
Das Zukunftsinstitut hat mal wieder eine neue Studie herausgegeben – zu einem Thema, das uns alle angeht: Mobilität! Auto, Fahrrad, Bus & Bahn – wie bewegen wir uns in Zukunft? Was verstehen wir unter Mobilität im 21. Jahrhundert? Und wie sieht das im Alltag aus? Ganz neu sind die Thesen ja für mich nicht – aber dennoch interessant.
Die Autoren Christian Rauch, Thomas Huber, Sarah Volk betrachten Mobilität nicht nur als Fortbewegung, sondern als Ausdrucksform einer meta-mobilen Lebensweise, die unsere Konsumgewohnheiten ebenso wie unsere sozialen Beziehungen umfasst. Dabei machen die Autoren verschiedene Trends aus – einige davon sehe ich ehrlich gesagt schon seit Jahren auf uns zurollen. Die Studie kann für 180 Euro beim Zukunftsinstitut bestellt werden.
Nachhaltiges Teilen schlägt Ego-Mobilität
Als Mensch ohne Führerschein (ich hab es ja schon immer gewusst!) freut mich eines natürlich besonders: Offenbar stehen wir vor dem Ende des Kulturmodells Massenmotorisierung. Der Pkw – einst Inbegriff von Freiheit und Individual-Beweglichkeit – stößt angesichts zunehmender Verkehrsprobleme, gerade in den aufstrebenden Megastädten der Schwellenländer, längst an seine Grenzen.
Gefragt sind neue, nachhaltige und zugleich vernetzte Mobilitätskonzepte, die dem Einzelnen mehr Flexibilität und Individualität im Massenverkehr ermöglichen. So wächst der Wunsch nach Mobilitätslösungen, die nicht den Besitz, sondern die Nutzung von Verkehrsmitteln in den Vordergrund stellen.
Carsharing ist “in”
Für das Zukunftsinstut ist es ein langfristiger Trend, dass der Eigentumswunsch beim Auto langsam aber sicher zurückgeht. Carsharing ist ein konstant wachsendes Phänomen in urbanen Gebieten, die eine hohe Mobilitätsdichte durch öffentlichen Nahverkehr haben.
Dort braucht man das eigene Auto weniger und die Sinnhaftigkeit des persönlichen Pkw-Besitzes geht gegen Null. Je weiter sich die Formen ‚geteilter Mobilität’ professionalisieren, desto weniger wird es notwendig sein, dass man immer dasselbe Auto vor der Tür hat.
Na hoffentlich haben die Autoren nicht die Rechnung ohne die mein-Auto-mein-Haus-Status-Symbol – Fraktion gemacht!
Stand-by-Mobilität
Unter dem Projektnamen „BeMobility“ testet die Deutsche Bahn derzeit in Berlin ein neues, integriertes Mobilitätskonzept (www.bemobility.de). Mit ihrer „Karte für alles“ liefert die Bahn dabei ein zukunftsweisendes Beispiel für den neuen Ansatz vernetzter, nutzungsorientierter Stand-by-Mobilität.
Ihre Nutzer können sich über „Call a Bike“ ein Fahrrad ausleihen, ein Elektro- oder Hybridauto über „Flinkster mein Carsharing“ buchen und auch den ÖPVN preiswerter und flexibler nutzen. Die Zukunft der Mobilität basiert auf Systeminnovationen, die aus der zentralen Verkehrsplanung von einst ein sich selbst steuerndes System machen.
Erst dann entstehen die systemverändernden Synergien zwischen den Verkehrsmitteln, die den öffentlichen und Individualverkehr verlustfrei miteinander verknüpfen und so eine verkehrsmittelneutrale Echtzeitmobilität herstellen.
Vernetzte Mobilität – Personenverkehr 2.0
„Die Nachfrage nach professionellem Mobilitätsmanagement und intelligenten Mobilitätsdienstleistungen wird in den nächsten Jahren massiv steigen“, so der Leiter der Studie Christian Rauch. „Premium-ÖPNV wird ein wichtiges Thema der kommenden Jahre werden: Angebote, die dem heutigen Autofahrer keine Argumente mehr lassen, um weiter ein eigenes Auto zu besitzen.“
Das Mobilitätsbewusstsein der Menschen verändert sich. Eine bessere Vernetzung bestehender Verkehrsmittel fordern 70 Prozent der Autofahrer. Der Umstieg von Bus und Bahn auf Fahrräder oder Carsharing-Fahrzeuge muss demnach reibungsloser funktionieren, das Infrastrukturnetz entsprechend ausgebaut werden.
Zeit also für den Mobilitätsberater, wie ich ihn schon im vergangenen Jahr in der Süddeutschen Zeitung beschrieben habe. Das ganze Kapitel aus meinem dazugehörigen Buch 30 Chancen für Existenzgründer kann man übrigens hier nachlesen!
Social Logistic Networks
Soziale Netzwerke werden für die Mobilitätskonzepte der Zukunft eine entscheidende Rolle spielen. Wie sie sich für einen Logistikdienstleister nutzen lassen, testet DHL mit seinem Projekt Bring Buddy – einer Art Mitfahrzentrale für Pakete.
Wer sich über Facebook anmeldet, kann an zuvor festgelegten Orten Päckchen abholen und auf dem Weg in oder aus der Stadt seinen Bekannten mitbringen. Post-Managerin Petra Kiwitt erklärte im Interview mit der WELT: „Wir wollen testen, wie wir Social Networks im Internet für die Zustellung von Paketen durch Privatpersonen nutzen können.“
Einerseits eine geniale Idee, ich denke nur an die Problem, die ich bei der Paketzustellung immer habe. Andererseits natürlich eine bequeme Ausrede, um noch mehr Stellen abzubauen.
Face-Time-Incentives in der Business-Mobilität
Neben dem Wandel im privaten Mobilitätskonsum beleuchten die Autoren auch die Zukunft beruflicher Mobilität. Das Leben einer wachsenden Zahl von Menschen ist durch ein Höchstmaß an Flexibilität, Vernetzung, Internationalität und Individualität gekennzeichnet.
Diese multi-mobile Business-Class agiert in einem weltumspannenden Handlungsraum, der Globus wird zum Arbeitsplatz, die Welt zum Zuhause, die Mobility-Lounge zum Wohnzimmer. Unternehmen müssen daher für ihre Mitarbeiter und Kunden mobile Services bereithalten, um mit der fortschreitenden Vernetzung und Mobilität Schritt zu halten.
Denn Business Mobility der Zukunft bedeutet: Die Arbeit wird mobiler, die Kilometer werden weniger. Genau dazu habe ich diesen Monat einen Beitrag bei imgriff.com veröffentlicht!

Fünf Kapitel mit unterschiedlichen Szenarien
Die Studie ist in fünf Kapitel gegliedert. Jedes Kapitel wird durch ein Zukunftsszenario eingeleitet, welches dem Leser einen Einblick in das Leben im Jahr 2030 bietet. Am Schluss jeden Kapitels gibts eine Zusammenfassung zu den wichtigsten Stichworten.


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