Die ganze Serie →Jobsuche erfolglos? lesen!
Hunderte von Bewerbungen geschrieben, aber trotz Erfahrung und guter Zeugnisse stets Absagen kassiert? Das muss nicht zwangsläufig an der eigenen Leistung liegen: Viele Bewerber erwarten einfach zu viel – z.B. dass er einfach eingestellt wird, obwohl ihn keiner kennt…
Erfolg wird häufig als Sache des Willens gesehen – wer nur feste an sich glaubt, wird schon Erfolg haben. Dazu gehört auch, dass man hohe Ziele hat – denn wie soll sich Erfolg einstellen, wenn man ihn gar nicht im Blick hat?
Instant-Erfolg gibt es nicht
Auch wenn ich kein Freund esoterischer NLP-Logik bin, nach dem Motto “Du musst nur an dich Glauben, dann wird das schon was mit dem Erfolg” – etwas Wahres ist dran: Wer sich nichts vornimmt, versucht es erst gar nicht – und dann wird es nie was mit den großen Zielen.
Was allerdings gerne dabei vergessen wird: Die gute Absicht alleine reicht nicht – man muss auch etwas dafür tun dass es klappt. Zum Beispiel vor der Bewerbung Informationen einholen, Kontakte aufbauen usw. Dafür braucht man viel Geduld. Dennoch erwarten viele Jobsuchende den Instant-Erfolg.
Networking statt Absagen zählen
„Schon wieder!“ denkt Miram, als sie ihre zurückgeschickten Bewerbungsunterlagen aus dem Briefkasten holte. Es ist nicht das erste mal, Miriam hat aufgehört, die Absagen zu zählen. Dabei ist Sylvia kein unbeschriebens Blatt: Berufsausbildung und Studium, Führungsaufgaben, erstklassige Beurteilungen im Arbeitszeugnis. Nur leider musst ihr letzter Arbeitgeber Insolvenz anmelden.
Was Sylvia allerdings nicht hat, ist ein großes Netzwerk. Ihr fehlen schlicht Leute, die sie auf freie Stellen aufmerksam machen oder sie potentiellen Arbeitgebern empfehlen würden. Die Notwendigkeit hat Miriam nicht eingesehen, schließlich hatte sie einen guten Job und wurde ja für gute Leistung bezahlt – nicht für Kontakte. Und jetzt hat sie einfach Pech.
Nicht einfach nur Pech
So einfach ist das mit dem Pech aber nicht, wie Karrierecoach Svenja Hofert erklärt: „Man kann in seinem Job noch so gut sein – wer es nicht schafft, Empfehlungen auszulösen, wird mit Sicherheit scheitern.“ Denn nach einer Studie von IBM kommt es im Job nur zu 10 Prozent auf die eigene Leistung an. 30 Prozent sind Image – und ganze 60 Prozent sind dem Bekanntheitsgrad zu verdanken.
Hofert hat zahlreiche Bücher über neue Bewerbungsformen geschrieben, u.a. “Das Karrieremacherbuch” Sie stellt fest: „ Bevor man von anderen etwas erwarten kann, muss man sich bei denjenigen positiv verankert haben. Viele Jobsuchende haben da aber eine falsche Erwartungshaltung. Alles sofort klappen, alle Bemühungen müssen sich schnell rentieren. Instant-Erfolg sozusagen. Wer sich einen Namen machen will, braucht aber oft viele Jahre.“
Nur kein Dampfplauderer
Allerdings, so räumt die Autorin ein, ist Networking ohne entsprechende Leistung langfristig genauso wenig erfolgversprechend: „Wer einfach nur gut ist, wird nicht wahrgenommen. Umgekehrt gilt: Wer nur gute Kontakte hat, wird vielleicht anfangs empfohlen, später jedoch nicht mehr, wenn sich die schlechten Leistungen herumsprechen. Beide Faktoren spielen zusammen.“
Wie hält die Karriereexpertin es selbst mit den Empfehlungen? „Mein Prinzip, dem auch die meisten meiner Kollegen folgen: Ich empfehle entweder, was ich selbst kenne und schätze oder was andere aus meinem Netzwerk empfehlen. Ich muss jemanden selbst kennen oder aber einen Eindruck von anderen vermittelt bekommen haben.“
Dieser Artikel erschien auch bei RP-ONLINE: http://www.rp-online.de/beruf/arbeitswelt/Unbekannt-und-aussortiert_aid_957772.html


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