Serie – Berufs- & Lebensbilder weltweit im Wandel: Barfuß durchs Leben – Freiheit oder Spleen?

Die ganze Serie → lesen!

Star-Modefotograf Russel James hat es erfolgreich vorgemacht: Ohne Schuhe leben und arbeiten. Und es gibt mehr Menschen, die diese Einstellung teilen: Eine von ihnen, die Französin Elizabeth, traf ich am Wochenende beim Wandern in den Calanques bei Marseille. Und ich habe mich gefragt: Wie viel persönliche Freiheit ist heute in Beruf und Alltag möglich – und wann wird es richtig spleenig?
Barfuß wandern in den Calanques, Marsaille, Provence

Susanne Zürn-Seiller, Pressechefin des Comité Régional de Tourisme Provence-Alpes-Côte d’Azur in Marseille, die meine Recherchen vor Ort nicht nur durch ihr Sponsoring ermöglicht, sondern mich auch logistisch sehr unterstützt hat, hatte mich extra gewarnt: In den Calanques bei Marsaille Wandern nur mit festem Schuhwerk!

Barfuß als Lebenseinstellung?

Und während ich mich nun also mit meinen festen Wanderstiefeln auf der sicheren Seite wähne und insgeheim über die Leute lästere, die ich auf meinem Weg mit Sändälchen treffe, fällt mir Elizabeth auf, die Barfuß ist. Barfuß, ohne Schuhe, die auf dem felsigen, unebenen und steilen Weg von Luminy in die Calanque Sugiton Schutz vor Steinchen, Dornen und Umknicken bieten könnten.

Ich muss an den australischen Star-Mode-Fotografen Russel James denken: Er fotografiert Modells wie Giselle Bündchen oder Heidi Klum der Welt, kann aber nach eigenen Angaben in Schuhen “kein einziges gescheites Bild  schießen”. Selbst mitten im Winter läuft er Barfuß. Und es gibt mehr Leute wie ihn – man muss nur bei Google mal “Barfuß Leben” eingeben.

Gesellschaftlich nicht akzeptiert

Nur: Hier ohne Schuhe herumzucraxeln, erscheint mir noch eine Spur haerter. Ein Grund also für mich, Elizabeth anzusprechen. Es ist eine Lebenseinstellung, erzählt sie mir. So oft wie es geht, läuft sie eben barfuß. Leider geht es oft nicht. Zum Beispiel bei der Arbeit, denn Elizabeth hat einen seriösen Job als Buchhalterin im südfranzösischen Toulon.und ist übers Wochenende bei Freunden in Marseille.

Auch in der Freizeit, wenn sie abends weggeht, muss sie oft mit Leuten über Ihre Einstellung diskutieren. “Barfuß laufen wird gesellschaftlich oft nicht akzeptiert..” seufzt sie. Dass ich ein Foto von ihr veröffentlichen will, findet sie lustig.  “Wenn du willst,” sagt sie. Schuhlos durch die Gegend zu laufen, ist für Elizabeth nichts besonderes erwähnenswertes.

Ungeschützt auf steinigen Wegen?

Ich frage, ob barfuß laufen hier nicht ein wenig gefährlich ist. Zwar sind ist der Haupt-Wanderwege, gerade für südeuropäische Verhältnisse, hervorragend gut ausgebaut. Aber wie auch ich nimmt Elizabeth immer wieder die kleinen Pfade, die die langen Serpentinen auf dem Weg nach unten abkürzen. Und die sind alles  andere als breit und bequem.

Sie wehrt lachend ab: “Das ist doch nur der Weg zum Strand, da ist Barfuß-Laufen kein Problem”, sagt sie. Tatsächlich läuft sie erstaunlich sicher auf dem steinigen Weg. Auch wenn sie natürlich etwas vorsichtiger gehen muss, als Menschen mit festen Schuhen. Manchmal strauchelt sie auch ein wenig, aber das kann einem auch mit festen Schuhen passieren.

Wandern Calanques Marselle Provence

Nur scheinbare Sicherheit?

