Wenn Journalisten zu viel Nähe zum Rechercheobjekt haben: David Kirkpatrick schreibt Facebook in den Himmel

Über das Internet, Soziale Netzwerke und vor allem über Facebook wird in Deutschland viel Negatives berichtet. Grund: Angst um Sicherheit und Daten. Man könnte schon von einer regelrechten Datenschutz-Hysterie sprechen. Eine ausgewogener Betrachtungsweise tut not. Aber: Zu positiv sollte sie auch wieder nicht sein!


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Differenziertere Betrachtung wünschenswert

Den Ansatz des amerikanischen Journalisten David Kirkpatrick fand ich super: Er ist angetreten, Zuckerbergs Werdegang und das Entstehen des zur Zeit erfolgreichsten Soziale Netzwerks Facebook zu beleuchten. Allerding: Eine etwas differenziertere Betrachtungsweise wäre besser gewesen.

Was ich erwarte hatte, war ein kurzweiliges Sachbuch in der Machart “Was würde Google tun”. Auch dessen Autor Jeff Jarvis hatte ich seinerseits eine etwas zu positive Sichtweise unterstellt. Und dennoch war Jarvis’ Buch kurzweiliger, ideenreicher  – und irgendwie kritischer als Kirkpatricks Wälzer.

Zuckerberg-Vita statt Facebook-Analyse

Das mag daran, dass es bei Jarvis um die Geschäftsidee ging, aus der man so allerlei praktische Tipps herauslesen konnte. Bei Kirckpatrick geht es 400 kleingedruckte Seiten lang fast nur um eines: Mark Zuckerberg.

Darum wie er zu seinen Ideen kam. Seine Geschichte. Wie er wurde was er ist. Wie er das Management handhabt, wie er mit seinen Leuten umgeht, wie er einflussreiche Investoren abkanzelte, die ihm sein Unternehmen abkaufen, wer ihn zum Essen oder zu einem Kurztripp mit dem Firmenjet einlädt und und und…

Langweilige Details

Das alles macht Kirckpatricks Buch vor allem eines: Langatmig. Um nicht zu sagen langweilig. Man kann es natürlich auch positiv sehen: Immerhin begleitet man den Werdegang eines des erfolgreichsten Mannes weltweit, wir können ihm praktisch über die Schulter schauen. Ich aber persönlich hätte lieber auf ein paar Anekdoten und Details verzichtet

Was dabei aber fehlt: Der kritische Blick. Und wo Jeff Jarvis sich noch über das Vorgehen Googles in China ausließ, da betreibt Kikpatrick eine Art dauerpenetrantes Greenwashing, die möglicherweise aufkommende Kritik bereits im Keim mit argumenten erstickt.

Beispiel

“Zuckerberg und etliche seiner wichtigen Kollegen sind außerdem davon überzeugt, dass wir dazu beitragen, eine gesündere Gesellschaft zu schaffen, wenn wir offen zeigen, wer wir sind und uns allen Freunden gegenüber konsistent verhalten.”

Mal abgesehen davon, dass ich mich Frage, wer hier die wichtigen Kollegen sind, die als Alibi herhalten sollen, wird Kirkpatricks Arguement ja schon dadurch obsolet, dass Zuckerberg bekanntermaßen ein großes Geheimnis um sein Privatleben macht.

Zuckerberg weichgespült

Sollte Kirkpatrick mit solchen Aussagen versucht haben, Zuckerberg als den netten Kerl von nebenan darzustellen, der mal nebenbei reich geworden ist (ach gott wie sympathisch!), so ist das leider schief gegangen.

Da helfen auch ewig lange Diskurse über amerikanische Datenschutzgepflogenheiten und den Hang zu amerikanischen Offenheit, die sich, wie der Autor richtig anmerkt, eben nicht so leicht auf andere Kulturen übertragen lassen, wenig.

Versuch einer Entschuldigung?

Eigentlich klingt das doch eher wie der Versuch einer Entschuldigung. Vermutlich ist dies aber der wahre Sinn dieses Buches: Ein möglichst positives Zuckerberg- und Facebook-Bild zu erzeugen, das Verständnis schafft und damit Akzeptanz für sein Handeln?

Wäre Kirkpatrick bei einer sachlichen Analyse der Facebook-Strategie geblieben, statt auf die emotionale Zuckerberg-Tube zu drücken, hätte ihm das möglicherweise gelingen können. So hingegen wäre ein anderer Titel für dieses Buch treffender gewesen: “Die Zuckerberg-Vita”.

Insider-Infos durch Nähe?

Gemeinhin sagt man, dass Journalisten Distanz haben müssen zu dem Thema, über das sie schreiben. Und hier sieht man wieder, was dabei herauskommt. Offenbar ist die Lobhudelei der Preis dafür, das der Autor dem Facebook-Macher so umfassend über die Schulter blicken und so viele Insider-Informationen verwenden durfte.

Oder der hat der Autor einfach seine kritische Distanz verloren?


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