Peinlicher Streit um DIW-Studie, Medienkrimi und gelungenes Crowdsourcing: Fachkräftemangel oder nicht?



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Eine Aktuelle Studie des DIW spricht aus, was in diesem Blog schon seit Monaten heiß diskutiert wird: Wir haben vielleicht gar keinen Fachkräftemangel! Doch wie konnte das passieren? Verschwörung von Unternehmen und Medien – oder doch nur ein Rechenspiel und viele Missverständnisse?

Schildbügerstreich? Medienkrimi? Oder großangelegtes Lohndumping? Tatsache ist: Wenn das Thema Fachkräftemangel nicht so ernst wäre und es nicht so viele geschädigte Betroffene gäbe, wäre die Geschichte fast schon komisch. Denn alle, wirklich alle, haben mitgemacht: Verbände, Arbeitsagentur und die ach so kritischen Medien beim Fachkräfte-Mangel-Chor.

Und nun das: In einem Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) spricht Arbeitsmarktforscher Karl Brenke aus, wovon ich durch die vielen Diskussionsbeiträge in diesem Blog (siehe auch hier!) schon länger überzeugt bin (oder zumindest davon, dass es nicht so gravierend sein kann, wie viele tun..)

Fachkräfteschwemme?

Nämlich davon, dass wir in Deutschland gar keinen Fachkräftemangel haben, wie immer wieder oft und gerne behauptet wird, z.B. vom Verband Deutscher Ingenieure (VDI) oder der Bundesagentur für Arbeit. Im Gegenteil Brenke befürchtet sogar eine drohende Fachkräfteschwemme für manche Bereiche. Aber wie passt das denn zu der Allgemeinen Fachkräfte-Mangel-Hysterie?

Ins Rollen gekommen war die Geschichte, als Spiegel Online am vergangenen Dienstag vorab über eine aktuelle Studie des DIW berichtet hatte: In einem gestern erschienenen Wochenbericht (zum gratis runterladen als PDF) erklärt Karl Brenke, Wissenschaftlicher Referent im Vorstand des DIW Berlin, warum er derzeit nicht an einen Fachkräftemangel glaubt: „Wir können nicht ausschließen, dass wir in manchen Branchen eine Fachkräfteschwemme haben werden. Man kann gegenwärtig nur wenige Bereiche identifizieren, wo es an Fachkräften mangelt. Am ehesten ist das noch bei den Ärzten der Fall.“

Ein Medienkrimi

Die Studie sollte, so stand es bei Spiegel-Online, eigentlich am Dienstag erscheinen. Tat sie aber nicht. Auf Nachfrage bei der Pressestelle erfuhr ich, dass sie verspätet erscheinen sollte. Grund: Weil Brenke nicht nur der allgemein herrschenden Meinung vom Fachkräftemangel, sondern auch insbesondere auch seinem Chef, dem DIW-Präsidenten Klaus Zimmermann, widerspricht, musste die Studie nochmal flott nochmal überarbeiten werden – oder ergänzt, wie man bei der Pressestelle des DIW sagte.

Neu war jetzt offenbar die Aussage, dass sich Brenkes Thesen nur auf die kommenden 3-5 Jahre beziehen. Davon abgesehen das Prognosen ohnehin meist in die Hose gehen, nimmt man doch eine längere Zukunftsorakelei ohnehin niemandem ab – oder? „Da ist einiges schief gegangen“ wusste jedenfalls auch die Pressedame vom DIW zu berichten, bei der nach dem SPON-Artikel vom Dienstag die Telefone nicht mehr still standen. Vermutlich hätte Herr Zimmermann die Studie am liebsten zurückgezogen, was nun nicht mehr ging. Stattdessen konnte man sie nur ein wenig relativieren.

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!

Und was steht nun drin? Nun, Karl Brenke hat eifrig allerlei Zahlenmaterial zusammengetragen und seine Thesen gut fundiert. Begründet wird die mögliche Fachkräfteschwemme gleich mit mehreren statistischen Werten. Gleichzeitig entkräftet Benke Untersuchungen des Instituts für die Deutsche Wirtschaft als methodisch fragwürdig. Und eines macht Brenke auch gleich klar: Es gibt bislang gar keine wissenschaftlichen Verfahren, die den gesamten Arbeitsmarkt abbilden und so eine definitive Aussage über die gesamtwirtschaftlichen Fachkräftelücke treffen könnten.

