Serie Zukunftsbranche Handwerk Teil 2: Das Handwerk in der Defensive

Die ganze Serie → lesen!

Vor einem halben Jahr habe ich eine Serie gestartet, die sich mit dem Handwerk als Zukunftsbranche beschäftigt – und der Imagekampagne, das der ZDH damals gestartet hat, um speziell junge Leute anzusprechen. Mittlerweile ist ein halbes Jahr vergangen – Zeit für die Kampagne, zu wirken. Zeit auch für einen Bestandsaufnahme.

Das Video, mit dem die Kampagne im 1. Januar 2010 gestartet ist, war auf jeden Fall auffällig – der eine oder andere wird sich noch daran erinnern: Büros, Häuser, Brote zerbröseln vor den Händen der Menschen zu Staub und am Ende sitzen Sie wieder wie in der Steinzeit dar. Motto: Seht mahl, wo wir ohne Handwerk noch wären! Sogar mit langen Haaren und Bart – den Friseure gehören ja auch zum Handwerk.

Gute Grundidee, Schlechtes Timing!

Allerdings war das Timing für so ein Video denkbar schlecht: Ungefähr gleichzeitig fand in Haiti ein Erdbeben statt. Und so beschwerten sich zahlreiche TV-Zuschauer, die sich durch das zerbröselnde Berlin in dem Video an die Erdbebenbilder erinnert sahen – und die Ausstrahlung des Videos im TV wurde gestoppt.

10 Millionen jährlich will der Zentralverband des Deutschen Handwerks jährlich für diese Kampagne ausgeben. Eigentlich eine gute Idee, denn viele Handwerker haben Nachwuchssorgen und der ZDH sich damit als moderner, attraktriver Arbeitgeber präsentieren. Eine Employer-Branding-Kampagne also!

Nur: Die ersten Millionen dürft er mit der verbockten Video-Aktion bereits in den Sand gesetzt haben. Nun gut, es bleiben aber noch die Bilder, die als Plakate überall hängen sollen. Hier mal ein paar Beispiele:

Handwerk Geschichte

Unmut statt Begeisterung

Die begeisterten Reaktionen für die Kampagne blieben aus – wen wunderts! Stattdessen gibts jede Menge Häme. So witzelte Mark Spörrle auf ZEIT ONLINE, dass die Kampagne doch grundsätzlich eine geniale Idee sei – Statt Handwerker, die sich nicht an Termine halten, pfuschen und Horrorpreise verlangen erklärt man dem Kunden, wie es wirklich aussähe ohne Handwerker: Nämlich ziemlich steinzeitmäßig.

Und auch für den tollen Neandertanz, der auf der Website finden ist, hat er eine einleuchtende Erklärung: Damit können potentielle Kunden schonmal Ihre Wut abreagieren. Genau, das war es… denn ich hatte mich schon gefragt, ob tatsächlich jemand glaubt, dass jugendliche sich von so einem Schwachsinn angesprochen fühlen könnten…. Und um ehrlich zu sein, habe ich von dieser Kampagne schon lange nichts mehr gehört – ein Griff ins Klo also?

Defensiv und ohne Lösung

Ich hatte bei meinem ersten Beitrag zu dem Thema auch ein wenig herumgefragt, wie denn die Meinungen zu der Kampagne sind…  So wurde von Wolfgang Müller bemängelt, dass es sehr sehr lange dauert, bis die Lösung angeboten wird – und dass das Video zwar aufzeige, was ohne das Handwerk alles nicht geht – aber das eben gar keine Lösung, wie es besser geht, angeboten wird.

Das ist m.E. auch das Problem der  ganzen Kamapgne: Sie wirkt insgesamt ziemlich defensiv. Statt sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und diese herauszustellen, liegt die Betonung auf dem Negativenn – z.B. auch, wenn in Pressemitteilungen keine WM ohne das Handwerk propagiert wird. Das wirkt allerdings sauertöpfisch (“Leute, beachtet uns mal wieder”"), arrigantn (“ohne uns läuft nix”) und eher destruktiv (“Wenn Ihr uns nicht beachtet, machen wir alles kaputt!”)

Besser wäre es doch, die einmaligen Leistungen und auch die kreativen Seiten dieser Branche anzusprechen – dazu gibts nächste Woche gleich noch ein paar Ideen!

Weitere Kritikpunkte

Einen ganz anderen, sehr interessanten Kritikpunkt hat das Team von http://www.flexiblesbuero.com via Twitter vorgebracht: Zu viele der im Video und auch auf den Plakaten vorkommenden Beispiele werden von Verbrauchern nicht mit Handwerk im eigentlichen Wortsinn sondern mit maschinelle gefertigten Industriprodukten assoziert. Oder hätten Sie bei Raumfahrt oder Wellness an Handwerk gedacht?

Mag sein, dass genau dieses ins Bewusst-Sein-Bringen vom ZDH intendiert war, allerding sollte man die Verbraucher immer da abholen, wo sie stehen und nicht wo man als Unternehmen oder Organisation selbst gerne hätte. Tatsächlich wäre auch hier Rückbesinnung auf traditionelle Handwerkskunst der bessere Weg gewesen – auch dazu nächste Woche mehr.

