Serie – Berufs- & Lebensbilder weltweit im Wandel: Wie ein deutscher Winzer in der Provence eigene Ideen verwirklicht

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Peter Fischer ist in jeder Beziehung eine Ausnahmeerscheinung: Als deutscher Winzer in der Weinregion Provence, als Unternehmer, der seinen eigenen Weg konsequent abseits vom Massengeschmack geht – und als Mensch, der einfach die Ruhe weg hat.
Peter Fischer

Innovatives, unternehmerisches Denken hat der aus Bühl bei Baden Baden stammende Winzer praktisch im Blut. Sein Urahn ist der UHU- Alleskleber-Erfinder August Fischer, sein Onkel war Weinhändler.

Das Winzerhandwerk im Ausland gelernt

Den 1959 geborenen Peter Fischer hingegen zog es in Ausland. Nach dem Abitur in der Schweiz machte er ein Farmpraktikum in die USA und studierte Agrarwissenschaften mit Schwerpunkt Weinbau an der University of California in Davis.

Nach dem Abschluss arbeitete er u.a. auf dem renomierten Weingut Buena-Vista im kalifornischen Sonoma und in Italien. 1984 kam Fischer in die Provence und übernahm das aus dem 17. Jahrhundert stammende Château Revelette in Jouques, 30 km nördlich von Aix-en-Provence.

Provence

“Man muss sich entscheiden: Massengeschmack oder das eigene Ding!”

„Unsere Aufgabe als Winzer ist, das zu umzusetzen, was die Gegend uns bietet“ erklärt Fischer seine Philosophie. Daher betreibt er konsequent biologischen und qualitätsorientierten Anbau und wurde von Ecocert sogar als biologisch arbeitendes Weingut zertifiziert. Doch das interessiert ihn nicht, die ganze Bio- und Ökobewegung ist ihm eher suspekt und an Bioläden verkauft er ohnehin nicht.

Ohnehin lehnt er Modeerscheinungen ab: „Man muss sich als Unternehmen Entscheiden, ob man den Massengeschmack bedienen will und das macht, was die Konsumenten wollen – oder den eigenen Charakter eines Produktes und einer Region herauszuarbeiten. Alles andere macht unglaubwürdig!“

Das Unternehmen bewusst klein halten

Fischer hat den zweiten Weg gewählt: „Konsumenten haben heute ohnehin so viel Auswahl und ihr Geschmack ändert sich so schnell, dass man das kaum bedienen kann. Es macht daher Sinn, konsequent seinen eigenen Weg zu gehen!“

Was ihm dabei geholfen hat, ist, dass er sich in den letzten 26 Jahren mit hochwertigen Weinen einen Namen in der Region gemacht hat. Und dass er den Betrieb bewusst klein gehalten: Zwölf Parzellen mit insgesamt 25 ha – größer soll es nicht werden, denn nur so kann das Weingut im kleinen Team mit lediglich drei ganzjährig beschäftigten Mitarbeitern bewirtschaftet werden.

Eigene Ideen verwirklichen

Und nur so hat Fischer, die Gelegenheit seine eigenen Ideen verwirklichen: „In so einem kleinen Betrieb kann man sich natürlich viel besser ausleben und auch mal experimentieren. Größere Unternehmen haben auch mehr Kosten und daher auch einen größern Verkaufsdruck,“ erklärt Peter Fischer.

Macht es ihn nicht nervös, den Wein einfach vor sich hin reifen zu lassen, also ein Produkt zu haben, zu dessen Erfolg er selbst eigentlich wenig beitragen kann? “Aber das stimmt ja gar nicht, dass ich den Wein einfach machen lasse”, gibt Fischer ironisch zurück, “Ich stehe ja daneben und streichle und rede ihm gut zu!”

Die Winter sind verdammt kalt

Gut 1000 Winzer gibt es in der Provence, nur sieben davon sind Deutsche. „Wir haben aber nicht viel Kontakt,“ berichtet Weinmacher, der im Château Revelette mit seiner französischen Frau Sandra und zwei Kindern bescheiden lebt.

„Unser Luxus ist die Umgebung und die schöne Landschaft. Wir haben hier sehr einfache Verhältnisse – und die Winter sind verdammt kalt!“

Wein ist nicht alles im Leben!

Hat er jemals daran gedacht, aufzuhören, vielleicht mit der Familie in die Heimat zurückzukehren? „Einmal, vor zwei Jahren, habe ich ein paar Monate lang versucht, das Anwesen zu verkaufen.“, berichtet Fischer. Wein sei schließlich ein wichtiger Teil seines Lebens – aber nicht alles!

Dann aber sei ihm klar geworden, welche hohe Ansprüche viele Leute mit Geld haben – und er hat es gelassen. Seine Kinder, die auch gar kein Deutsch können, sollen später einmal selbst rausfinden, was sie wollen.

Sponsor: Die Recherche zu diesem Beitrag wurde ermöglicht durch die Region Alpes Haute Provence sowie durch die Französische Zentrale für Tourismus ATOUT FRANCE und Reiseveranstalter Siglinde Fischer, die Flug, Unterkunft und Verpflegung übernommen haben.

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