Berufs- & Lebensbilder weltweit im Wandel: Der Maori-Häuptling und das Internet – 3/3 – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Berufs- & Lebensbilder weltweit im Wandel: Der Maori-Häuptling und das Internet – 3/3



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Offenlegung & Bildrechte:  Das holländische Tourismus-Unternehmen TravelEssence unsere Kosten für Flug, Inlandsflüge und Verpflegung für eine Recherche-Reise nach Neuseeland übernommen. Bildmaterial erstellt mit einer Systemkamera unseres Sponsors Olympus. Bild-Location: State Highway 1, Okaihau 0475, Neuseeland.

Hone Mihaka ist Maori-Häuptling und betreibt mit seinem Stamm, den Ngapuhi das Tourismus-Unternehmen Taimaitours. Als Hone mit dem Tourismus anfing, wusste er nichtmal was ein Computer überhaupt ist. Heute betreibt er eine eigene Website, bloggt und ist bei Facebook.

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Internet – Fluch oder Segen?

Das Internet habe sein Leben sehr verbessert, stellt er fest: „Die Kunden können mich nun direkt buchen und finden mich sogar aus dem Ausland!“ Aber er hat auch schon die Nachteile der modernen Kommunikation kennengelernt: „Man kann auch sehr viel Zeit damit verbringen.“

Wie zum Beweis gehen morgen nach dem Aufwachen erstmal die Telefonate los: Hone hat eine Buchung bekommen, muss Anfragen abklären, E-Mails beantworten. Auch seine Frau Judy telefoniert, teilweise mit zwei Mobiltelefonen gleichzeitig.

Ganz normale Geschäftsleute

Für Sozialromantik ist da kein Platz, die beiden Maori sind zwei ganz gewöhnliche Geschäftsleute, die auf mehreren Kanälen Kundenanfragen beantworten. Auch die Region, in der die beiden Wohnen, habe sich in den letzen 10 Jahren hat sehr verändert: „Früher gab es hier noch nichtmal Straßen,“ erzählt mir Judy.

Die Kanu-Touren ernähren die ganze Familie. Hone hat zwei erwachsene Töchter und fünf Enkelkinder. Der Stamm, der aus 3.000 Leuten besteht und dreimal im Jahr zusammenkommt, ist der einzige, der Kanu-Touren anbietet.

Vom Kanufahrer zum Golfspieler?

Hone möchte indes das Kanu-Business noch ausbauen: Sein Wunsch ist, dass das Unternhemen noch wächst und etwa 80 bis 100 Leuten seines Stammes Arbeit gibt.

Dann will er die Geschäfte den jüngeren Leuten überlassen uns sich selbst neuen Plänen widmen – z.B. möchte er Golftouren anbieten und Golfspielern etwas über die Kultur der Maori vermitteln. Erstaunt nehme ich zur Kenntnis, dass Hone leidenschaftlicher Golfspieler ist.

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Selbst noch nichts von der Welt gesehen

Hone denkt allerdings schon an die Rente. In vier Jahren, wenn er und seine Frau 54 sind, will er aufhören zu arbeiten und mit einem Wohnmobil oder als Backpacker durch die Welt reisen. Und seine Familie mitnehmen. Nur seine Frau Judy ist nicht ganz glücklich mit der Idee.

In anderen Ländern ist Hone bislang kaum gewesen: Von seinem holländischen Reiseveranstalter Travelessence wird er einmal im Jahr nach Europa eingeladen, um auf der Vakantiebeurs Trade Fair Messe in Utrecht sein Heimatland zu präsentieren – ganz klassisch im Baströckchen. Dann fliegt er, wie er sagt, Business-Class, weil er das fliegen nicht gewohnt ist. Abgesehen von diesen Trips war Hone bisher nie außerhalb Neuseelands.

Teil einer Kultur sein oder die Kultur leben?

Dennoch hat Hone bei seiner Arbeit mit Touristen aus anderen Ländern auch deren Kultur studiert – und sich seine eigene Meinung darüber gebildet: Viele Weiße, hat Hone beobachtet, wollen wählen können, ob sie Teil einer Kultur sein wollen oder nicht.

Für Hone ist das absurd: „Ich wähle meine Kultur doch nicht und bin auch nicht nur ein Teil von ihr, ich BIN meine Kultur. Da hat man keine Wahl. “ Das ist für den Maori nicht nur eine theoretische Frage, sondern macht auch in der Praxis viel aus: „Ich bin nicht nur Teil dieser Erde, vielmehr bin ich die Erde, sie gehört unweigerlich zu mir. Wenn ich nur Teil von etwas bin, kann ich es auch kaputt machen.“

Mit dem Tourismus die Kultur verraten?

„Gebildete Menschen sehen Kultur oft distanziert, wollen nicht Teil von ihr sein.“ sagt Hone. „So ein Quatsch. Man braucht doch keine Bildung, um zu wissen, wohin man Gehört. Vater Himmel, Mutter Erde, Wind sind die Geschwister. Da nützen auch die ganzen teueren Zertifikate nichts, für die Leute, viel Geld ausgeben.“

Dennoch verdient Hone nicht schlecht an diesen gebildeten Weißen: Eine Gruppe Touristen hat eine Woche mit seinem Stamm gelebt die Erfahrungen zu teilen und 2400 Dollar dafür bezahlt. „Doch nur weil er ich Tourismus arbeite“, sagt Hone, „heißt es nicht, dass ich meine Traditionen verrate. Ich lasse die Leute für einige Zeit in mein Leben und sie respektieren meine Sitten. Ich will, dass die Leute verstehe, weil sie etwas hören, was sie nicht kennen.

Maori: Back to the roots

Warum glaubt er, interessieren sich die Menschen derart für die Maorikultur? „Viele Menschen, sagt Hone, haben ihre Wurzeln vergessen. Die Maori haben etwas bewahrt, das andere verloren haben. Wie müssen immer wissen, woher wir kommen, um zu wissen, wo wir hingehen. Der Schlüssel für die Zukunft liegt in der Vergangenheit. Und genau danach suchen die Menschen.“

Tangata Phenua, People of the Land, so bezeichnen sich die Maori selbst. Phenua heißt Land in der Maori-Sprache. Maori ist ein englisches Wort und der Überbegriff für die verschiedenen Stämme. Das wäre etwas so, sagt Hone, als ob man alle Weißen Europäer nennt.

Maori: Fortschrittlich in Toleranz

In einer globalisierten Welt ist Toleranz wichtig, sagt Hone – und genau in diesem Bereich sind die Maori ausgesprochen fortschrittlich, weil sie sich mit kultureller Identität und Identitätsverlust ausgiebig auseinandergesetzt haben. Maori sind sehr modern.

Maori schätzen ihre kulturellen Werte und Prinzipien, dadurch sind sie offen und fähig, andere Menschen zu verstehen, wie sich die Welt allmählich in eine Multikulturelle Gesellschaft wandelt. „Wenn wir das unseren Kindern beibringen, brechen wir Barrieren!“

Was, wenn die Touristen wegbleiben?

Was passiert, wenn die Touristen eines Tages wegbleiben? Hone macht sich keine Sorgen. „Mir geht es schon gut – im Gegensatz zu anderen.“

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