Welche Strategie ist bei der Jobsuche erfolgversprechender: Weiterbildung oder Twitter?


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23.03.2011 301 Leser 18 Debatten 686 Wörter Lesezeit: 4 Minuten, 33 Sekunden
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Vor einigen Wochen habe ich ein Interview mit Regine Heidorn gemacht. Die Programmiererin und Informationsarchitektin hat eine ungewöhnliche Acquisestrategie: Sie findet ihre Jobs fast auschließlich über soziale Kontakte und das Netzwerk Twitter. Dabei hat sie mir erzählt, warum das besser funktioniert als teuere Weiterbildungen und formale Abschlüsse, die man in Deutschland sonst immer vorweisen muss. Bildung Businessideen & Verkauf  Weiterbildung SocialMedia Networking Kunden Image Branding GeschäftsIdeen Gründerreports

Regine Heidorn hat zunächst mehrere Studiengänge begonnen, aber keinen abgeschlossen. Um im IT-Bereich arbeiten zu können, entschloss sie sich zu einer Weiterbildung an einem privaten Institut in Berlin, die sie mit einem schuleigenen Zertifikat abschloss. „Ich dachte damals, ich brauche so eine Weiterbildung, um in der Branche beruflich Fuß fassen zu können“ berichtet Heidorn.

Erfahrung zählt mehr als Zeugnisse

Doch die Programmiererin merkte bald, dass es potentiellen Auftraggebern vor allem auf Referenzen und Erfahrungen ankam. Die teuere Weiterbildung erwies sich schnell als wertlos: „Der Lehrstoff war zum Teil veraltet, die Betreuer verwiesen lieber auf Tutorials im Internet, als prüfungsrelevante Inhalte zu erklären. Alles, was ich heute kann, habe ich mir selbst angeeignet,“ berichtet sie.

Regine Heidorn erkannte jedoch, welchen Wert ein verlässliches Kontakt-Netzwerk bei der Jobsuche hat. Und sie entdeckte das Soziale Netzwerk Twitter, das es ihr ermöglichte, ihre Kontakte noch auszubauen:

Die Kunden wissen, was Sie bekommen!

„Bei Twitter kann ich nicht nur meine Kompetenzen unter Beweis stellen, sondern auch meine Persönlichkeit einbringen. Meine Kunden wissen daher vorher schon, was sie erwarten können,“ erklärt sie den Nutzen des 140-Zeichen-Dienstes.

Und auch sie profitieren auch von Heidorns Netzwerk: „Weil meine Kollegen mich stets auf neue Entwicklungen hinweisen oder mir zeigen, wie etwas besser gelöst werden, garantiert mein Netzwerk auch eine gewisse Qualität und Aktualität meiner Arbeit.“

75 Prozent der Jobs über Twitter

Mittlerweile fünf Jahre ist die Berlinerin als @bitboutique bei Twitter und im Netz aktiv. 75 Prozent ihrer Jobs findet sie hier im direkten Austausch. Ein wichtiger Bestandteil ihrer Acquisestrategie: Ehrlichkeit. „Wenn ich etwas nicht kann, sage ich das und empfehlen die Kunden an jemanden aus meinem Netzwerk weiter“, berichtet Heidorn, die in öffentlichen Diskussionen bei Twitter auch extreme Standpunkte nicht scheut.

Ihre Kunden, sagt sie, schätzen genau das: „Viele sind froh, wenn ich Ihnen genau sage, welche Programmierleistungen sie brauchen – und welche nicht. Und sie vertrauen mir, gerade weil ich so kritisch bin und nicht alles über den grünen Klee lobe!“

Jobs erfinden, bevor sie jemand kennt

Heidorn nutzt auch andere Soziale Netzwerke wie Xing – doch Twitter ist ihr Lieblingstool: „Bei Xing kann ich nur meine Kompetenzen in ein Profil packen, via Twitter kann ich auch Dinge wie meine Hobbys oder persönlichen Vorlieben kommunizieren – und das so kurz und prägnant, dass die Leute auch lesen, wenn sie wenig Zeit haben“, macht die Programmiererin den Unterschied deutlich.

