Interview mit Dr. Dirk Bisping, Vorsitzender des BVSI: „Perspektiven für IT-Freiberufler derzeit hervorragend!“

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22.06.2011 319 Leser 2 Debatten 661 Wörter Lesezeit: 4 Minuten, 39 Sekunden
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Gründung & Finanzen Meinung  Zeitmanagement Arbeitsorganisation Zeitarbeit Teilzeit Teamarbeit Kollegen HighPotentials Fachkräfte Berufsbild IT   Dr. Dirk Bisping ist der Vorstandsvorsitzende des Berufsverbandes Selbständige in der Informatik e.V. (BVSI). Im Interview sprach er über die Chancen von IT-Freiberuflern, Menschen über 45, das Selbstverständnis von Freiberuflern – und vor allem darüber, wie die Zusammenarbeit in gemischten Teams funktioniert.

Als freier IT-Berater gründete Bisping gemeinsam mit 24 Berufskollegen aus dem BVSI im Oktober 2004 ein eigenes Unternehmen, dem sich inzwischen mehr als 30 Verbandsmitglieder angeschlossen haben. Beim BVSI ist Bisping verantwortlich für die operative Verbandsführung und für die Programmplanung und Lobbyarbeit des Verbandes.

Herr Dr. Bisping, wie stehen denn die Chancen von IT-Freiberuflern zur Zeit?

Der IT-Sektor wird bis Ende 2012 m mehr als 4 Prozent wird wachsen. Von dem Boom profitieren auch die IT-Freiberufler. Die Chancen von SAP-, Java-, Mainframe- und Security-Experten stehen zurzeit ausgezeichnet. Insgesamt sind die Perspektiven für IT-Freiberufler derzeit hervorragend.

Wobei viele Unternehmen doch ihre eigenen Leute haben…

Wir rechnen damit, dass auch der Anteil der Freiberufler in IT-Projekten weiter steigen wird. Der Grund ist, dass Unternehmen hochspezialisierte Fachleute für besondere IT-Aufgaben benötigen und diese häufig nicht aus ihren eigenen IT-Teams rekrutieren können.

Die Freiberufler sind also die Feuerwehrleute für Unternehmen – kann das funktionieren?

Bündelung von Firmenwissen und IT-Fach Knowhow führt zum Erfolg. Deshalb setzen viele Unternehmen verstärkt auf Mixed Teams aus festen und freien IT-Fachleuten, um damit Firmen-Knowhow und externes IT- Fachwissen effektiv zu bündeln. Wenn in gemischten Teams Unternehmenskenntnis und Fachkenntnis zusammenkommen, führt das in der Regel zu ausgezeichneten Ergebnissen.

Das habe ich nicht bezweifelt – aber gestaltet sich nicht die Zusammenarbeit als schwierig?

Klar gibt es bei der Zusammensetzung von gemischten Teams einiges zu bedenken, damit der „Mix“ schließlich auch zum Erfolg führt. Grundsätzlich haben nämlich Angestellte und Freiberufler unterschiedliche Interessen…

…und die wären?

Dem Angestellten ist die soziale Anerkennung innerhalb des Unternehmens wichtig, er oder sie möchte auf der Karriereleiter weiter nach oben kommen. Der Projektleiter und die angestellten IT-Fachkräfte sind oft stark eingebunden mit Abteilungsbesprechungen, Emailverkehr, Konferenzen – also mit der Projektverwaltung und der Administration des Projektes.

Die angstellten IT-ler sind für Sie also karrieregeile Rampensäue?

Naja, verständlicherweise setzt sich der angestellte Informatiker also überwiegend dort ein, wo sein Handeln sichtbar wird, während der externe IT-Spezialist im Hintergrund tätig ist und in erster Linie an seinen fachlichen Ergebnissen gemessen wird.

Und wie sieht die Aufteilung im Ergebnis aus?

Der Angestellte kennt das Unternehmen und dessen Image und bringt dieses Knowhow in das Projekt ein, während der freiberufliche IT-Spezialist sein Expertenwissen für die Zeit des Projektes zur Verfügung stellt. Er konzentriert sich auf die Spezialaufgabe, bei der er über hohe Detail- und Sachkenntnis verfügt. Sie sehen: Die Interessen ergänzen sich! Dazu gibt es auch eine Studie…

…zur optimalen Arbeitsaufteilung zwischen IT-Freiberuflern und Angstellten?

Nein, zum Erfolg von gemischten Teams! Die Studie des Institut für Beschäftigung und Employability aus dem Jahr 2010 belegt, dass die Akzeptanz dieser flexiblen Arbeitsform steigt. Das sind auch unsere Erfahrungen: Viele große und zunehmend auch mittelständische Unternehmen haben mit gemischten Teams gute Erfahrungen gemacht.

Woran liegt das?

Die IBE-Studie zeigt, dass Mixed Teams vor allem schneller auf veränderte Anforderungen reagieren (64%) und komplexe Problemstellungen besser bewältigen (62%). So sind die Projektleiter von Mixed Teams zu 72 Prozent von der Effizienz gemischter Teams überzeugt.

Gibt es keine Reibunkspunkte, wenn da einfach jemand von außen kommt?

Integrations- und Loyalitätsprobleme von externen Teammitgliedern spielten laut der IBE-Studie kaum eine Rolle. Die Angestellten profitieren von den Fachkenntnissen der Freiberufler und umgekehrt hilft das Firmen-Knowhow der Angestellten den Freiberuflern. Das hängt sicher auch mit der Erfahrung zusammen…

Also eine Chance gerade für ältere und erfahrener Fachkräfte?

Das Gros der IT-Freiberufler ist mittlerweile über 45 Jahre alt und meist zehn Jahre und länger als Freiberufler unterwegs. Dass die Teamarbeit vielfach so gut funktioniert, mag zudem damit zusammenhängen, dass sowohl IT-Freiberufler als auch IT-Angestellte oft sehr erfahren sind in der Projektarbeit.

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