Erkenntnisse & Sternstunden unserer Beratung bei der Berlin Music Week: Warum scheuen Künstler Social Media?

Heute habe ich gemeinsam mit meinem Kollegen Mario Putzar von 50kmusic im Rahmen der all2gethernow-Werkstatt Musiker zur Selbstvermarktung via Social Media und PR beraten. Danke an dieser Stelle nochmal an alle mitwirkenden und die Organisatoren, vor allem an meine Kollegen Karin Blenskens und Patrick Widera. Was mir jedoch bei der Beratung allgemein aufgefallen ist: Viele Künstler sehen Social Media noch immer mit Skepsis. Dabei bietet es für viele Künstler doch hervorragend Möglichkeiten der Selbstvermarktung, wie dieses Video-Beispiel zeigt. Wo liegen die Gründe?

Typische Zitate, die wir im Zuge der Beratung so zu hören bekamen, waren: “Ich tue mir schwer damit, einzelne Musikstücke kostenlos herauszugeben”, “Wir wollen unsere Fans nicht zuspamen mit privaten Informationen über uns” oder “Wir haben ein eher distanziertes Verhältnis zu unseren Fans”.

Die Gründe für die Ablehnung liegen tiefer

Das klingt nun zunächst wie eine persönliche Einstellung, an der halt nichts zu rütteln ist. Wenn man die Aussagen aber nun genauer analysiert, dann liegen die Gründe durchaus tiefer.

Zum einen ist auch die Musikbranche traditionell streng hierarchisch aufgebaut: Oben sitzen die Plattenlabel, die sich nach wie vor die Rosinen herauspicken. Unten die Künstler, die zum Teil sogar ziemlich sauer auf die Plattenlabel sind.

Die Hierachie ist stark in den Köpfen verwurzelt

Dennoch ist diese Hierachie offenbar so stark in den Köpfen verwurzelt, dass es vielen gar nicht in den Sinn kommt, dass es auch auf eigene Faust versuchen könnten.

Selbst bei Künstlern, die nach eigenem Bekunden nichts mehr mit Plattenlabeln zu tun haben wollen, steckt offenbar noch irgendwo der Hintergedanke im Kopf, dass die doch irgendwann bei einem anklopfen und einem zur Starruhm verhelfen, was regelmäßig mit der selben Wahrscheinlichkeit geschieht wie ein Lottogewinn.

Wie baut man eine Community auf?

Und Künstler haben noch ein anderes Problem: Da viele von ihnen tendenziell ja eher introvertiert sind, tun sie sich schwer damit, auch als Mensch die Nähe zu ihren Fans zu suchen.

Dass es in Zukunft immer mehr darauf ankommen wird, dass eine Community aufzubauen, die einen unterstützt und dass diese Community einen Künstler zum Anfassen möchte, wie Mario Putzar das so schön ausdrückte – das ist vielen immer noch fremd.

Performance auf Selbstgezeichneter Bühne

Allerdings gibt es auch positive Beispiele wie Multitalent Rahel Kraska, die alles Selbst macht: Texte, Musik und Marketing. Und ihre Arbeiten hat sie auf dem iPad immer dabei – die beste Visitenkarte.

Rahel Kraska produziert ihr eineinhalbstündiges Konzert auf einer selbstdesignten Bühne – im Schlafzimmer vor einem Greenscreen (siehe Video oben). Rahel Kraska performt dazu live auf einer virtuellen Bühne, die sie selbst gezeichnet hat. Ein Ausschnitt davon erschein in einem Film über Topkreative weltweit.

Dazu die Künstlerin selbstbewusst: “Da mich die o2-Arena momentan eben noch nicht bucht, mache habe ich mir meine Bühne virtuell erstmal selbst gemacht.” Und auch wenn sie auftritt, braucht sie für die perfekte Performance nur noch einen Beamer.

Preis für “Soundtrack fürs Leben”


Außerdem hat sie den 2. Preis beim Mobile Film Festival 08 für ihr Comic-Handy-Video “Soundtrack fürs Leben” gewonnen, worüber auch in Spiegel Online und Stern berichtet wurde. Das Video wurde ins Museum für Kommunikation aufgenommen.

Besser kann man es als angehender Künstler kaum machen – weiter so!


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