So fehlen in Deutschland aussagekräftigen aktuellen Daten über die Lohnentwicklung in einzelnen Berufen, es gibt Zahlen nur über Entgelte in einzelnen Gruppen von Fachkräften. Und auch die Angaben zu den Vakanzen wie auch den Arbeitslosen enthalten nur die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit – was dort nicht gemeldt wird, taucht in der Statistik nicht auf. Und nicht alles was als freie Stelle gemeldet wird, ist wirklich frei (z.B. bei Wechslern). Alles Faktoren, die jede Statistik schnell ungenauer machen.

Außerdem müsse, so Brenke, zwischen Hochschulabsolventen und Fachkräften mit betrieblicher Ausbildung differenziert werden. Bei letzteren könnte es tatsächlich irgendwann zu einem Mangel kommen – wenn mand ie Jugendlichen nicht dazu bringt, das zu studieren was am Arbeitsmarkt gebraucht wird. Schon wieder so eine Orakelei…

Warum es keinen Fachkräftemangel gibt!

Aber was steht nun wirklich so Brisantes in der Studie? Zum Beispiel dass Löhne für Fachkräfte seien kaum gestiegen, wie es bei Engpässen üblich wäre, und hätten sich seit 2009 nicht besser als die der übrigen Arbeitnehmer entwickelt. Gestiegen seien seit 2007 hingegen die Studierenden- und Absolventenzahlen.

Wichtigster Faktor aber: Bei fast allen Fachkräften ist nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit und Berechnungen des DIW die Zahl der Arbeitslosen höher als die Zahl der offenen Stellen. Einen nennenswerten Engpass sieht Brenke nur bei den Vulkaniseuren, Elektroinstallateuren und Ärzten.

…sie sind dann mal weg…

Und letztere wandern ja blöderweise bevorzugt nach Skandinavien ab, obwohl doch gerade die medizinische Ausbildung so teuer ist: Brenke stellt fest: „Da subventioniert Deutschland andere Länder!“

Übrigens nicht nur:  Karen, die ganze Diskussion hier im Blog angestoßen und mich dankenswerter Weiße auch immer noch auf jede veröffentlichung zu Thema aufmerksam macht, ist auch nach Schweden ausgewandert: „Ich habe meinen Entschluß Deutschland den Rücken zu kehren nicht eine Minute bereut und würde ihn wieder tun.“

Missverständnis oder Manipulation?

Woher kommt aber die Diskrepanz zwischen der bisherigen Tonalität und dieser Studie? Hinter vorgehaltener Hand vermuten Betroffene Manipulationen durch die Arbeitgeberseite mit dem Ziel, durch eine große Auswahl an gut ausgebildeten, örtliche flexibelen Arbeitskräften die Löhne drücken und auf der anderen Seite ältere Ingenieure ausmustern zu können.

Das klingt irgendwie logisch, aber so lange mir die Beweise fehlen, gehe ich mal lieber von allgemeiner Unkenntnis, Fehleinschätzungen und statistische Ungenauigkeiten auf allen Seiten aus: Schließlich geben die Deutschen Unternehmen derzeit auch immer noch viel Geld aus, um im Internet, auf Karrieremessen oder sonstwo gut ausgebildete junge Menschen für einen Job bei ihrem Unternehmen zu interessieren. Und das täten sie ja nicht, wenn sie die Leute nicht brauchten – oder?

