Trotz Langzeitstudium erfolgreich: “Lockerheit kommt an” – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Trotz Langzeitstudium erfolgreich: “Lockerheit kommt an”



Berufsbilder & Karrieren  SocialMedia Networking Community Building Praktika Alumni Berufsbild Sozialwissenschaften & Geisteswissenschaften   Über Arbeit weiss ich viel auf abstrakter Ebene: Die Errosion des Normalarbeitsverhältnisses und eine Entwicklung hin zu Arbeitskraftunternehmern, die nicht mehr ihr Arbeitspotenzial anbieten sondern ihre Arbeitsleistung. Und dafür braucht man anwendbare Erfahrungen. Nur: Welche habe ich?


Hier schreibt für Sie: Nikolas Hoenig ist Director Human Experience Strategy & New Business bei Starcom Mediavest Group. Profil

Welches sind meine Stärken?

Neben den generellen, in meinem ersten Beitrag erwähnten Uni-Vorteilen vielleicht noch einen erweiterten Wortschatz, Ausdrucksvermögen, Internet-Affinität, Office-Erfahrungen, Online-Suchen, kreativen Marketingideen? Hätten andere das Marketingkonzept besser hingekriegt? Keine Ahnung aber es war sicher nicht schlecht. Klar einen Workshop zu Onlineumfragen hab ich erfolgreich bestritten, ein didaktisches Seminar zur Vermittlung europäischer Inhalte an Schulen – auch nett. Es war an der Zeit auf diese Erfahrungen draufzusatteln.

Ich hatte ein Vorstellungsgespräch bei einer großen Zeitarbeitsfirma, die mittlerweile auch eine Tochterfirma hatte um spezielle Marktsegmente, gerade im qualifizierten Bereich genauer bedienen zu können. Mich empfingen zwei Damen. Nach den anfänglichen Small-Talk-Fragen ob man leicht hergefunden habe, was ja gar nicht so leicht ist und dem Wetter wollten sie erstmal, dass ich was von mir erzähle.

Fauxpas im Vorstellungsgespräch

Kein Problem. Während ich so redete fiel mir auf, dass das letzte Vorstellungsgespräch viel entspannter war was damals an der ungekündigten Stellung lag. Nach meiner Vorstellung wollte die einen wissen ob ich einen Schreibkurs absolviert habe. Die Frage verwunderte mich aber ich antwortete „Nein aber ich habe schon einige Hausarbeiten geschrieben weshalb meiner Schreibgeschwindigkeit überdurchschnittlich sein dürfte.“ „Also keinen.“, fasste sie meine Aussage zusammen. „Nein.“ und wunderte mich warum sie den Schreibkurs nicht gleich in die Stellenanzeige aufgenommen hatte.

„Was könnten Sie sich negativ bei uns vorstellen?“ „Ich kann mir nicht vorstellen jemand für einen Hungerlohn irgendwo befristet arbeiten zu lassen trotz Qualifikation. Daher sitze ich aber ja auch hier und nicht bei ihrem Hauptkonzern“. Die Wirkung des Satzes wurde mir durch den Gesichtsausdruck der Schreibkursverfechterin klar. Die andere Dame versuchte noch zu beschwichtigen „Keine Angst, wir zahlen branchengerecht.“

Kreative Bewerbung

Das Aufgabengebiet (Researching, Office-Unterstützung, Terminvereinbarungen, mittelfristig auch Führen von Einstellungsgesprächen) wäre interessant gewesen aber ich war wohl zu offenisv in der Formulierung gewesen. Oder einfach nur zu ehrlich? Bevor ich lange darüber grübeln konnte, stieß ich in Xing auf einen weiteren Studentenjob: Werkstudent im Onlinemarketing. Weiterer Pluspunkt: Man sollte sich nicht konventionell bewerben sondern sich was Originelles einfallen lassen. Also wurde der Chef gegoogelt und per Facebook-Nachricht mit einem Achtzeiler in Reimform beglückt:

Ich mag Bier …kein Hartz IV!

Ergo, hätt‘ ich Bock, auf euren Studi-Job!

Marketing war schon mal mein Ding, probiert doch aus ob ich’s nochmal bring!