Genau daraus ergeben sich aber dann oft ungeahnte Jobmöglichkeiten: Heidorn ist beispielsweise ein Fan des Geocachings, eine Art Schnitzeljagd mit mobilen Geräten. Daraus entwickelte sich die Idee einer mobilen Exkursion – und daraus ein Lehrauftrag an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin im Projekt eVideo zum Thema Mobile Exkursionen.

Es funktioniert auch ohne Abschluss

Heidorn gibt zu: „Ich hätte nie daran gedacht, dass ich ohne abgeschlossenes Studium Lehraufträge bekommen könnte.“ Aus ihrer Erfahrung, dass man auch als Studienabbrecher erfolgreich sein kann, hat sie gerade die Assoziation Abschlusloser gegründet, die solche Werdegänge sichtbar machen soll.

Ganz abstreiten mag sie jedoch nicht, dass auf traditionellem Wege manches einfacher wäre: „Auf einige Stellenausschreibungen bewerbe ich mich erst gar nicht, weil mir zum Beispiel ein abgeschlossenes Studium fehlt. Und: sicher gibt es auch potentielle Kunden, die lieber Zeugnisse sehen,“ gibt Regine Heidorn zu. Sie sieht allerdings einen großen Vorteil in ihrer Acquisestrategie: „Ich habe habe genau die Jobs und Kunden, die meinen Fähigkeiten entsprechen und die zu mir passen!“

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    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass der Betriebswirt IHK eine echte Alternative zu einem Hichschulabschluss ist. Das gilt auch für den staatlich geprüften Betriebswirt ( vgl. www.betriebswirt-werden.de/abschluesse/staatlich-gepruefter-betriebswirt ). Mit beiden Abschlüssen ist sicher eine leitende Position in einem mittelgroßem Unternehmen denkbar.

  2. Pingback: #Blogparade von Karrierebibel & Deutscher Universität für Weiterbildung: LinkedIn & Xing besser als Stellenanzeigen? | B E R U F E B I L D E R

  3. Pingback: Innovation in Recruiting & Jobsuche: Warum Social Recruiting? | B E R U F E B I L D E R

  4. Simone Janson

    Hallo Irene,

    meine Einschätzung des IHK-Betriebswirtes bezog sich darauf, dass bereits eine dem Fachwirt vergleichbare Ausbildung vorhanden ist – z.B. durch eine vorherige Berufsabildung oder eine mehrjährige Berufstätigkeit nach dem Studium mit Budget-Verantwortung, die meines Wissens auch anerkannt wird. Wie Sie schon sagen, die IHK kennt eben jeder Arbeitgber.

    Da Sie unternehmensgeist.net erwähnen, würde ich Ihnen empfehlen, sich direkt an Herrn Walzel zu wenden: Der hat eine entsprechende Weiterbildung beim IWW gemacht und kann Ihnen sicher genauer sagen, warum er sich dafür und gegen die IHK entschieden hat.
    Davon abgesehen ist mir persönlich der Fall einer Germanistin bekannt, die nach mehrjähriger Berufstätigkeit in einem Verlag mit Budget-Verantwortung einen IHK-Betriebswirt in 30 Tagen absolviert hat. Die Anerkennungsmodalitäten können da aber auch von IHK zu IHK differieren – es lohnt sich genau nachzufragen und mit den Leuten persönlich zu sprechen.

  5. Liebe Frau Janson,
    Ihr Buch „Der optimale Berufseinstieg. Perspektiven für Geisteswissenschaftler“ war mir bislang eine sehr gute Hilfe. Ein großes Lob an Sie!

