Serie – Als Chef getarnt: Die Führungskraft als Wellnessbeauftragter

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Ein guter Chef muss zum Wohle des Unternehmenserfolges auch unliebsame Entscheidungen treffen.Genau damit haben Vorgesetze, die als Wellnessbeauftragter lieber Wohlfühloasen schaffen, aber ihre Schwierigkeiten. Und nun?

Herrn Sonnenfeldts ganzer Ehrgeiz ist es, seinen Mitarbeitern das ideale Wohlfühl-Umfeld zu bieten. Sein Motto: zu Gast bei Freunden. Seine Mission: nach Kräften alles Unheil von seinen Anbefohlenen fern halten.

Friede, Freude, Eierkuchen – wirklich?

Heute vormittag hat Herr Rosen sein Herz bei ihm ausgeschüttet. Seine dringend erwartete Auswertung sollte schon längst vorliegen, doch er hat Stress mit seiner Freundin. Die weigert sich, mit ihm in das bereits gebuchte Eishotel in Finnland zu fahren. Gut dass man mit Herrn Sonnenfeldt über alles reden kann.

Auch über Urlaube, Beziehungen und Reisebüros. Nach zwei Stunden im Büro des Chefs ist Herr Rosen emotional wieder aufgebaut und Herr Sonnenfeldt überglücklich, dass er sich wieder einmal milde und verständnisvoll zeigen konnte. Der Bericht muss eben noch ein paar Tage warten.

“Ich will nicht der Böse sein!”

Und Herr Rosen? Er ist erleichtert, dass sein Versagen keine Konsequenzen zur Folge hat – und auch ein ganz klein wenig enttäuscht, denn so wichtig kann die Auswertung dann ja wohl doch nicht gewesen sein. Das nächste Mal werde ich mir nicht mehr so viel Stress machen, denkt er sich.

Herr Sonnenfeldt will nicht pingelig sein. Und erst recht nicht autoritär. Einen Mitarbeiter zur Rede zu stellen würde ihm nie in den Sinn kommen. Doch im Grunde geht es ihm nur darum, Auseinandersetzungen zu vermeiden und Widerständen auszuweichen.

Wellnessbeauftragte verschwenden Ressourcen

Leistung einzufordern ist schrecklich unmodern geworden – das hört sich so nach Taschenkontrolle und Telefonüberwachung an. Doch wenn Fehler und Versäumnisse keine Konsequenzen nach sich ziehen, wenn diejenigen, die eine Suppe eingebrockt haben, sie nicht auch auslöffeln müssen, dann wird die Qualität der Arbeit zwangsläufig darunter leiden. Und dann leiden mit dem Unternehmen auch Chef und Mitarbeiter.
Herr Sonnenfeldt tut sich und seinen Mitarbeitern also einen Bärendienst. Hat er überhaupt im Blick, was es das Unternehmen kostet, wenn die dringend erwartete Auswertung dem Verkaufsteam erst eine Woche später als geplant vorliegt?

Vertrauen ist schön – Kontrolle doch besser?

Niemand ist immer perfekt. Vertrauen Sie aber nicht darauf, dass Mitarbeiter schlechte Leistungen eigenständig korrigieren. Denn wer einmal schludert und damit durchkommt, wird auch beim nächsten Mal Nachsicht erwarten.

Es ist Ihre Aufgabe, Ihre Mitarbeiter in die Verantwortung zu nehmen und sie mit ihren Fehlleistungen zu konfrontieren. Machen Sie es sich und Ihrem Team leicht: Setzen Sie schon beim ersten Anzeichen von Nachlässigkeit das Signal „Ich schaue genau hin. Hier wird kein Schlendrian Einzug halten.“ Dann können sich schlechte Gewohnheiten im Team erst gar nicht etablieren.

Konflikte auf der Sachebene lassen

Und noch einen weiteren Vorteil bietet das sofortige Eingreifen: Der Konflikt lässt sich noch recht schmerzlos auf der Sachebene lösen. Wenn Mitarbeiter erst meinen, Pfründe verteidigen zu können – „Da hat aber noch nie jemand was dagegen gehabt“ etc. – ist schon Emotionalität mit im Spiel. Und dann wird‘s haarig.


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