Konferenz Öffentlichkeit und Demokratie in Berlin: „Mit Anne Wille kann man nicht richtig reden…“ – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Konferenz Öffentlichkeit und Demokratie in Berlin: „Mit Anne Wille kann man nicht richtig reden…“



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Das Programm der von der Friedrich-Ebert-Stiftung und anderen Verbänden organisierten Konferenz war reichhaltig, aber zu stark auf einen Tag komprimiert. Daher konnte ich trotz Angebotsmasse gerade mal vier Veranstaltungen wahrnehmen. Schade, denn die waren gut: Businessideen & Verkauf  SocialMedia Networking Community Building Lernen Lesen Köpfe Anne Will Durchsetzungsstärke


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Die Verlegerseite

In seinem Vortrag „Meinungsbildungsprozesse aus Sicht des Verlegers“ gab sich Konstantin Neven Dumont, der bei M. DuMont Schauberg Strategie und Kommunikation verantwortet, als Verteidiger des investigativen Journalismus. Seine These: Man muss die Fakten nicht nur investigativ recherchieren, sondern die Ergebnisse auch verbreiten.

Dafür müssen sich Medien untereinander besser vernetzen und zusammenschließen. Was klang wie eine nette Idee, halte ich in Wirklichkeit für die perfide Verteidigung der Medienkonzentration in der Mediengruppe M. DuMont Schauberg.

Philosoph oder Wolf im Schafspelz?

Daneben wurde Dumont, der damit kokettierte, sich erstaunlicherweise eher als Philosoph denn als Unternehmer zu sehen, nicht müde, das von Verlegern Leistungsschutzrecht als garant journalistischer Qualitätsarbeit zu verharmlosen. Auf die Problematik, dass Leser zunehmend von Print- in Onlinepublikationen abwandern, wusste er auch keine Lösung, zeigte sich jedoch als verfechter bezahlter Inhalte.

Für seine fehlendes unternehmerisches Durchgreifen z.B. bei handwerklichen Fehlern wurde er denn auch dem Publikum rüde kritisiert, passenderweise von einem fachfremden KfZ-Unternehmer. Leider wurde der Aspekt in der Diskussion nicht weiter aufgegriffen („Medienunternehmen sind ja doch etwas anderes“) obwohl es meiner Ansicht mal ganz gut täte, echte unternehmerische Maßstäbe auch an Medienunternehmen anzulegen.

Harrsche Worte zur Mittagspause

Wie zur Bestätigung kritisierte der freie Journalist Tom Schimmeck, immer gut für harsche Worte, in der Mittagspause die angebliche Sonderstellung von Medienunternehmen: Meinungsmache sei nämlich längst ein Massengeschäft, in dem die öffentliche Wahrnehmung immer mehr auf den Blickwinkel einzelner Popakteuere verengt werde.

Die Medienvielfalt sei längst ein Abbild der gesellschaftlichen Wirklichkeit – jede gesellschaftliche Gruppe hat ihr spezielles Medium, während ein Großteil der Medienmacher aus der Mittelschicht kommt – nicht zuletzt deshalb hätten es Themen wie Mindestlohn so schwer in Deutschland.

Politik als Seifenoper

Durch den Drang zu immer mehr Selbstinszenierung werde auch Politik immer mehr zur Seifenoper, zur hohlen Nummer – und der öffnet Populismus die Tür. „Was haben wir seit Hugenberg, der maßgeblich am Aufstieg Hitlers beteidigt war, dazu gelernt?“ fragte Schimeck provozierend. Nur wenn Verleger neben unternehmerischem Sachverstand auch ein Sendungsbewusstsein mitbrächten, könne Demokratie einigermaßen funktionieren.

Dafür aber müsste die Gesellschaft die Medieninhaber stärker in die Pflicht nehmen. Zum Abschluss plädierte Schimeck für ein neues journalistisches Selbstverständnis – „zu viele angehende Journalisten werden gebrochen durch lebenslange Praktika und den Markt.“

Rundumabrechnung mit Traditionsmedien

Ähnlich revolutionär ging es nach der Mittagspause weiter: Der Publizist Walter van Rossum sprach über den Konformismus als journalistische Weltanschauung am Beispiel der Tagesschau. Was zunächst etwas geschwätzig und langweilig begann, entwickelte sich nach und nach zu einer Rundumabrechnung mit den Traditionsmedien.

Denn obwohl van Rossum ganz offenbar mit dem Social Web nicht viel am Hut hat (zumindest hat er davon nichts erzählt), war sein Hauptkritikpunkg an der Tagesschau doch überraschend Web-2.0-ig: „Man kann als Journalist nicht nur wiedergeben, sondern muss auch mal Stellung beziehen. Die Tagesschau hingegen hat die irre Phantasie völlig objektiv zu sein, denn sie gibt das Tagesgeschehen ja nur wieder!“

Irre Phantasie völliger Objektivität

Dabei würde, so van Rossums Kritik, die Tagesschau den einfachsten Kriterien der Journalistenschule nicht Stand halten.Und sie sei alles andere als objektiv: „Die vermeintliche Objektivität ist nur ein Schutzschild, damit sie keinerlei Angriffspunkte bietet. In Wirklichkeit ist die Tagesschau ist maximal angepasst.“

Auch die Gründe für die Anpassung hatte van Rossum schnell ausgemacht: Die Zwangserstarrung, in der sich der etablierte Apparat ARD befindet – und mit ihm seine Akteure: „Die Tagesschau kommt mit 12 Staatsschauspielern für das ganze Jahr aus, klappern Termine ab und berichten von Pressekonferenzen, statt sich einfach mal die Welt anzuschauen“.

Hofschauspieler in Zwangserstarrung

Den einzelnen Akteuren, mit denen von Rossum für Recherchen nach eigenen Angaben durchaus versucht habe, über das Thema zu reden, sei diese Erstarrung allerdings gar nicht klar: „Mit Anne wille kann man glaub ich nicht richtig reden. Denn wenn man mit Journalisten über ihre Arbeit redet, sagen die ihnen Sachen aus dem Lehrbuch und denken wirklich, sie tun genau das!“

Für dieses Fehlen an Kritkfähigkeit machte von Rossum die Strukturen verantwortlich: „Der Appart schluckt alles. Und wenn man erstmal Bestandteil des Medienapparates ist, fällt es schwer, Kritik zu üben.“

S21 – überraschend aktuell

Die eigentlich beste Veranstaltung des Tages war für mich eine Podiumsdiskussion über die Vorfälle in Stuttgart (s21). Auch wenn irgendwie keine richtige Diskussion aufkam, weil alle Podiums-Teilnehmer einer Meinung waren, fühlte ich mich doch sehr gut über die Hintergründe der Stuttgart21-Diskussion informiert.

Ebenfalls gut fand ich, dass in die schon länger geplante Diskussion auch die Ereignisse zwei Tage zuvor Eingang fanden und die Bedeutung der Internet-Kommunikation dabei betont wurde. Inhaltlich empfehle ich allen interessierten daher, sich den Live-Stream der Veranstaltung anzuschauen.

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