Interview mit USG-People-Chef Markus Schulz über Gleichbezahlung in der Zeitarbeit: „Equal Pay darf nicht gesetzlich geregelt sein – die Lohnentwicklung muss von den Tarifpartnern ausgehandelt werden!“

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24.02.2011 244 Leser 1 Debatte 754 Wörter Lesezeit: 4 Minuten, 51 Sekunden

Jobsuche & Recruiting Meinung  Zeitarbeit Teilzeit Steuern Bürokratie Standort Firmenname Marketing Verhandlungen Verkaufen   Markus Schulz ist Vorsitzender des Zeitarbeitsunternehmens USG People Deutschland. Im Interview erzählt er, warum er die politische Forderung nach Gleichbezahlung von Zeitarbeitskräften und Stammpersonal für falsch hält und warum Mindestlohn für ihn die bessere Lösung ist.

Marcus Schulz studierte Maschinenwesen & technische Betriebsführung an der TU München. Er war Consultant bei IBM und Direktor bei Manpower. Seit 2009 ist er in der Geschäftsführung der niederländischen USG People Group. Das Unternehmen hat 1.436 Nieder­lassungen in 10 europäischen Ländern, darunter den deutschen Sitz in München.

Herr Schulz, wie ist Ihre Meinung zur Gleichbezahlung von Zeitarbeitskräften und Stammpersonal, also zur aktuellen Equal-Pay-Debatte?

Die Forderung nach einer staatlich regulierten Gleichbezahlung von Stammpersonal und Zeitarbeitskräften ist so, wie sie derzeit diskutiert wird, absolut inakzeptabel.

Diese Position überrascht beim Leiter eines Zeitarbeitsunternehmens nicht wirklich…

Das heißt ja nicht, dass ich mich einer Debatte um Equal Pay grundsätzlich verschließe. Im Gegenteil: Dieses Thema gehört auf den Tisch – aber nicht so. Das unwürdige Gezerre auf dem Rücken von Hartz IV-Empfängern muss ein Ende haben. Die Beteiligten sollten den verständlichen Wunsch der Menschen nach mehr Lohngerechtigkeit ernstnehmen und ihn nicht länger zum Spielball politischer Machtinteressen machen, sondern professionell nach Lösungen suchen.

Und wie sieht die aus?

Equal Pay darf nicht gesetzlich geregelt sein, sondern die Lohnentwicklung muss von den Tarifpartnern untereinander fair ausgehandelt werden.

Warum?

Die in Artikel 9 Absatz 3 des Grundgesetzes festgeschriebene Tarifautonomie sichert Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden das Recht zu, Tarifverträge frei von staatlicher Einflussnahme auszuhandeln und abzuschließen. In dieser Funktion ist sie ein bewährtes, unverzichtbares Instrument für Freiheit, Wohlstand und sozialen Frieden, an dem nicht gerüttelt werden darf.

Jetzt werden Sie aber pathetisch!

Keinesfalls: Zeitarbeit ist mit über 900.000 Beschäftigten kein zweitklassiger Arbeitsmarkt, wie von Gewerkschaftsseite oft suggeriert wird, sondern eine eigenständige Branche. Für sie gilt, wie für alle anderen Branchen in Deutschland, Tarifautonomie. Die Ausgestaltung von Lohngerechtigkeit ist also keine Aufgabe der Politik: der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) bzw. der Bundesverband Zeitarbeit (BZA) sollten untereinander transparente Vereinbarungen suchen. Alles andere wäre ein bürokratisches Monster, bei dem das Chaos vorprogrammiert ist.

Sie würden es also besser machen, als die Politik Ihnen vorschreibt?

In diesem Zusammenhang weise ich auch darauf hin, dass die Zeitarbeitsbranche im DGB Tarifwerk mindestens 7,60€ pro Stunde (West) zahlt und damit deutlich über vielen anderen DGB Tarifverträgen liegt. Wenn die Gewerkschaften die Lohngerechtigkeit also ernst nehmen, dann bitte gemeinsam mit den Tarifpartnern und vor allem auch in der eigenen Tariflandschaft in anderen Branchen. Der Ruf nach dem Gesetzgeber entlarvt, dass offensichtlich keine gemeinsamen Lösungen gewünscht sind. Denn offensichtlich ist kaum klar, welche Konsequenzen unbedachte Equal Pay-Regeln haben würden.

Nämlich?

Der Fachkräftemangel hat schon längst dazu geführt, dass sich die Löhne bei qualifizierten Mitarbeitern angleichen (Anmerkung der Redaktion: Die Frage, ob wir Fachkräftemangel haben, ist mittlerweile sehr umstritten!). Bei zu kurzen Equal Pay-Fristen – so wie die zuletzt diskutierten vier bis sechs Monate – beschleunigt sich die Rotation von Zeitarbeitskräften. Diese werden immer kürzer in den Betrieben verbleiben, ihre Chancen auf Übernahme sinken.

Welche Belege haben Sie dafür?

In anderen Ländern in Europa hat Equal Pay auch dazu geführt, dass nicht Zeitarbeitnehmer durch Stammbelegschaft „ersetzt“ werden, sondern deren Tätigkeit in Werkverträge verlagert wird. Und in diesem Fall greifen die Regeln des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes nicht. Die Konsequenzen einer gesetzlichen Equal Pay-Regelung sind also verheerend. Bei gesetzlich verordnetem Equal Pay werden die Unternehmen Arbeitsplätze ins Ausland verlagern, was besonders zu Lasten von Geringqualifizierten und/oder Langzeitarbeitslosen geht.

Wie sähe Ihre Lösung aus?

Die Gleichbezahlungsdiskussion muss endlich versachlicht werden, indem man sich an die objektiven Fakten hält: Statt die Tarifautonomie zu kassieren, brauchen wir endlich die Aufnahme der Zeitarbeit ins Arbeitnehmerentsendegesetz und die Einführung eines verbindlichen Mindestlohns.

Also Mindestlohn statt Equal-Pay?

Ja – denn ein tarifgebundener Arbeitsplatz mit fairer Entlohnung ist den Menschen allemal lieber als staatlich subventionierte Arbeitslosigkeit. Arbeitsplätze – gerade für die schwächeren Teilnehmer im Arbeitsmarkt – würden wegfallen: denn Zeitarbeit bietet vielen Menschen eine Chance auf einen Arbeitsplatz, die Unternehmen bei Equal-Pay-Konditionen nicht mehr anbieten würden.

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