Ein Schelm, wer böses dabei denkt

So schreibt Bernd Schmitz, Leiter des Hochschulmarketings bei der Bayer AG in Leverkusen, hier im Blog: „Ich kann für Bayer sagen, das wir ständig neue Mitarbeiter einstellen – allein 2009 über 300 Akademiker. Ein großer Anteil sind dabei Absolventen mit einem ingenieurwissenschaftlichem Studium.“ Schmitz gibt aber auch zu: „Von einem Mangel würde ich persönlich erst dann sprechen, wenn offene Vakanzen nicht in angemessener Zeit besetzt werden können. Wir bei Bayer konnten bisher alle freien Stellen mit neuen Mitarbeitern besetzten.“

Wer böses dabei denken wollte, könnte jetzt sagen, dass das natürlich reine Imagepflege diverser Unternehmen ist – praktisch Werbung. Und dass die Taktik dazu dient, aus einem großen Pool an Absolventen später billig den Rahm abschöpfen zu können. Aber vielleicht hat man ja einfach wirklich Angst, später mal unten ohne dazustehen?

„So verzweifelt sind wir auch nicht!“

Was in der Diskussion in dem Blog aber auch klar wurde: Der eine oder andere ist geneigt, das Wort Fachkräftemangel wörtlich zu nehmen. Mangel jedenfall bedeutet nicht, dass Unternehmen so verzweifelt sind, dass sie jeden einstellen: Man schaut schon noch, ob fachliche Qualifikation, die Spezialisierung und persönliche Faktoren, wie Mobilität oder Teamfähigkeit, stimmen!

Das musste auch Maschinenbauingenier Marcus feststellen, der im November 2009 sein Diplom machte und dann bis August 2010 auf Jobsuche war. Nach über 50 Bewerbungen und 4 erfolglosen Vorstellungsgespräche schreibt er: „Meistens wurde die Absage damit begründet, dass meine Qualifikationen nicht ganz den Ansprüchen entsprächen. Gut ich hab das Studium mit 2,4 abgeschlossen, dafür habe ich noch zusätzlich eine technische Ausbildung und meine Praxissemester habe ich im Ausland absolviert.“

Mittlerweile ist auch er ausgewandert – in die Schweiz, wo es mit nur zwei Bewerbungen geklappt hat. Sind deutsche Unternehmen doch zu blöd, um gute Leute zu erkennen?

Kannste was, kriegste Job!

Tatsache ist: Viele Arbeitgeber suchen jedoch trotz Bedarf lieber weiter, als unpassende Kandidaten einzustellen – wie Birgitt Dondorff in diesem Fachartikel eher wissenschaftlich belegt und wie dieser Informatiker berichtet, der lieber anonym bleiben möchte:

„Wir suchen in unserer Firma im Rhein-Main Gebiet händeringend Softwareentwickler. Aber auch bei uns werden die meisten Bewerber abgelehnt. Die Bewerber müssen Praxiserfahrung in den von uns verwendeten Programmiersprachen und Betriebssystemen haben und sehr gut Englisch sprechen. Sie sollten auch Kenntnisse im Börsenumfeld haben. Wir stehen so sehr unter Druck, dass wir neue Leute kaum einarbeiten können und es ist deshalb auch nicht möglich Anfänger einzustellen. Leute über 50 stellen wir jedoch definitiv ein. Oft hapert es auch an der zwischenmenschlichen Kommunikation. Manche Leute können wir uns in unseren Teams einfach nicht vorstellen. Falls sich herausstellt, dass ein neuer Mitarbeiter die Leistung nicht bringt, wird er auch ohne Umschweife entlassen.“

Folgen?

Das Fachkräfte-Mangel-Geheule in Deutschland könnte langfristig böse enden: Immer mehr Studienanfänger, die mit großen Erwartungen am Arbeitsmarkt vorbei studieren und doch keinen Job finden und dann abwandern. Fehlinvestitionen für den Staat – auch weil z.B. Geld in Überschuss-Fächer investiert wird, während an anderer Stellle gespart wird.

Vielleicht ist es also endlich an der Zeit, etwas differenzierter über dieses Thema zu diskutieren?

Hinweis, Danksagung & Update

Obwohl das ein ernstes Thema ist, habe ich mich für eine teilironische Betrachtung entschieden – ich hoffe, man versteht das.

Danke jedenfalls an die weit über 100 Kommentatoren, die mit Ihren Erfahrungsberichten, Kommentaren und Links zu weiterführenden Informationen seit Monaten dazu beitragen, dieses Thema präsent zu machen. Am Montag erscheint noch mein Artikel bei RP-ONLINE dazu. Das ist wirklich gelungenes Crowdsourcing!

