Serie – Selbstbestimmt lernt sich’s besser: Papierkrieg als fester Bestandteil der Weiterbildungs-Show

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Im letzten Beitrag ging es darum, wie gute Dozenten-Bewertungen auf Rückmeldebögen zustande kommen. Denn die bedeuten für einen Dozenten gute Referenzen – und sind als solche fester Bestandteil der Weiterbildungsshow. Nicht selten werden sie sogar gefälscht.
Mit gutem Grund, wie Weiterbildungs-Insider Richard Gris weiß:

Bürokratischer Wasserkopf an Zertifizierungen

Längst hat sich in Deutschland ein komplexes und bürokratisches System aus Zertifizierungen, Akkreditierungen, Gütesiegeln und Evaluationsstatistiken herausgebildet.

Auch wenn es in der Theorie eine gute Idee sein mag, potenziellen Kunden auf dem unübersichtlichen Weiterbildungsmarkt, der sich vor allem in der Hand privater Anbieter befindet und daher vergleichsweise wenig staatlichen Reglementierungen unterliegt, eine Orientierung zu bieten:

Die Masse an Qualitätskriterien und Messzahlen ist einfach zu viel des Guten.

Jedem sein eigenes Gütesiegel

Da sind Verbünde, die ihre eigenen Gütesiegel aus der Taufe heben – nach dem Motto: Mal sehen, wie die Akzeptanz auf dem Markt ist. Da sind Volkshochschulen, die sich ihres verschnarchten Rufes als kommunale Kompetenzzentren mit einer ISO-Zertifizierung erwehren wollen, für die komplizierte Verwaltungsabläufe einzuhalten sind.

Da sind Arbeitsagenturen, die private Zertifizierungsagenturen zulassen, die wiederum die Weiterbildungseinrichtungen zertifizieren sollen. Und da sind Unternehmen, die abenteuerliche und aufwendige Zahlenspiele als objektive Evaluation oder Bildungscontrolling verkaufen. Es geht kaum bürokratischer.

Fantasie-Zertifikate als Abschlüsse

Ebenso unübersichtlich ist auch die Anzahl von Abschlüssen, die Weiterbildungsteilnehmer nach bestandener Prüfung erhalten können: Es gibt ungezählte wohlklingende Fantasiezertifikate, die von den Institutionen selbst geschaffen wurden.

Daneben stehen akademischen Mastern und MBAs, die zumindest ein Akkreditierungsverfahren durchlaufen haben müssen, sowie den weithin bekannten IHK-Abschlüssen, deren Anerkennung auf dem Arbeitsmarkt nur durch eines gewährleistet wird: Weil jedes Unternehmen gesetzlich zur Zwangsmitgliedschaft in einer IHK verpflichtet ist, kennt diese auch jeder. Und was man kennt, erkennt man auch eher an!

Was ist mein Abschluss eigentlich wert?

Staatlich anerkannt, wie Schul- oder Hochschulabschlüsse, sind Weiterbildungsabschlüsse nur selten. Teilnehmer können kaum ersehen, was ihr möglicherweise mühsam erworbenes Zeugnis hinterher auf dem Arbeitsmarkt wert sein wird. Auch hier gilt: Wer überzeugender wirbt, macht das bessere Geschäft.

Das richtet sich in der Regel nach dem Bekanntheitsgrad des Instituts oder Kurses – und weit seltener nach dem tatsächlichen inhaltlichen Wert der Weiterbildung.

Besser das Papier in der Hand als schwammige Fähigkeiten im Hirn!

Doch oft genug kommt es auch gar nicht darauf an, was man eigentlich wirklich kann und während der Weiterbildung gelernt hat: Vielen potentiellen Arbeitgebern ist das Stück Papier, das irgendetwas bescheinigt, lieber als die schwammige Vorstellung, was der Mensch können soll.

Oder anders gesagt: Ein Fetzen Papier gibt ihnen mehr Sicherheit bei der Einstellung als ihre eigene Menschenkenntnis. Nur: So gibt man nicht zwangsläufig den innovativsten Ideen und den Mitarbeitern raum, die tatsächlich bereit waren, zu lernen – sondern, denen die auf gut klingende Papiere gesetzt haben. Und Autodidakten haben damit bei der Jobsuche weniger Chancen.


Aktuelles Urteil des Bundesarbeitsgerichts zu Arbeitszeugnissen: Fehlender Dank ist kein Geheimzeichen

Simone | Janson, 12. 12. 2012:

Die verklausulierten Formulierungen in Arbeitszeugnissen sind ein ständiger Streitpunkt in zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Ein Gerichtsurteil bestätig nun, dass Arbeitnehmer keinen Rechtsanspruch auf bestimmte Formulierungen haben, sondern auf das Wohlwollen des Arbeitgebers abhängen. Klage gegen das Fehlen von Dankes- und … Weiterlesen →


Bildungsstandort Deutschland: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Frank | Heinrich, 18. 04. 2013:

In Deutschlands Hörsälen herrscht Platzmangel. Neu ist diese Situation zwar nicht, allerdings verschärft sie sich zunehmend. Im Wintersemester 2012/2013 waren 2,5 Millionen Studenten an deutschen Hochschulen immatrikuliert – so viel wie noch nie zuvor. Turboabitur und Doppeljahrgänge stellen die Hochschulen … Weiterlesen →


