Serie – Geld verdienen mit Bloggen: Wird unsere Blogger-Freiheit bald eingeschränkt? – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Serie – Geld verdienen mit Bloggen: Wird unsere Blogger-Freiheit bald eingeschränkt?



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Die Idee, mit Bloggen Geld zu verdienen, ist auch deshalb so beliebt, weil eigentlich jeder einfach so loslegen kann: Blog aufsetzen, was Interessantes reinschreiben, Reichweite aufbauen (z.B. mit Twitter) – fertig.. oder so… Das allerdings könnte sich bald ändern, wenn diese Freiheiten eingeschränkt werden. Ansätze dazu gibt es bereits.


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Hier schreibt für Sie: Simone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht Berufebilder.de & HR-Kommunikation. Profil

Das Kreuz mit dem Urheberrecht!

Kennt man vielleicht: Bei YouTube ein bestimmtes Video angeklickt, vielleicht weil ausländische Freunde einen bei Facebook darauf aufmerksam gemacht haben – und dann das: „Dieses Video ist in ihrem Land nicht verfügbar“.

Grund: Urheberrechtsansprüche. Nun gut denkt man, bei ein paar Videos macht das nichts, es gibt ja noch genug Gratisangebote im Netz, einfach weiterklicken.

Netzneutralität in der Diskussion

Leider könnte das bald anders aussehen. Denn seit einigen Wochen wird nicht nur in Deutschland aktiv über das Thema Netzneutralität diskutiert: Dabei geht es verkürzt gesagt, darum, dass nicht mehr alle Inhalte/Datenpakete im Netz mit gleicher Schnelligkeit transportiert werden.

Das könnte für Leser im Endeffekt bedeuteten, dass Inhalte am Ende nicht mehr gewohnt zur Verfügung stehen – wie das in der Praxis aussehen kann, steht hat netzwertig.com sehr treffend beschrieben (und für die Insider: Ja, ich habe auch die Diskussion darüber gelesen, ob es sich tatsächlich um echte Einschränkung der Netzneutralität handelt, finde es aber ein gutes Beispiel zu Demonstration des Effekts.)

Was bedeutet das für Blogger?

Für den Leser ist diese Einschränkung der Freiheit schon nicht schön, für Blogger könnte es allerdings noch mehr bedeuten: Dass nämlich der eigene Blog deutlich langsamer wird, Leser und damit Einnahmen wegfallen.

Neue Indizien für eine alte Debatte

Die Debatte um Netzneutralität ist  nicht neu – in letzter Zeit gab es allerdings verschiedene Vorstöße von Netzbetreibern, diese Einzuschränken, wie netzwertig.com im Überblick zeigt: Die spanische Telefongesellschaft Telefonica beispielsweise kündigte an, Inhalteanbieter zur Kasse bitten zu wollen.

Telekom-Chef René Oberman verteidigte eine differenzierte Bepreisung von Daten, die im Telekomnetz übertragen werden. Und Google verhandelte angeblich mit dem US-Telekommunikationsanbieter Verizon über eine  Bevorzugung bestimmter Daten in Verizons Netzen gegen Bezahlung.

Schleichende Veränderungen

Kritiker befürchten allerdings, dass die Änderungen nicht plötzlich und unerwartet von statten gehen, sondern sukzessive schleichend: Da wird mal hier ein Datenpaket kostenpflichtig, dann zahlt man hier für eine Leistung extra – bis schließlich frei verfügbare Inhalte, wie wir sie heute kennen, der Vergangenheit angehören.

Längst hat sich dagegen Widerstand formiert: Auf der Website der Initiative Pro-Netzneutralität kann man für das Fortbestehen der Netzneutralität virtuell unterschreiben. Dass es bislang erst noch nicht einmal 10.000 Unterschriften gibt, ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass es bisher kaum gelang, für dieses wichtige, aber komplexe Thema eine breite Öffentlichkeit zu finden.

Unterliegt Twitter als Rundfunk den Landesmedienanstalten

Regulierungsansprüche auf Internetinhalte, die man in Blogs oder bei Twitter verbreitet, könnte es allerdings auch von anderer Seite geben.

Der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hatte bei der Eröffnungsrede der Münchner Medientage am Mittwoch erklärt, Internet sei Rundfunk. Privater Rundfunk wird in Deutschland durch die Landesmedienanstalten reguliert. Der Geschäftsführer der Bayerischen Landesmedienanstalt BLM, Martin Gebrande, relativierte die Aussage des Ministerpräsidenten am Mittwoch auf einer Podiumsdiskussion dahingehend, dass Rundfunk ein lineares Medium sei, das suggestiv wirken müsse. Zudem gäbe es in Bayern nur eine Informationspflicht für rundfunkähnliche Online-Angebote wie bisher Webradio oder WebTV, wenn diese mehr als 500 Nutzer in ihren Streams erreichen würden.

5.000 Euro für Twitter-Kanal mit mehr als 500 Followern?

Die Isarrunde aus München hat aus diesen Aussagen folgendes Fazit gezogen: „Sollte die Bayerische Staatsregierung bei der Aussage von Horst Seehofer bleiben und versteht man die Aussagen des BLM-Geschäftsführers, Martin Gebrande, richtig, so müsste etwa ein Twitter-Account mit mehr als 500 Followern ein Rundfunkangebot sein.“ Auf Twitterer mit über 500 Followern könnten dann Kosten von 5.000 zukommen.

Um dem vorzubeugen und rechtssicherheit zu erlangen, hat die Isarrunde ihren Twitterkanal, und nur diesen, als Rundfunkangebot im Internet angemeldet. Michael Praetorius überreichte dem Geschäftsführer der bayerischen Landeszentrale für neue Medien, Martin Gebrande, persönlich das ausgefüllte Formular von der BLM-Website zur Anzeige eines Internet-Rundfunkprogramms. Akzeptiert die BML die Anmeldung, müssen die Isarrunde-Twitter 5.000 Euro zahlen.

Was bringt die Sache?

Aber nicht nur: Eine solche Entscheidung würde sich vermutlich auch auf alle anderen Twitter-Kanäle auswirken. Dürfen wir also demnächst alle 5.000 Euro zahlen? Für Prätorius, dem ich bei einem Telefonat am Dienstag genau diese Frage nach dem tiefen Sinn der Aktion stellte geht es um mehr:

„Wenn die Landesmedienanstallt den Antrag ablehnt, kann man über ihre Daseinsberechtigung als Regulierungsbehörde diskutieren. Wenn Sie dem Antrag jedoch zustimmt erhebt damit eine bayrische Behörde Anspruch auf Twitter – und das muss man auf jeden Fall diskutieren!“

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  1. Simone Janson

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