Update: In den Kommentaren geht es natürlich wie immer weiter mit vielen weiteren Informationen, Links & Hinweisen. Einfach mitdiskutieren!


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    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. Auf der Suche nach einer aktuellen Studie bin auf diese Studie gestoßen. Sehr interessant, bräuchte aber auch noch aktuelle Infos. Jemand Tipps für mich?

  2. Regina Haberfellner

    @NikolausKoller Naja, so klar scheint die Sache nicht zu sein: und -> MINT-Fachkräftelücke…

  3. Solveig

    Danke für Tipp zum Thema angebl. FK-Mangel in D RT @Birgit_Dondorff in diesem Blog hat u.a. 1 Ing. kommentiert @mab__

  4. Birgit Dondorff

    @fissol @mab__ in diesem Blog hat u. a.1 Ing kommentiert

  5. Simone Janson

    @b4shot sehr schön, "nicht über Fachkräftemangel schwadronieren" (FAZ) – dazu ergänzend

  6. Simone Janson

    @alekscee @SenseiDesign @enypsilon Manchmal gibts auch echt brauchbare Kommentare #crowdsourcing

  7. Simone Janson

    @mauisurfer25 falls du mal irgendwann noch ein Beispiel für Crowdsourcing suchst

  8. Hallo,

    hier ein paar Links, die bei einer Entscheidung zur Auswanderung helfen können:

    Viele Grüße

    Karen

    • Hallo Karen, vielen dank für die Recherche und die Links. Zum Thema arbeiten im Ausland/Auswandern möchte ich ja auch noch etwas machen!

  9. Simone Janson

    Hallo Karen, Dirk, Birgit,
    Birgit hat da sicher richt, ein Neuanfang ist sicher schwierig. Allerdings sehe ich auch schon, aus eigener Auslandserfahrung, dass ein neues Land mit einer anderen Mentalität nicht nur sprachliche Schwierigkeiten mit sich bringt. Dennoch ist es sicherlich auch vom Einzelfall abhängig.

    Das wäre aber so ein Thema, über den sich nochmal ein gesonderter Artikel lohnen würde..

    @Geschädigter: Natürlich weiß jedes Unternehmen, wie der eigene Personalstand aussieht. Man hat aber eventuell auch als Unternehmen nicht den Überblick, wie es auf dem gesamten Arbeitsmarkt aussieht bzw. in den nächsten Jahren aussehen wird.
    Abgesehen tendiere ich auch eher dahin, dass das Thema wenn eher Unternehmensseitig statt Politikseitig lanciert ist. Da es dafür aber keine Beweise gibt, mag ich mich bislang nicht so recht mit Verschörungstheorien abfinden.

    Generell: Ich bin bis Donnerstag abend unterwegs und habe nur sehr sporadisch Internet. Daher bitte ich evtl. um etwas Geduld bei den Antworten.
    Danke.

  10. Geschädigter

    @Simone, warum sollte das keine Absicht der Unternehmen und „HR-Agenturen“ sein? Sollen wir jetzt annehmen, die Unternehmen agieren so unprofessionell, dass sie nicht wissen wie es um ihren Personalstand steht? Warum schieben Bosch, Daimler & Co. ihre Ingenieure in nicht-tarifgebundene und deutlich schlechter bezahlende „Engineering Groups“?
    Sollen wir annehmen, dass die Ingenieure den Unternehmen heute zwar die Bude einrennen (100 Spitzenbewerber auf 1 freie, „luftige“ Stelle) so dass die armen Bewerber zwar die DÜMMSTEN Einstellungstests durchlaufen müssen, aber die Arbeitgeber sind so naiv zu denken sie könnten 50 Jahre in die Zukunft planen?
    Woher sollen die 34000 Stellen jährlich kommen, welche in die Ingenieurlügenrechnung eingehen, obwohl die Industrie bis heute ~2% an Jobs jedes Jahr verliert? Hört sich das nicht wie eine Falschmeldung der Unternehmen an?