Wenn ihr jetzt nicht denkt: „Total Stier“ – mehr Infos hier: xing.com/profile/Nikolas_Hoenig

Arbeitszeugnisse and the rest under this adress: XXEMAILXX

Bin jetzt weg und freue mich auf Feedback…

Lockerheit wird belohnt

Es klappte. Lockerheit wird im kreativen Umfeld belohnt! Zwar auch dort wieder beim Stundenlohn Zugeständnisse gemacht und unter der 10€-Linie geblieben aber das Gefühl war gut: Kein Dresscode und ein Chef der auf der Suche nach der Marketingidee war, die wenig kostete, sich den neuen Kommunikationskanälen bediente und groß einschlug!

Also dachte ich mir eine Single-Kampagne auf StudiVZ aus, in der ausgesuchte Männer und Frauen jeweils die Hälfte eines Gutscheincodes erhielten und durch das Suchen eines Singles des anderen Geschlechts (und weiterer Kriterien) ihren Traumpartner und/oder die andere Hälfte des Gutscheincodes erfragen konnten. Gute Idee, die aber nicht funktionierte. Wieder eine Erfahrung mehr.

Facebook-Marketing für den Online-Shop

Da der Onlineshop nicht das einzige Projekt der neuen Firma war, merkten wir beide schnell dass manch gute Idee scheitern musste weil wir keine IT-Ressourcen bekamen. Der Chef ging, ein Neuer kam. Jünger als ich. Aber er bekam mehr Ressourcen und dankte das mit frischem Wind: Regelmäßige Newsletter, die ich texten durfte. SEO und SEM wurde intensiviert. Eine Facebook-Fanseite gekauft, die mit Blogbeiträgen rund ums Thema Bier von mir gefüllt wurde. Kooperationen wurden angeleiert, Marketing-Aktionen geplant und umgesetzt. Ich war und bin mittendrin im Social Media Marketing.

Dabei kam ich auf eine weitere Facebook-Marketing-Idee, die mir nun einen weiteren Nebenjob eingebracht hat. Bei einer Werbeagentur. „Agenturerfahrung“ scheint ja wichtig zu sein, daher bin ich gespannt was mich ab nächster Woche erwartet. Eine weitere Erfahrung auf jeden Fall. Die Prüfungen habe ich nun wohl alles in allem mit einem „gut“ hinter mich gebracht und jetzt steht die Magisterarbeit an. Der letzte Uni-Schritt. Gerne will ich dabei Wissenschaft und Wirtschaft kombinieren. Social Media eigent sich dazu, meine ich. Der junge Chef ist mittlerweile auch wieder weg und der Neue findet Social Media noch zu wenig fassbar. Der Return on Investment sei noch zu gering und man wisse noch nicht mal wie’s mit dem Shop weitergeht.

Magisterarbeit als Pluspunkt!

Immerhin dürfte ich noch meine Magisterarbeit dort schreiben und würde sogar finanziell entschädigt aber mich zieht es zu neuen Ufern ohne den roten Faden abreissen zu lassen. Meine Erfahrung lässt mich da optimistisch in die Zukunft schauen.

Die Magisterarbeit schätze ich mittlerweile wichtiger als die Noten ein. Ich weiss noch nicht was dabei rauskommen wird. Und ich weiss noch nicht ob mir die Bildschirm-Arbeit im Social-Media-Bereich nicht irgendwann zu eintönig wird aber ich weiß zumindest schon mal was ein gutes Arbeitsklima bedeutet, was ich nicht will und wo ich schon Erfahrungen sammeln konnte.

Tipps für Absolventen

Ob ich nun eine neue Firma finde in der ich die Arbeit schreiben kann oder ob es doch die alte Firma wird: Die Optionen habe ich mir durch Erfahrungen ermöglicht weil ich ständig offen war und die anfängliche Internetaffinität und die Begabung bei der Kandidatensuche mich zum Berwerbermarkting brachte aus dem nun Social-Media-Marketing wurde. Ein roter Faden ist erkennbar und Erfahrungen auch.

Mein Tipps an Absolventen: Macht die Augen auf und schnuppert überall rein wo ihr könnt. Ein guter und schneller Abschluss ist nur die Hälfte wert ohne die passenden Erfahrungen. Findet raus wohin ihr wollt und das nicht erst nach dem Studium. Vielleicht hilft das Studium auch nur die Realität so systematisch wahrzunehmen, dass man Zukunftsmärkte oder generell Chancen schneller erkennt. Ob man dort dann arbeiten will, sollte man frühzeitig erfahren. Im wahrsten Sinne des Wortes.

berufebilder

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