“Bravo” sagte eine Frau, die uns von unten schnaufend entgegenkommt und weist auf Elizabeths nackte Füße. Und ich frage mich plötzlich, warum ich eigentlich die ganze Woche die schweren Wanderschuhe mit mir herumgeschleppt habe. Vielleicht hat man wirklich mehr Freiheit, wenn man barfuß durch die Gegend läuft?

Vielleicht sollten wir Dinge, von denen wir glauben, dass sie uns Sicherheit bieten, die uns aber in Wirklichkeit einengen, einfach ablegen? Oder ist Barfuß-Laufen nur ein verrückter Spleen, die Festigung einer etwas versponnenen Identität, wie Russell James selbst sagt?

Barfuß bei der Arbeit – was ist erlaubt?

Und was würdet Ihr sagen, wenn Euer Chef, Eure Mitarbeiter oder Kollegen plötzlich Barfuß zur Arbeit kommen wollten? Wie weit geht, im Zuge des oft zitierten Fachkräftemangels, in Unternehmen die Toleranz, Mitarbeitern solche und ähnliche Spleens zu erlauben?

Oder ist es, zum Beispiel in kreativen Berufen, nicht sogar notwendig, das Mitarbeiter solche Freiheiten haben, um ihren Job gut machen zu können, wie das Beispiel Russell James zeigt. Oder können sich das eben nur Stars erlauben? Freue mich auf Meinungen!


Von einem der auszog das Fürchten zu lernen -1/3: Erlebte Feedback-Kultur

Sabine | Lanius, 21. 05. 2013:

„Nothing good ever happens when feedback is missing“ wird Steve Armstrong, Senior Vice President von Kelly Services zitiert. Feedback soll ein Geschenk sein, ein Stärkungsmittel für Produktivität und Arbeitseffizienz. Eines der wichtigsten Instrumente für erfolgreiche Entwicklungs-, Lern- und Veränderungsprozesse. Im … Weiterlesen →


Kaberettist Vince Ebert über die neusten Erkenntnisse der Hirnforschung: Sind wir wirklich frei?

Simone | Janson, 28. 11. 2011:

Heute mal was Nachdenkliches und trotzdem zum Lachen: Wissenschaftskabarettist Vince Ebert begibt sich auf die Suche nach der Freiheit.  Was genau ist der freie Wille? Wer hat die Freiheit erfunden? Wo liegen die Grenzen? Mit spannenden Erkenntnissen aus Philosophie und … Weiterlesen →


Meine Kolumne in der Welt zum Thema Kritikfähigkeit: Warum aus Fehlern lernen das Innovationspotential verbessert

Simone | Janson, 15. 03. 2013:

In der aktuellen Ausgabe der Tageszeitung “Die Welt” ist im Wirtschaftsteil meine Karriere-Kolumne zum Themea “Kritikfähigleit – Aus Fehlern Lernen erschienen”. Darin beleuchte ich die Probleme der deutschen Feedbackkultur im Vergleich zur amerikanischen und zeige auf, wie man mit Fehlern … Weiterlesen →


Zunehmender Leidensdruck in der Arbeitswelt: Was tun, wenn der Stresspegel steigt?

Kerstin Reviol, 24. 05. 2013:

Noch vor ein paar Jahren stellte ich das Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) in Unternehmen vor und rührte die Werbetrommel dafür. Anbieter mussten auf die Unternehmen zugehen und sie von der Bedeutung einer gesundheitsfördernden Arbeitsplatzgestaltung und Arbeitsatmosphäre überzeugen. Heute hat sich … Weiterlesen →


Als Deutsche in Kanada Karriere machen: Die Hotel-Managerin, die Paul McCartney absagte

Simone | Janson, 14. 05. 2013:

Ingrid Lemm kommt aus einem kleinen Dorf im Schwarzwald und hatte in der Schule eine 4 in Französisch. Heute ist sie in Kanadas französischsprachiger Provinz Quebec Managerin in einem der besten Hotels Nordamerikas und musste sogar Paul McCartney absagen. Wie … Weiterlesen →


Wie man Denkblockaden beseitigt -3/3: Free again!