    Übrigens: vor 2 Jahren habe ich 3 Ingenieure auf ihrem Weg nach 1x Norwegen und 2x Schweiz begleitet. Damals galt: niedrige 1stellige Bewerbungszahl, fast immer ein Vorstellungsgespräch. Ein 0815 Elektroingenieur-Berufseinsteiger, in Deutschland von der ARGE abgeschrieben schrieb 5 Bewerbungen in die Schweiz und landete 5 Treffer, er wurde dann bei seinem gewählten Job direkt eingestellt ohne mehrfache „Runde“ wie im perversen Deutschland schon üblich. Die größte Hürde – die schweizer Bürokratie – übernahm das Unternehmen. Der wurde schneller eingestellt als Bosch auf eine interessante Bewerbung mit der ersten Vorstellungsrunde reagiert. Und sein Job ist auch bei einem Großkonzern!

    Deutschland braucht keine Ingenieure mehr, damit habe ich mich abgefunden. Ich fände es nur fair wenn man die Chance zum Berufswechsel bekäme UND nicht Studenten ins Verderben locken würde.

  11. Birgit Dondorff

    @Dirk

    Sicherlich gibt es Risiken! Aber, gibt‘ s die national nicht auch?! (Abgesehen mal von etwaigen sprachlichen Angelegenheiten – ausgenommen, sofern ich mich nach A, CH evtl. NL orientiere)

    Vergleichbar wäre die Joborientierung von z. B. NRW nach Berlin oder München: Aufbau des sozialen Umfeldes; Überstehen der Probezeit oder gar erst Suche!

    Gruß Birgit Dondorff

  12. Dirk Steffes

    @ Karen
    „Es ist nur so, dass jede/jeder, der aus Deutschland weggeht, eine Stelle im Auswanderungsland hat. Man kann Deutschland nur verlassen, wenn man im neuen Land eine Anstellung hat. Alles andere wäre ein unkalkulierbares Risiko.“

    Das kann ich so aber nicht bestätigen. Man bekommt den Job oft nur, wenn man bereits im entsprechenden Land wohnt – trotz Internet, Evtl. muss man sich dort zuerst einmal gewisse Sprachkenntnisse aneignen und herausfinden, wo es überhaupt geeignete und ausreichend bezahlte Jobs gibt. Eine Bewerbung aus der Ferne hat nur unter bestimmten Bedingungen Aussicht auf Erfolg (tatsächlicher Fachkräftemangel, Alleinestellungsmerkmal des Jobsuchenden – z.B. dt. Sprache). Oder man gibt sich mit einer einfachen Tätigkeit zufrieden, um über die Runden zu kommen und parallel weiter zu suchen.

    Ich möchte gerne noch darauf hinweisen, dass viele Menschen ihren Auslandsaufenthalt nach ein paar Monaten oder ein, zwei Jahren dann doch wieder abbrechen. Am Anfang geht man halt sehr euphorisch an alles heran und ist froh, endlich aus dem „schlimmen“ Deutschland weg zu sein. Diese Stimmung kann aber relativ schnell kippen, insbesondere wenn man in dem neuen Land kein unterstützendes Umfeld (z.B. ortsansässiger Lebenspartner) hat und oder in finanzielle Schwierigkeiten gerät.

  13. Simone Janson

    @Karen: Danke für den Link. Habs noch nicht geschafft mit dem anhören, wird aber nicht vergessen.
    @Birgit: Darüber muss ich erstmal nachdenken. Im erstem moment fand ich das etwas abwegig, auch weil das Fachkräfte-Mangel-Geschrei von Arbeitgeberverbänden kommt. Vielleicht ist aber die ebenfalls in diesem Blog geäußerte These, das käme von Unternehmensseite (z.B. um die Löhne zu drücken) genau so weit hergeholt?
    Und vielleicht zeigt das einfach, dass wir da mit Verschwörungstheorien gleich welcher Art nicht weiterkommen, weil es sich einfach um eine grandiose Unkenntnis der tatsächlichen Lage bei allen beteiligten handelt?
    Man kann nur daran erinnern: Es gibt keine einwandfreie statistische Methode, die den Fachräftemangel verifizieren oder falsifizieren kann.
    Gruß
    Simone Janson

