Gestern unterhielt ich mich auf einer Veranstaltung mit einem Professor einer Hamburger Hochschule, der dort für die Ausbildung in medienwissenschaftlichen Studiengängen zuständig ist. Und der erzählte mir von einem ernsten Problem: Dass man nämlich gar nicht wisse, wie man die jungen Leute vernünftig ausbilden solle, weil man keine Ahnung habe, was morgen überhaupt auf dem Arbeitsmark gefragt sei.
Zur Zeit lernten die angehenden Medienleute Apps zu programmieren, weil das eben Momentan der Renner bei den Verlagen sei. In zwei Jahren aber, so war sich mein Gesprächspartner sicher, würde wieder etwas ganz anderes gefragt sein. Aber was denn nur?
Die Ausbildung hinkt hinterher
Ein Mann in Nöten – und bezeichnend für unser deutsches Ausbildungssystem. Denn auch wenn die moderne Technik die Anforderungen auf dem Ausbildungsmarkt rasanter verändert als die Hochschulen ausbilden können (in diesem Fall dauert ein Ausbildungsgang 3 Jahre):
In den Köpfen sitzt offenbar noch ziemlich tief, dass eben nur eine gescheite Berufsaubildung im Fach X dazu befähigt, eben just diesen Beruf X auch auszuüben. Und zwar bei den Professoren, aber dummerweise auch bei den jungen Leuten, die sich so selbst unnötig einengen.Das Thema habe ich hier auch schon behandelt.
Fachkräftemangel – doch kein Märchen?
Und das gilt ja längst nicht nur für die Journalisten, da ist der Zugang ja noch vergleichsweise offen, sondern vor allem auch für technische Berufe. Kein Wunder, dass da gerne “Hilfe, Fachkräftemangel” gerufen wird: Wenn Unternehmen praktisch schon fertig ausgebildete Fachleute suchen, denen sie nichts mehr beibringen müssen, dann ist die Auswahl tatsächlich ziemlich beschränkt.
Dabei ist es längst ein offenes Geheimnis, dass man in der Regel sein Können am besten im Job erlernt: Learning bei Doing. Aber diese Weisheit scheint vielen nicht so recht zu schmecken:
- Den Unternehmen nicht, weil Sie den Leuten dann erst etwas beibringen müssen und Zeit verlieren.
- Den Hochschulen nicht, weil wer würde denn die sorgasam ausgearbeiteten Studiengänge studieren, wenn herauskäme, dass sie auf dem Arbeitsmarkt vergleichsweise wertlos sind?
- Und den Studenten auch nicht, denn die bekommen es in manchen Fächern regelerecht eingetrichtert und müssen es sich ansonsten gebetsmühlenartig immer wieder wiederholen, dass sie das richtige studieren, was zum sicheren Job verhilft – sonst wäre die Verunsicherung wohl einfach zu groß.
Lebenslanges Lernen – aber wie?
Eigenverantwortung sieht anders aus. Genau die sollte aber das Ziel einer Ausbildung sein: Dass man sich später eigenverantwortlich weiterbilden kann (das vielzitierte, aber oftmals hohlphrasige Lebenslange Lernen) und sich Flexibel neuen Herausforderungen stellen kann.
Dafür bräuchte es aber dann auch einen Arbeitsmarkt, der solche Fähigkeiten und solche Einsatzfreude belohnt, keine Arbeitgeber die händeringend nach Spezialisten suchen, die sie sich eigentlich selbst erst noch heranzüchten müssen. Und der Generalisten lieber links liegen lässt, statt ihnen Chancen zu ermöglichen.
Ausbildung 2.0?
Und schließlich muss Ausbildung auch interaktiver, spontaner, weben Web-2.0iger werden. Permanente Kommunikation z.B. mit Unternehmen statt festgefügte, starre Lehrplan-Korsetts. Sowas ist mit dem heutigen Bildungssystem ja fast nicht zu schaffen:
Vielleicht müssen wir Ausbildung einfach mal radikal neu denken, weg von Institutionen und Lehrplänen, hin zu mehr Interaktivität?

