Frische Doktor-Skandale von Politikern: War Guttenberg erst der Anfang? – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Frische Doktor-Skandale von Politikern: War Guttenberg erst der Anfang?



Es ist gerade mal etwas über zwei Monate her, da trat Karl-Theodor zu Guttenberg als Verteidigungsminister zurück, weil ihm erhebliche Urherberrechts-Verletzungen in seiner Doktorarbeit nachgewiesen wurden. Nun zeigt sich: Er war offenbar bei Weitem nicht der einzige. Bildung  Wissenschaft Forschung Studium Hochschule Universität Köpfe Silvana Koch-Mehrin Köpfe Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg HighPotentials Fachkräfte Abschlüsse Bildungssystem


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Abschreiben oder einfach machen?

Schon vor Guttenberg umstritten war Bundesfamilienministerin Kristina Schröder: Sie hat zwar nicht abgeschrieben, aber sich die Sache doch offenbar sehr einfach gemacht:

Zum einen schrieb sie darüber, wie sich die Wertvorstellungen von CDU-Bundestagsabgeordneten von CDU-Mitgliedern an der Basis unterscheiden.

Schröder und Saß

Die Fragebögen an die 1000 befragten Parteimitglieder verschickte die Bundeszentrale der CDU. Außerdem bestäftige Schröder den wissenschaftlichen Mitarbeiter ihres Doktorvaters als Hilfskraft bei der Fertigstellung ihrer Promotion.

Auch die Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, Veronica Saß, soll Teile ihrer Doktorarbeit aus Zeitungen und Wikipedia abgeschrieben haben – zusammengetragen wurde das von der Website VroniPlagWiki. Just heute teilte die Universität Konstanz mit, dass man ihr deshalb der Doktor-Titel aberkannt werde.

Pröfrock

Und es geht weiter: Wie gestern die DPA meldete, läss der CDU-Landtagsabgeordnete Matthias Pröfrock aus Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) wegen der Plagiatsvorwürfe gegen ihn seinen Doktortitel vorerst ruhen.

Dem Parlamentarier wird vorgeworfen, in Teilen seiner juristischen Dissertation zahlreiche Textpassagen fremder Autoren ohne Kennzeichnung verwendet zu haben. Aufgedeckt von einer leider nicht näher bezeichneten Internet-Seite.

Koch-Mehrin

Und ebenfalls gestern wurde bekannt, dass auch FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin offenbar geschummelt hat. Die Universität Heidelberg Die Universität Heidelberg ihr nun den Doktortitel aberkennen und hat sie vor wenigen Tagen zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Meinung

Die Anhäufung dieser Fälle zeigt: Kooperatives Arbeiten im Internet funktioniert und bringt äußerst wirksame Ergebnisse hervor. Das ist super und zugleich ein abschreckendes Beispiel für weitere Plagiatoren. Die Sache zeigt auch, wie erschreckend oft auch bei Doktorabeiten gepfuscht wird. Gut, dass das aufgedeckt wird.

Allerdings hat das Ganze nun auch etwas von einer medienwirksamen Hexenjagd: Hatte Guttenberg noch vergeblich versucht, die Sache klein zu reden, so werden nun sofort die Konsequenzen gezogen. Und zwar auch, weil die Hochschulen und Politiker vor Angst schlottern, als nächstes in den Medien-FoKus zu geraten.

Jahrelang geschlampt, nun müssen Exempel her!

Gleichzeitig werden auch gezielt prominente Politker und deren Verwandten (im Falle von Veronica Sass) ausgeguckt, um Exempel zu statuieren. Klar ist Promotions-Betrug kein Kavalliersdelikt. Allerdings wirkt plötzliche Anhäufung solcher Delikte, drei Fälle in zwei Tagen, schon seltsam übertrieben. Zumal auch die Hochschulen sicher so ihre Vorteile von der Sache hatten.

Eine Gefahr besteht nämlich: Statt in dem jahrelang gewachsenen Sumpf aufzuräumen, statuiert man medienwirksam einige Exempel – seht her, wir gehen hart gegen die Fälle vor – um dann, wenn die Aufregung sich gelegt hat, einfach so weiterzumachen wie vorher.

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