Ruth | Meinhart, 08. 05. 2013:

In den ersten beiden Blogartikeln ging es um die Ursachen und Hintergründe von Blockaden und Blackouts, die beide auf unbewusster Ebene entstehen und ablaufen. Was aber kann man wirklich dagegen tun? Pillen helfen nicht Wer es schon einmal probiert hat, … Weiterlesen →


Foto-Gewinnspiel-Aktion von ATOUT FRANCE: Crowdsourcing mit Ente

Simone | Janson, 25. 06. 2012:

Gerade wurde ja unser Crowdsourcing-Report veröffentlicht, in dem ich über Crowdsourcing-Aktionen in der Tourismus-Branche geschrieben habe. Dazu passt diese Aktion von Atout France sehr gut: Wer noch bis zum 14. Juli ein Urlaubsfoto aus Frankreich mit Plastikente einreicht, kann fürs … Weiterlesen →


Berufs- & Lebensbilder weltweit im Wandel: Algenfischer in der Bretagne

Simone | Janson, 28. 01. 2013:

In der Bretagne gibt es einen Traditionsberuf, der kaum bekannt ist: Algenfischer oder Goémonier, wie die Franzosen sagen. Auch wenn der Beruf sich stark gewandelt hat, wird er doch immer noch ausgeübt. Ein Algenfischer erzählt von seinem bewegten Leben und … Weiterlesen →


Kommentare & Reaktionen

Unsere Kommentarsystem DISQUS wird auch in Medien wie DIE WELT, National Geographic oder Perlentaucher verwendet. Mit nur einer Registrierung, z.B. per Twitter o. Facebook, können Sie überall kommentieren. Ihre Daten werden dabei von DISQUS gespeichert. Mehr dazu in den Datenschutzbestimmungen. Sie können auch als Gast kommentieren, ohne Ihre Daten anzugeben.

Hinweise zum Kommentieren

  1. Wollen Sie eine eMail-Benachrichtigung über neue Kommentare zu diesem Thema erhalten, müssen Sie sich bei DISQUS anmelden.
  2. Um ein Foto von sich neben dem Kommentar zu nutzen, können Sie sich mit diversen sozialen Netzwerken einloggen oder das Bild bei Gravatar hochladen.
  3. In den Kommentar können Sie jederzeit ein Foto ohne weitere Anmeldung hochladen
  4. Kritische Kommentare sind willkommen, Beleidigungen werden allerdings entfernt. Lesen Sie dazu bitte die Richtlinien für Kommentare & Foren.
  • Pingback: KompetenzPartner

  • Pingback: Simone Janson

  • Pingback: Holger Froese

  • Pingback: Andreas Prokop

  • Pingback: Andreas Prokop

  • Pingback: Andreas Prokop

  • Pingback: Schmutzfuss

  • Manfred (Ten)

    Auch ich gehöre zu der Spezies, die ganzjährig und konsequent barfuß lebt.

    Ist es nicht vielmehr ein “Spleen” sich mit “high heels” die Füße (und mehr) kaputt zu machen, sich in feucht-warmen Schuhen Blasen und Fußpilz zu züchten und sich das sinnliche Erlebnis “geerdet” zu sein zu versagen ?

    Ich und viele barfüßige Freunde aus ganz Deutschland, mit denen ich mich in unserem BArfüßer-Forum austausche und mit denen zusammen wir stets einige Treffen und Wanderungen im Jahr haben stellen immer wieder fest: Es geht! Problemlos! Wenn man dabei authentisch, gepflegt ist und spürbar nicht provozieren will – dann gibt es nur sehr wenige Reaktionen – und die sind dann so gut wie immer neugierig-freundlich/positiv …

    Und soll ich denn wirklich mein Leben nach den wenigen anderen ausrichten die (noch) in ihren Zwängen gefangen sind ?

  • http://berufebilder.de Simone Janson

    Hallo Manfred,
    Schön! Danke! Gegen einengende Schuhe und HighHeels bin ich auch völlig. Es gibt doch mehr Barfüßler als man denken sollte. Über den Sicherheitsaspekt lohnt es sich aber nachzudenken – manchmal sind Schuhe doch sicherer – oder nicht?

