Mein Artikel bei ZEIT-ONLINE: Mobile Jobsuche mit Apps und Sozialen Netzwerken

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Für ZEIT-ONLINE habe ich diesen Artikel über Mobile Recruiting verfasst. Es geht um Jobsuche mit Apps, den Einsatz von Location Based Services im Recruiting und die Zukunft des Mobile Recruiting. Hier veröffentliche ich nun einen Entwurf mit einem Testbericht zu den Möglichkeiten, mobil Jobs zu finden. Viele weiterführende Links aus meiner Recherche finden Sie am Ende des Artikels. Ab heute gibt es hier im Blog ein mehrteiliges, ausführlicheres Interview zum Thema – und zwar mit Professor Dr. Stephan Böhm von der Hochschule RheinMain in Wiesbaden, einem der führenden Mobile-Media-Experten Deutschlands.
Mobile Recruiting

Apps zur mobilen Jobsuche

21 Ergebnisse zeigt die App auf meinem Handy für „Journalist“ an. Die Ergebnisse kann ich abspeichern und direkt vom Handy per E-Mail verschicken. Und mit der Suchhistorie schlage ich nach, was ich zuvor schon gefunden habe.

Handys mit mobilem Internet können heute auch die Jobsuche unterstützen. Allerdings steht man in Deutschland bei der technischen Umsetzung noch am Anfang.
Jobtweet heißt die App für Android und iphone, übrigens die mobile Version der gleichnamigen Jobsuchmaschine. 7000 Menschen nutzen die App zur Zeit. Die Echtzeit-Suche ist das, was jobtweet von ähnlichen Apps unterscheidet.

Entwickelt wurde sie von der Hamburger Personalberatung Atenta. Die Nutzung ist kostenlos: „Wir bieten eine zusätzliche Möglichkeit, jobtweet komfortabel mobil zu nutzen. Das ist vor allem eine freie Service-Leistung, die unsere Nutzer zu schätzen wissen, bringt uns aber natürlich auch neue Besucher“, erklärt Pressesprecher Tobias Kärcher die Intention.

Jobs überall suchen – und mehr

Mit Apps wie jobtweet kann ich also Jobs immer und überall suchen. Etwa in der S-Bahn. Oder während ich irgendwo warte. Klingt praktisch. Doch eigentlich ist noch viel mehr möglich: „Im Prinzip sind bereits die mobile Version einer Karrierewebsite oder Jobangebote, die man per SMS zugeschickt bekommt, Mobile Recruiting-Angebote“, erklärt Stephan Böhm. Böhm ist Professor für Telekommunikation/Mobile Media an der Hochschule RheinMain.

Er leitet dort mit seinem Kollegen Professor Dr. Wolfgang Jäger ein Forschungsprojekt zum Mobilen Recruiting. „Spannend wird es aber erst, wenn Unternehmen Angebote gezielt auf die Nutzung unterwegs abstimmen und die neuen Möglichkeiten von Smartphones und mobilem Internet nutzen,“ sagt der Experte.

Location Based Services

Der Fachbegriff dafür ist Location Based Services (LBS). Den testet Robindro Ullah, Leiter Zusatzservice bei der Bahn-Tochter DB Services, seit November am Berliner Hauptbahnhof. Wenn ich bei der Bahn arbeiten will, kann ich hier live sehen, was mich erwartet.

Dazu checke ich mit dem LBS-Tool foursquare (4sq) am Hauptbahnhof ein. Über das Special bei 4sq kann ich dann eine Führung durch einen Lehrpfad bekommen, auf dem ich alle Berufe, die den Bahnhof instand halten, kennenlerne. Und mir werden parallel freie Stellen angeboten. „Wir nutzen die Standortinformation des Bewerbers, um Ihm etwas zu bieten, was er nur hier findet. Dazu verwenden wir ein Soziales Netzwerk, das allen Usern offen steht, egal mit welchem Betriebssystem,“ erläutert Ullah seine Idee.

QR-Codes und Bluetooth

Ullah ist einer der Vorreiter des mobilen Recruitings in Deutschland. Schon vor drei Jahren setzte er sogenannte Quick Response (QR) Codes ein: Auf Flyern wurde ein schwarz-weißes Kästchen, ähnlich einem Barcode, aufgedruckt. Diesen konnten die Nutzer mit ihren Fotohandys einscannen.

Dadurch gelangten Sie auf die Internetsite mit dem passenden Jobangebot. Auch Bluetooth hat Ullah auf Karrieremessen ausprobiert: Er versendete Informationen zum Arbeiten in seinem Konzern. Wer Interesse hatte, konnte diese kostenfrei und ohne vorherige Registrierung abrufen.

Apps – LBS, aber nicht interaktiv

Er ist aber nicht der einzige, der LBS beim Recruiting verwendet: Mit der Iphone-App der Jobbörse Jobstairs kann ich sehen, welche freien Stellen es gerade da gibt, wo ich mich befinde.