Sehr viele Links und Diskussionen zu diesem Thema gibt es übrigens im Nachhaltigkeitsblog. Dass diese Imagekampagne, die von vielen Kritikern gar als peinlich empfunden wird, für die Handwerker selbst am schlimmsten ist, zeigen die vielen Kommentare von Leuten, denen als Zwangsmitglieder in der Handwerkskammer keinesfalls egal ist, wohin ihr Geld fließt. Was ich in diesem Zusammenhang interessant finde, dass es auch eine Site mit Namen http://www.kammerwatch.de/ gibt.


11 Erfolgsfaktoren für kleine & mittelständische Unternehmen: Selbermachen statt Berater

Wolfgang | Hanfstein, 16. 05. 2012:

Diesmal ein Buch, das zugeschnitten ist auf die kleinen und mittleren Unternehmen. Auf die, die es sich nicht leisten können und wollen, für jede Frage ein Beraterteam anzuheuern. Auf die Unternehmen, die sich von der Bäckerei bis zur IT-Schmiede professionell … Weiterlesen →


Warum die Social-Media-Branche sich spezialisieren muss: Keiner kann alles!

Katharina Antonia | Heder, 08. 05. 2013:

Es sind schon viele Dinge zur Frage des Social Media Managers gesagt worden. Die Art und Qualität der Ausbildung wurde genauso diskutiert, wie die Frage der Professionalität einiger Anbieter. Bislang wurde diese Diskussion jedoch immer auf einen Umstand reduziert: Die … Weiterlesen →


eCommerce-Schriftenreihe – Verkaufen bei Amazon: 6. Die 5Ps des Marketings

Markus | Fost, 10. 05. 2013:

Die vier klassischen Instrumente des Marketing-Mix, die sogenannten vier „P“ für Product, Price, Place und Promotion, sind zwar bereits mehrere Jahrzehnte alt, jedoch keineswegs antiquiert. Für den Amazon Marketplace sollten diese jedoch erweitert und modifiziert werden, wie die nachfolgende Abbildung … Weiterlesen →


Schulabgänger bei Ihren Berufs-Wünschen abholen: Was ist dein Ding?

Oliver | Ibelshäuser, 02. 04. 2013:

Richard Nelson Bolles ist einer der weltweit führenden und einflussreichsten Experten für Karriere- und Lebensplanung. Die von ihm entwickelte Life-Work-Planning-Methode wird an verschiedenen Hochschulen gelehrt. Dabei geht es ganz schlicht um die Berufswahl, wohl eine der wichtigsten Entscheidungen, die ein … Weiterlesen →


Serie Zukunftsbranche Handwerk Teil 10: Wie man sich als Schneider erfolgreich selbständig macht

Simone | Janson, 31. 08. 2011:

Immer mehr Kunden wünschen sich nicht nur zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten, Opernbällen oder Kommunionsfeiern individuelle Kleidung mit besonderem Pfiff, die nicht jeder an der Stange kaufen kann. Andere Kunden legen besonderen Wert auf Qualität oder eine ökologische Verarbeitung der … Weiterlesen →


Kommentare & Reaktionen

Unsere Kommentarsystem DISQUS wird auch in Medien wie DIE WELT, National Geographic oder Perlentaucher verwendet. Mit nur einer Registrierung, z.B. per Twitter o. Facebook, können Sie überall kommentieren. Ihre Daten werden dabei von DISQUS gespeichert. Mehr dazu in den Datenschutzbestimmungen. Sie können auch als Gast kommentieren, ohne Ihre Daten anzugeben.

Hinweise zum Kommentieren

  1. Wollen Sie eine eMail-Benachrichtigung über neue Kommentare zu diesem Thema erhalten, müssen Sie sich bei DISQUS anmelden.
  2. Um ein Foto von sich neben dem Kommentar zu nutzen, können Sie sich mit diversen sozialen Netzwerken einloggen oder das Bild bei Gravatar hochladen.
  3. In den Kommentar können Sie jederzeit ein Foto ohne weitere Anmeldung hochladen
  4. Kritische Kommentare sind willkommen, Beleidigungen werden allerdings entfernt. Lesen Sie dazu bitte die Richtlinien für Kommentare & Foren.

Überblick

Mehr als 6.000 Kommentare von über 200 Kommentatoren in diesem Blog finden Sie hier. Sie können alle Kommentare auch abonnieren.
Mehr als 3.000 Fans und über 10.000 Kommentare in diversen sozialen Netzwerken wie Twittter, Facebook, Google+ & Xing finden Sie hier.

3 Trackbacks

Trackback URL - bitte in Ihren Beitrag eintrage, um einen Trackback zu erzeugen:

http://berufebilder.de/2010/serie-zukunftsbranche-handwerk-teil-2-das-handwerk-in-der-defensive/trackback/


  1. Pingback: KompetenzPartner

  2. Pingback: Simone Janson

  3. Pingback: frischgebloggt

  4. Pingback: Serie Zukunftsbranche Handwerk Teil 3: Werben mit zukunftsweisender Tradition! | Berufebilder by Simone Janson