Die ganze Serie →Junge Berufseinsteiger Weltweit lesen!
Anke Ernst macht nach nach dem Studium eine Weltreise – um Erfahrungen zu sammeln und sich über ihre eigenen beruflichen Ziele klar zu werden. Dabei spricht sie mit jungen Menschen weltweit über ihre Einstellung zu Leben und Beruf.
Die Sonne blendet Noel ein bisschen und mit zusammengekniffenen Augen und einem Grinsen erzählt er mir bei einem Kaffee am Fisherman’s Wharf, dass es für ihn jetzt bergauf geht.
Mit der langen 40 Stundenwoche kann Noel leben, weil er sich gut mit seinen Kollegen versteht. Aber auch seine Arbeit erfüllt ihn, denn ihm ist Nachhaltigkeit wichtig und seine Firma verkauft Produkte, die Regenwasser säubert und so Seen, Flüsse und Ozeane im ökologischen Gleichgewicht hält.
Ein Jahr lang, seinem Lieblingsjahr bisher, hatte er subtile, kleine Zeichen von Gott erhalten. Er hat nach Gnade und einer allem übergeordneten Wahrheit gesucht, die, wie er sagt, von jedem subjektiv erfahren wird. Heute ist er sich sicher, dass diese Wahrheit existiert.
Ob Gott ihn ermutigt hat, an Nacktradrennen teilzunehmen? Noel hat es jedenfalls getan. Erst in einer großen Gruppe nachts, dann ein Mal tagsüber, wo er ebenso viele Teilnehmer erwartet hatte. Leider kamen nur 40 und das kleine Grüppchen traf unerwartet auf eine Parade, deren Ende sie dann aufgefordert wurden, zu bilden. „Ich will nicht wissen, wie viele Leute Nacktbilder von mir haben. Ich habe nicht mal selbst welche.“
In der Zukunft will Noel unbedingt heiraten. Die Ehe ist für ihn eine lebenslange Verpflichtung, die den Partnern hilft, zu besseren Menschen zu werden. Die Bereitschaft, den anderen nicht zu verlassen, egal was passiert, hält er nicht für unzeitgemäße Romantik, sondern für Realismus. Der Mensch sei eben ein soziales Wesen, sagt er.
Was mir an Noel so gut gefällt ist seine Menschlichkeit. Er handelt, um anderen Gutes zu tun. Als ein Obdachloser uns um einen Dollar bittet, gibt Noel ihm erst die Hand und dann das Geld. Er sagt zu mir, dass es ihm egal ist, was der Mann damit macht, Hauptsache er merkt, dass er respektiert wird.
Mir wird wie so oft klar, dass wir heutzutage die Freiheit haben, uns unseren Glauben selbst auszusuchen. Das ist positiv, aber gleichzeitig bedeutet es für viele Menschen eine gewisse Orientierungslosigkeit. Auch an Noels Lebensweg kann ich erkennen, wie schwer es für ihn gewesen ist, einen Glauben zu finden, der seine Werte und sein Leben in einen größeren Zusammenhang stellt. Dafür bieten ihm seine Überzeugungen heute echten Halt.
Und Noels Beispiel macht Hoffnung. Es gibt Arbeit, die gut bezahlt wird – und die zusätzlich Mensch und Gesellschaft bereichert. Ich frage mich allerdings, ob dieser Anspruch Luxus ist oder ob man ihn als Berufsanfänger durchaus an die Gesellschaft stellen kann? Noel jedenfalls hat sich sein Glück verdient.



Pingback: KompetenzPartner
Pingback: Florian Klein
Pingback: Simone Janson
Pingback: Alma Mater