    • Esther Stratmann

      Naja, wenn man im Chemielabor oder im Stahlwerk arbeitet, sicher. Wenn man aber durch die Stadt oder die Natur läuft, kann man sich kaum mehr als eine kleine Schnittverletzung zuziehen, und die wiegt sehr wenig gegenüber dem Gefühl der Freiheit. Du glaubst gar nicht, wie robust Füße sind, wenn man barfußgehen gewohnt ist …

      Esther, Barfußläufern seit 9 Jahren

      • http://berufebilder.de Simone Janson

        Danke für diese Einschätzung! Aber wenn ich da alleine an rauen Asphalt denke.
        Mal eine Frage: Wie handhabst du das denn im Job? Elizabeth sagt ja, im Beruf muss sie ihre Schuhe anbehalten…

        • Esther Stratmann

          Im Moment studier ich noch; bei meinem Abendjob (Kellnern in einer ziemlich urigen Kneipe) ist barfuß kein Problem.
          Später im Arbeitsleben weiß ich noch nicht … hoffe ja immer, daß mein Traum mit freiem Journalismus was wird.
          Asphalt ist gar kein Problem: Wenn Du gesunde Füße hast und mal 2-3 Wochen unten ohne gelaufen bist, hast Du vergessen, wie sich Schuhe anfühlen. Solange zwickt und piekst es ein bißchen; ich hab mit 17 ziemlich plötzlich angefangen mit barfußlaufen, und erinnere mich noch, daß die ersten paar Wochen auf heißem Großstadtasphalt im Hochsommer ziemlich schmerzhaft waren; dicke Blutblasen unter beiden Ballen. Aber seitdem lauf ich ohne jede Beschwerde …

        • Esther Stratmann

          In rauem Asphalt seh ich (im Gegensatz zu steinigen Wanderwegen) gar kein Problem. Du mußt mal drei Wochen durchgehend barfuß laufen, dann interessiert Dich nicht mehr, wie rau der Asphalt ist (ich hab das Barfußlaufen ganz plötzlich angefangen, die ersten Wochen hatte ich Blutblasen u.ä., nach ein paar Wochen keinerlei Beschwerden mehr).

          Mein Beruf? Binn momentan Sudentin, abends jobben als Kellnerin in einerurigen Kneipe – da ist barfuß keinn Problem, Weiß natürlich nicht, wie es nachher im Job ist, studier Germanistik: Wenn mein Traum, freier Journalismus, wahr wird, könnt es gehen, als Lehrerin wär es wohl schwieriger …

  • Pingback: Axel Haitzer

  • Pingback: Mario Voegtlin

  • Marco

    Venite a paseggiare scalzi a Rimini, ance io amo girare a piedi nudi quando posso.

    • http://simone-janson.de Simone Janson

      Magari.. Almeno li c’e la spiagga per andare scalzi. Ma sono contenta se la autotraduzione di Google sembra cosi bene che si capisce i articoli. Saluti in Italia!

Überblick

Mehr als 6.000 Kommentare von über 200 Kommentatoren in diesem Blog finden Sie hier. Sie können alle Kommentare auch abonnieren.
Mehr als 3.000 Fans und über 10.000 Kommentare in diversen sozialen Netzwerken wie Twittter, Facebook, Google+ & Xing finden Sie hier.

9 Trackbacks

Trackback URL - bitte in Ihren Beitrag eintrage, um einen Trackback zu erzeugen:

http://berufebilder.de/2011/serie-berufs-lebensbilder-weltweit-barfuss-durchs-leben-freiheit-oder-spleen/trackback/


  1. Pingback: KompetenzPartner

  2. Pingback: Simone Janson

  3. Pingback: Holger Froese

  4. Pingback: Andreas Prokop

  5. Pingback: Andreas Prokop

  6. Pingback: Andreas Prokop

  7. Pingback: Schmutzfuss

  8. Pingback: Axel Haitzer

  9. Pingback: Mario Voegtlin