Tipps für Buchhaltung & Rechnungslegung: So geht Fakturierung

Jakob Ludwig, 29. 04. 2013:

Unter Fakturierung versteht man den Prozess, durch den eine Rechnung in die gesetzlich vorgeschriebene Form gebracht wird. Was müssen Sie dabei beachten? Die wichtigsten Hilfestellungen zum Thema Fakturierung Über die Fakturierung ist bereits viel gesprochen und geschrieben worden. Doch immer … Weiterlesen →


Recruiting via Social Media – Teil 3: Auf die Unternehmenskultur kommt es an

Katharina | Daniels, 15. 05. 2013:

Es gibt viele, hochinteressante Forschungen zu Unternehmenskulturen, die das Selbstverständnis eines Unternehmens beschreiben. Solche Selbstverständnisse bilden sich auch in Unternehmen als Gesamtheit betrachtet ab, also als Stimmungsbild aller Akteure, die in diesem Unternehmen arbeiten, vom Vorstand über den ITler bis … Weiterlesen →


Wie man Denkblockaden beseitigt -1/3: Brett vorm Kopf!

Ruth | Meinhart, 06. 05. 2013:

Da war sie mal wieder, die Situation, die ich so sehr hasse: Eine mündliche Prüfung! Bloß nichts falsch machen, ging mir durch den Kopf. Ruhe bewahren und mich konzentrieren. Ich kann das! Wenn schon nicht alles, dann doch das Wesentliche. … Weiterlesen →


Humor als Erfolgsstrategie – Teil 2: Lachen als Erfolgsrezept im Beruf

Jumi | Vogler, 08. 05. 2012:

Wer seine Menschenkenntnis, seine emotionale Intelligenz, seine Kommunikationsfähigkeiten und sein Humorpotenzial schon privat entwickelt hat, ist natürlich beruflich im Vorteil. Das Beherrschen von Soft Skills entscheidet eindeutig über Erfolg und Nichterfolg. Auch und gerade im Beruf! Warum Humor im Berufsalltag … Weiterlesen →


Wachstum in Lean-Start-Up’s – Teil 1: Starten Sie den Wachstumsmotor

Eric | Ries, 22. 04. 2013:

Die meisten Entscheidungen, denen sich Startups gegenübersehen, sind alles andere als klar. Eine davon betrifft die Produktveröffentlichung. Eine andere die Arbeitsorganisation der Mitarbeiter. Das Dilemma mit der Produktveröffentlichung Ein grundlegendes Problem für Unternehmen ist die Produktveröffentlichung bzw. der richtige Zeitraum … Weiterlesen →


Weiterbildungsfinanzierung: Ein Dschungel der Möglichkeiten

Eva | Mattern, 16. 05. 2013:

Weiterbildungen liegen auch 2013 noch im Trend. Ob gerade fertig studiert, arbeitssuchend oder mit beiden Beinen im Berufsleben, es wird von jedem gefordert sich weiterzubilden. Doch Weiterbildungen kosten Geld. Wie sie finanzieren? Weiterbildung in allen Bereichen Der Weiterbildungstrend zieht sich … Weiterlesen →


Mein Essay bei changeX Genossenschaften als Rechtsform für das Internetzeitalter – Teil 6: Staatliche Förderung? Fehlanzeige!

Simone | Janson, 03. 09. 2011:

Ein weiterer Nachteil von Genossenschaftsgründungen: Sie können kaum von staatlichen Förderungen profitieren. Denn die lässt zu Wünschen übrig. Das macht für viele Unternehmer eine Genossenschaftsgründung unatraktiv. Fördermittel werden in der Regel vergeben, um Unternehmer zu unterstützen, also Menschen, die persönlich … Weiterlesen →


Serie – Selbstbestimmt lernt sich’s besser: Sparen – aber an der richtigen Stelle!

Simone | Janson, 11. 11. 2010:

Effektive Weiterbildung, die wirklich etwas bringen soll, erfordert natürlich einen höheren zeitlichen Aufwand, als den Mitarbeitern einfach etwas aufzupfropfen oder ihnen selbst die Entscheidung zu überlassen. Und individuell auf jeden Mitarbeiter zugeschnittene Lerninhalte kosten natürlich mehr Geld als standardisierte 08/15-Seminare. … Weiterlesen →


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  • http://bit-boutique.de Regine Heidorn

    In Bewerbungsgesprächen hat sich bei mir bisher gezeigt, daß ich einen besseren Eindruck hinterlasse, wenn ich erkläre, warum mein zuletzt erworbener Abschluss an einer teuren Privat-Institution nicht qualifiziert ist. Was wiederum für mich ein Prüfkriterium für den potentiellen Arbeitgeber ist: Da ich die Schwächen der Ausbildung bestens kenne, möchte ich nicht einen Job antreten, für den diese Schwächen positiv konnotiert werden.

  • http://berufebilder.de Simone Janson

    Danke für die praxisnahe Bestätigung meiner These.
    Ich hab selbst mal im Weiterbildungsbereich gearbeitet und fand es schon krass, dass viele Bildungsanbieter da ihre eigenen Zertifikate auf den Markt werfen.
    Beruhigend zu hören, dass nicht jeder Arbeitgeber darauf abfährt!

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