    Da ich mich für eine Weiterbildung im Fach BWL entschieden habe, habe ich mit Interesse zur Kenntnis genommen, dass Sie den Betriebswirt IHK in einem Gastbeitrag auf der Seite unternehmensgeist.net ) als schnellere Alternative zu einem Studium betrachten.

    Mich würde nun interessieren, wie Sie zu dieser Einschätzung gelangt sind. Soweit ich weiß, muss jemand, der neben einem geisteswissenschaftlichen Studium keine kaufmännische Ausbildung vorweisen kann, dem Betriebswirt IHK zunächst den Fachwirt IHK voranstellen, wobei Lehrgänge, die auf die Prüfung zum Fachwirt IHK vorbereiten, allein schon im Schnitt 2 Jahre dauern.

    Wird dann noch der Betriebswirt IHK angeschlossen, ziehen im Schnitt weitere 2 Jahre ins Land. Im Vergleich zu einem 6-semestrigen Bachelor-Studium wäre diese Variante für einen Geisteswissenschaftler also die weitaus zeitaufwändigere Variante.

    Ich frage an dieser Stelle nach, weil ich derzeit durchaus noch den Betriebswirt IHK für mich persönlich in Erwägung ziehe. Die IHK ist nun einmal bundesweit jedermann geläufig. Daneben interessiere ich mich sehr für den Betriebswirt IWW, weil das IWW als An-Institut der Fernuniversität Hagen einen sehr guten Ruf zu haben scheint.

    Der allgemeine Betriebswirt IWW hat eine Regelstudienzeit von 15 Monaten. Wird eine Vertiefung gewählt, ist von einer Regelstudienzeit von 18 Monaten auszugehen.

    Sofern Sie Informationen haben sollten, die eine Entscheidung pro IHK oder pro IWW insbesondere vor dem Hintergrund eines geisteswissenschaftlichen Studiums erleichtern könnten, würde ich mich über Ihre Tipps sehr freuen!
    Einen schönen Tag wünscht Ihnen
    Irene

  6. Johannes Lenz

    Twitter 🙂 RT @SimoneJanson: Welche Strategie ist bei der Jobsuche erfolgversprechender: Weiterbildung oder Twitter?

  7. Andreas Prokop

    RT @HolgerFroese: Welche Strategie ist bei der Jobsuche erfolgversprechender: Weiterbildung oder Twitter? #Bildung

  8. Andreas Prokop

    RT @HolgerFroese: Welche Strategie ist bei der Jobsuche erfolgversprechender: Weiterbildung oder Twitter? #Bildung

  9. Wir haben den Weg als Unternehmung genutzt und eine neue Position ausschließlich über B2B Netzwerke ausgeschrieben …. und besetzt. Ein Erfahrungsbericht: http://linkedinsiders.wordpress.com/2011/03/20/recruiting-2-0-branchout-facebook-linkedin-und-xing-im-praxistest/

    lG
    Stephan

    • Simone Janson

      Hallo Stephan,
      vielen Dank für das super-Beispiel mit Zahlen – das ist ein Thema, das ich gerne wieder aufgreife. Ich würde mich dann melden.
      Gruß
      Simone Janson

  10. Holger Froese

    Welche Strategie ist bei der Jobsuche erfolgversprechender: Weiterbildung oder Twitter? #Bildung
    Kommentiert auf Twitter

  11. Dirk Eickmeier

    Berufe u. Karriere: Bei Jobsuche … – … Weiterbildung oder Twittern ?

  12. Dirk Eickmeier

    Berufe u. Karriere: Jobsuche – Weiterbildung oder Twitter ?…

  13. malonline

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  14. BitBoutique®

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  15. Simone Janson

    Welche Strategie ist bei der Jobsuche erfolgversprechender: Weiterbildung oder Twitter?

  16. KompetenzPartner

    Welche Strategie ist bei der Jobsuche erfolgversprechender: Weiterbildung oder Twitter?: Vor ein…

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