  14. Hallo,

    ich hatte heute morgen den Link zu einer Sendung im SWR, die heute ab 08:15 gesendet wurde, von einen früheren Studienkollegen zugesand bekommen. Ich konnte die Sendung nicht live sehen in Schweden. Aber auch der Link war sehr interessant. Er zeigt die Wertschätzung, die Firmen ihren Mitarbeitern entgegenbringen. Ich konnte dies auch selbst feststellen in meiner Tätigkeit in Deutschland als H4-Aufstockerin. Im Vergleich zu meiner Erfahrung (sehr kurz) in Schweden, kann ich aber einen gravierenden Unterschied feststellen. Ich werde nicht als Verfügungsware, sondern als Mensch behandelt. Schweden ist auch nicht das Paradies. Leistung wird genau so gefordert wie in Deutschland, aber ich werde als Mensch behandelt. Man kann das nicht verallgemeinern, es gibt bestimmt in Schweden und in Deutschland andere Beispiele. Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen.

    Hier der Link (SWR, WDR, Titel: Profit um jeden Preis Markt ohne Moral):

    Viele Grüße

    Karen

  15. Birgit Dondorff

    @Simone
    Zu Frage 2 fand ich durch Karen Unterstützung.(Erläuterung)

    Zu Frage 1 Ich möchte mich da nicht detailliert zu äußern, wenn ich sage,
    es ist ein politisches Interesse. Ich denke da nur einge-
    schränkt in die von Ihnen beschriebenen Richtungen!

    Gruß und Danke für Ihr Verständnis,

    Birgit Dondorff

  16. Pingback: Melodien für Millionen | JOBlog - der Job & Karriere Blog

  17. Simone Janson

    Frau Dondorff, damit ist meine Frage aber noch nicht beantwortet – oder verstehe ich Sie einfach falsch?

  18. Birgit Dondorff

    @Karen: Danke, genau so hätte ich es auch erläutert (incl. Munich!:-)

    Gruß Birgit

  19. Die Lebenshaltungskosten sind sicher höher. Aber es bleibt im Verhältnis zu Deutschland netto mehr übrig. Natürlich darf man da nicht in der Stadtmitte von Stockholm wohnen, sondern außerhalb. Aber im Vergleich kann man auch nicht in der Mitte von München wohnen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Sicherheit einer unbefristeten Anstellung und ein gutes Betriebsklima.

    Viele Grüße

    Karen

  20. GOLDEN ALLIGATOR INT

    Peinlicher Streit um DIW-Studie, Medienkrimi und gelungenes …: Eine Aktuelle Studie des DIW spr… #Crowdsourcing

  21. Simone Janson

    @Karen: Danke für die Schilderung der beinahe paradisisch klingenden Zustände in Skandinavien.. abgesehen vielleicht vom etwas ungerecht wirkenden Bewerbungsvorgang…

    @Birgit Dondorff: Ich hab es jetzt mehrfach gelesen, aber den Zusammenhang leider nicht verstanden…
    Klar wäre das für alle schöner, wenn die Gehälter hoch wären…
    Sind sie aber nicht, weil wir offenbar keinen Fachkräftemangel haben. Umgekehrt würden die Gehälter automatisch steigen, weil die Politik Fachkräftemangel ruft, sondern eher weil das Unternehmen niemanden findet… Oder meinen Sie, dass das ein gescheiterter Versuch der Politik ist, just dies zu lancieren?

    Übrigens: Dass die Gehälter in Skandinavien höher sind, halte ich in Anbetracht der höheren Lebenshaltungskosten & Steuern (oder irre ich mich?) für gerchtfertigt….

  22. Birgit Dondorff

    Hallo in die Runde,

    zum einen vermute ich ein rein politisches Interesse.

    Als kl. Erläuterung:unsere Fachkräfte (Facharbeiter und Akademiker) erfreuen sich speziell im skandinavischen Raum, wie auch NL, Dänemark und Schweiz etc. so großer Beliebtheit:
    a) Qualität der Ausbildung
    b) Preis – sprich Gehaltswunsch

    Sind die normalen ortsüblichen doch wesentlich höher angesiedelt, als man hierzulande zur Zahlung bereit ist.
    Hieße im Umkehrschluss natürlich für Deutschland, aus diesen Ländern aufgrund deren Gehaltsvorstellung keine Fachkräfte anwerben zu können.