Im Prinzip eine gute Idee; doch leider kann ich über die App noch nicht mit den Arbeitgebern direkt vor Ort in Kontakt treten oder mich bewerben.

Wie sehen Unternehmen mobile Recruiting?

Mobil-Media-Experte Böhm befragte gemeinsam mit seinem Kollegen Jäger Ende 2009 gut 370 Personalverantwortliche zum Mobilen Recruiting: Damals boten weniger als zehn Prozent der Unternehmen überhaupt mobile Karrierewebsites an – von anderen mobilen Aktivitäten ganz zu schweigen.

Allerdings glaubten 89 Prozent an die Zukunft einer mobilen Bewerberansprache. Und 63 Prozent der bereits mobil aktiven Unternehmen waren mit den Nutzer-Reaktionen zufrieden.

Knackpunkt Verbreitung

Mobile Recruiting steht und fällt aber mit der Verbreitung der Hard- und Software. Selbst wenn ein Flyer oder Plakat mit QR-Code Bewerber anspricht: Diese müssen dann auch noch das passende Handy mit Lese-Software haben.

Sonst können Sie den Service nicht nutzen! „Solche Barrieren lassen sich nur überwinden, wenn Unternehmen Anreize zur Verwendung der Technik schaffen und das Thema nachhaltiger verfolgen,“ ist Böhm überzeugt. „In Deutschland besteht aber die Gefahr, dass Anbieter wie Nutzer gleichzeitig auf eine weitere Verbreitung warten. Die eigentlich nützliche Technologie wird zerredet.“

Vorschnell auf den Hype aufspringen

Das große Problem ist laut Böhm, dass Unternehmen oft vorschnell auf einen Hype aufspringen. Wie etwa bei den Iphone-Apps. Man wolle häufig nur ein innovatives Arbeitgeberimage transportieren, statt wirklich sinnvolle Inhalte zu bieten:

„Kunden wollen nachhaltigen Nutzwert. Eine App, die nur Spielerei ist, weckt zwar zunächst Interesse. Sie wird aber auch schnell wieder gelöscht.“ Besser sei es, plattformübergreifende Lösungen zu entwickeln und auf die eigene Zielgruppe abzustimmen: „Das bringt langfristig wirtschaftlich mehr, als nur jeden Trend mitzumachen!“

Datenschutz

Umstritten, gerade bei LBS, ist der Datenschutz: Denn die Unternehmen greifen mit ihren Anwendungen auf den Aufenthaltsorts des Anwenders zu. Daher muss dieser zustimmen – im Idealfall jedes Mal neu und nicht nur einmal bei der Installation:

Art und Umfang der Verwendung solcher Daten sollte stets kontrollier- und nachvollziehbar sein. Eine Zustimmung sollte jederzeit widerrufen werden können. Außerdem sollten Unternehmen keine Nutzerprofile mit Ortsbezug speichern.

Die Zukunft des Mobile Recruiting

Wie steht es also um die Zukunft des Mobile Recruiting? Stephan Böhm wagt eine Prognose: „Gezielte Jobsuche als Karriereentscheidung wird weiterhin überwiegend am Rechner stattfinden. Das ist in meist komfortabler.“ Mit dem Handy ist aber mehr möglich:

Etwa bei der Suche nach einer Aushilfe per Aushang. Wird ein Kandidat zufällig darauf aufmerksam, kann dieser sich sofort Zusatzinformationen auf sein Handy abrufen oder sogar spontan bewerben. Für Böhm der entscheidende Unterschied: „Insbesondere in solchen ad-hoc Situationen und wenn Zeit- und Ortsaspekte bei der Jobsuche eine Rolle spielen, machen mobile Angebote Sinn – und werden sich auch durchsetzen.“

Weiterführende Informationen:

Artikel von Robindro Ullah über sein LBS Projekt: http://www.robindroullah.de/?p=136
Link zum Foursquare HR-Special am Berliner Hauptbahnhof: http://foursquare.com/venue/52943
Website zum Mobile Recruiting von Professor Böhm und Professor Jäger: http://www.remomedia.de
Jobtweet, die Online-Version zur App: http://www.jobtweet.de
LBS bei der Deutschen Bahn: http://www.wollmilchsau.de/foursquare-personalmarketing-hr-special-bei-der-deutschen-bahn/
PR-Video zum Azubi-FM-Lehrpfad am Berliner Hauptbahnhof (FM= Facility Management): http://www.youtube.com/watch?v=Kf2Mu4qMaOA
Text zum Thema: http://www.facility-management.de/news/fm_DB_Services_FM-Lehrpfad_am_Berliner_Hauptbahnhof_300950.html
Video zum Einsatz von LBS im Immobileinbereich: http://www.youtube.com/watch?v=b64_16K2e08
Video, in dem die Personalberater von atenta den Einsatz von LBS im Personalmarketing erklärt: http://www.youtube.com/watch?v=fU_1sTJq8mI


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