selbst erst spät zu seinen Ta moko gekommen. Als er jung war, habe sein Vater in gefragt, ob er es tragen wollte – und er hat abgelehnt. „Kultur und Traditionen interessierten mich nicht, ich versuchte nur in einer ungerechten Gesellschaft, die uns Maori unterdrückt, zurechtzukommen!

Heute versuche ich Wege zu finden, das zu ändern – das braucht aber Zeit.“ Das Sozialsystem müsse stark verbessert werden, es müsse mehr tun für die unteren Schichten helfen. Deutschland, findet er, könne da ein Vorbild sein.

Nur keine Schönfärberei

Trotz dieses Optimismus ist ihm der tiefe Frust über die soziale und ökonomische Situation der Maori anzumerken. Dabei gilt der Vertrag von Waitangi weltweit als vorbildlich im Umgang mit Ureinwohnern und das Te Reo ist offizielle Amtssprache. Doch das neuseeländische Sozialsystem habe wenig für die Maori oder ihn getan, findet Hone.

Daher sei es noch heute oft so, dass die Maori die einfach, körperlichen Arbeiten machten – „und die Weißen die gut bezahlten Business-Jobs.“ Die Maori seien für viele immer noch der Ausschuss der Gesellschaft sind, klagt er bitter. Gegen Schönfärberei hat er etwas: „Manche sagen, man soll vor Touristen nicht über die negativen Dinge, damit die Besucher einen positiven Eindruck von Neuseeland bekommen. Ich sage, man muss ehrlich sein!“, sagt er gelassen. Und hat auch keine Probleme damit, dass ich sein Haus mit der aufgehängten Wäsche fotografiere: „Das ist ja die Warheit!“

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Spaghetti Bolognese und Süßkartoffeln

Wahr sind aber auch die kleinen Brüche und Widersprüche zwischen Tradition und Moderne. Traditionelle Küche der Maori käme bei ihnen auf den Tisch – und ich bin sehr gespannt. Doch dann gibt es Spaghetti Bologness mit Süßkartoffeln uns Salat.

Hone redet auch gerne und viel über die Umweltverschmutzung, die die Weißen, die Pakeha, gebracht haben. Tatsächlich ist Neuseeland längst nicht mehr das unberührte Naturparadis, das es zu scheint: Rund 80 Prozent des ursprünglichen Regenwaldes wurden abgeholzt und auch so mancher See leidet unter der Umweltverschmutzung.

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Mercedes als Liebhaberstück

Doch auch Hone pflegt nicht gerade einen ökologischen Lebensstil: In einem Graben hinter seinem Haus liegt der Unrat der letzten Jahre – von Sportgeräten bis zu Küchenmaschinen. Und Hone besitzt vier Autos. Ein Van, in den die Kanus passen. Ein Van für die Familie. Ein Auto für seine Frau Judy. Und schließlich einen alten Mercedes.

Nun möcht Hone zwei Vans verkaufen und einen neuen, größeren kaufen, in den sowohl Kanus als auch Familie passen. Gebraucht versteht, so hat er alle seine Autos bekommen. Auch den Mercedes, dem ihn ein Freund vor Jahren günstig überlassen hat. „Ich habe nie gedacht, dass ich mal so ein Auto fahren kann“, schwärmt er und amüsiert mich, dass eine deutsche Automarke, die den Elchtest nicht bestanden hat, so viel Reputation am anderen Ende der Welt genießt.

Denn billig ist der Fahrspaß damit nicht, denn das Liebhaberstück verbraucht einfach unglaublich viel Benzin. „Wenn ich kein Geld habe, bleibt das Auto einfach stehen“, sagt Hone und lacht. Vermutlich müssen die Neuseeländer keine KfZ-Steuern zahlen.

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