    Gruß Birgit

  23. Es ist auch ein anderes denken. Mitarbeiter werden im Ausland als Human Kapital betrachtet und nicht als Kostenfaktor, der bei einem Gewinneinbruch sofort abgebaut wird. Die Firmen investieren in den Mitarbeiter und bekommen als Gegenleistung Engagement, Leistung und Loyalität. Die Teams sind gemischt zwischen den Altersstufen. es findet ein gleitender Know-How-Transfer statt. Mit den älteren Ingenieuren bleibt auch das Know-How als Firmenkapital erhalten und wird nicht in die Frühpensionierung geschickt. Mit der Aussicht auf eine Beschäftigung, die nicht mit Vollendung des 50ten Lebenjahres in die Arbeitslosigkeit führt, kann man die Zukunft planen.

    Zum Thema Fachkräftemangel: im Handelsblatt standen gestern und heute Artikel, dass Bayer, Merck und Roche mehrere tausend Mitarbeiter entlassen werden.

    Viele Grüße

    Karen

  24. Hallo,

    nicht jede/jeder, der sich im Ausland bewirbt, bekommt sofort eine Stelle. Es ist nur so, dass jede/jeder, der aus Deuztschland weggeht, eine Stelle im Auswanderungsland hat. Man kann Deutschland nur verlassen, wenn man im neuen Land eine Anstellung hat. Alles andere wäre ein unkalkulierbares Risiko. Es ist allerdings so, dass man im Ausland zur Zeit noch eher eine Stelle bekommt, da die Firmen, vorallem in Skandinavien, in die Einarbeitung und Weiterbildung investieren und damit auch Absolventen eine Chance gewähren.

    Das Problem ist aber von einer Stelle Kenntnis zu bekommen. Viele Stellen werden in Skandinavien nicht ausgeschrieben, sondern auf Empfehlungen hin besetzt. So war es auch bei mir. Ein früherer Studienkollege hatte meine Bewerbung firmenintern weitergegeben und mich empfohlen. So kam es zum Vorstellungsgespräch auf eine Bewerbung hin. Viele, die sich direkt bewerben, bekommen auch eine Absage. Dies gilt auch für Norwegen und Schweden. In Skandinavien besteht auch kein Fachkräftemangel. Die deutsche Ausbildung ist zwar ein gern gesehener Pluspunkt, aber eine Empfehlung eines firmeninternen Mitarbeiters öffnet schon mal das Tor zu einem Vorstellungsgespräch. Aber die fachlichen und menschlichen Voraussetzungen müssen passen, sonst gibt es eine Absage.

    Viele Grüße

    Karen

  25. Hallo,

    die beiden Artikel in Spiegel-Online sind bei den Ingenieuren deutscher Herkunft mit großem Interesse wahrgenommen worden. Bei mir haben auch zwei frühere Studienkollegen aus Norwegen (Oslo und Stavanger)anfragt, wie die Resonanz unter den deutschstämmigen Ingenieuren auf die Artikel ist?

    Es herrscht ein wenig Verwunderung darüber, das die erste Veröffentlichung, die doch sehr fundiert scheint, im zweiten Artikel durch die Führungsetage des DIW unfundiert ins Gegenteil gedreht wird.

    Der Tenor, dass Deutschland einen starken Fachkräftemangel bekommen wird, bedingt durch die Verunsicherung der Fachkräfte in Deutschland, herrscht nicht nur unter den ausgewanderten deutschen Ingenieuren vor. Auch die schwedischen Kollegen rechnen mit zunehmender Abwanderungen aus Deutschland. Eigentlich sehr schade, dass man nicht versucht die deutschen Fachkräfte im eigenen Land zu halten, sondern nur auf Zuwanderung nach Deutschland setzt, deren Einsetzen sehr fragwürdig ist.

    Viele Grüße aus dem kalten Stockholm bei 0 Grad und erwartetem Schneefall

    Karen

    • Hallo Karen und alle anderen Interessierten
      schön, dass man sich auch im kalten Norden noch mit dem Thema beschäftigt (hier ist es nur unwesentlich wärmer und regnet… daher):
      Bitte genau lesen: Die Studie, die man hier übrigens kostenlos runterladen kann, wurde nicht ins Gegenteil verdreht – dazu ist sie auch viel zu lang (und übrigens sehr empfehlenswert)!

      M.E. hat das Spiegel Online nur ein wenig plakativ ausgedrückt… vielmehr wurde wohl nur eine Passage ergänzt, laut der der Vorhersagezeitraum kürzer ist (gleich am Anfang samt Überschrift). Außerdem finden sich hie und da in der Studie einige relativierende Sätze, die nachträglich eingefügt worden sein könnten, können aber schon vorher da gewesen sein. Das DIW spricht nur von Ergänzungen, genau kann ich das nicht rekonstruieren, da müsste man mit der Voversion vergleichen, die SPON hatte.

      Allerdings: Die Grundaussage, dass es keinen Fachkräftemangel gibt, wird durch die Studie weiterhin belegt.

      Hier noch ein paar Reaktionen von DAX-Unternehmen

      Das entspricht auch dem, was ich in den letzten Tagen von Personalern gehört habe und was diese auch wirklich glauben. So hat mir Birgit Dondorff einen eher wisschenschaftlichen Erklärungsansatz aus Personaler-Sicht getwittert.

      Interessant fand ich diesen Kommentar auf Tagesschau.de, der ja auch viele in den Thread geäußerte Vorwürfe zu bestätigen scheint, der natürlich auch wieder nur eine Meinung ist:

      Und Eva Zils, auch Personalerin (www.online-recruiting.net) meint auf meiner Facebook-Page:

      Der Hype wird oftmals gerne auch von Dienstleistern aus der HR-Branche vorangetrieben. Auch wenn ich selbst zu dieser Branche gehöre, verwende ich den Fachkräftemangel nur ungern als Verkaufsargument. Inzwischen ist das einfach ausgelutscht….[zitat-end]

      Ich denke, die Wahrheit hat von allen Aspekten etwas.

      Wenn wir aber keinen Fachkräftemangel, liegt für mich auf der Hand, warum man die Leute abwandern lässt: Kurzfristiges Denken. Eher wundert es mich, dass man im Ausland, so wie Sie Karen (und es gibt ja noch andere Beispiele), so schnell einen Job findet (mit nur einer Bewerbung). Weil dort händeringend gesucht wird? Oder weil man langfristiger denkt?

      Wäre vielleicht ein interessanter Aspekt auch für die Studie, die Monika in Auftrag geben will und deren Fragen ich hier nochmal verlinke!

      Ich freue mich auf weitere Beiträge!
      Simone Janson

  26. Hallo Birgit,
    danke für Ihren Beitrag. Mit der Meinung stehen Sie ja nicht alleine da, wie die beiden Diskussiontrheads zeigen.
    Gruß
    Simone Janson

  27. Seit 2009 bin ich in der Orientierung. Bin allerdings nicht beim Arbeitsamt als solche gemeldet, sondern finanziere mich zwischenzeitlich selbst.
    Trotz sehr gutem Qualifikationsprofil m. entspr. Praxis hatte man bislang die Qual der Wahl…

    Ich vermute ein rein politisches Interesse dahinter…

  28. Martin Salwiczek

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  29. Simone Janson

    Fachkräftemangel oder nicht? Diskussion um die DIW-Studie – Fakten, Statements, Zahlen, Meinungen im Überblick:

  30. Simone Janson

    Frisch gebloggt: Peinlicher Streit um DIW-Studie, Medienkrimi und gelungenes Crowdsourcing…

  31. KompetenzPartner

    Peinlicher Streit um DIW-Studie, Medienkrimi und gelungenes Crowdsourcing: Fachkräftemangel oder…

  32. Simone Janson

    Ist schon lange nicht mehr passiert,dass ich den ganzen Tag für 1 Post brauchte-hat sich aber gelohnt #Fachkräftemangel

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