Interview mit dem erfolgreichsten freien Musiker in Deutschland, Jan Hegenberg, über seine Social-Media-Marketingstrategie, die keine ist: „Ich mache gar keine Werbung. Das machen alles meine Fans!“

04_11_Jan_Hegenberg_520x395520_395Mit 4.000.000 Song-Downloads (Musiktauschbörsen und Last.fm nicht mitgerechnet) gilt Jan Hegenberg als erfolgreichster Künstler der freien Musikszene. In der Gamer-Szene ist er vermutlich bekannter als Britney Spears. Plattenverträge hat er immer abgelehnt. Im Interview sprach er über seine Marketingstrategie, die eigentlich keine ist.


Jan Hegenberg, 33, bezeichnet sich selbst als der erste Deutsch Counter-Strike-Sänger. Seine Lieder handeln fast ausschließlich von Computerspielen oder Computerspielern und werden direkt aus dem Leben inspiriert. Dabei ist er nur zufällig zum Berufsmusiker geworden und überlässt das Marketing weitestgehend seinen Fans, die z.B. eigene Videos produzieren.

Wie hat das bei dir angefangen mit der Musik?

Eigentlich durch Zufall: Ich habe mit 13 mit dem Gittare-Spielen angefangen und dabei einen ziemlich großen Ehrgeiz entwickelt. Auch bei Frauen kommt Musik ja immer gut an :-) Ich habe dann ab 2003 meine Lieder kostenlos auf meiner Site angeboten und das wurde ziemlich oft runtergeladen.

Und da hast du beschlossen, daraus eine CD zu machen?

Nein, erstmal nicht: Zunächst wollte ich einfach die Unkosten abdecken, die z.B. durch die hohen Zugriffszahlen entstanden. Ich hatte dann Sponsoren und habe z.B. vor die Musikstücke kleine Jingels gebaut, die sich auch jeder wegschneiden konnte. Aber diese Art Werbung kam bei den Fans unheimlich schlecht an, weil die sich offenbar verarscht fühlten.
Da habe ich dann gesagt: Ok, dann muss ich eben die CDs verkaufen, denn irgendwie muss ich die Unkosten ja hineinbekommen. Ich hätte aber nie damit gerechnet, dass das so ein Erfolg wird. Ich habe dadurch gemerkt: Es ist besser, einfach zu sagen, was ich will als mir irgendeiner „Strategie“ hintenrum die Leute überzeugen zu wollen. Ehrlichkeit wird belohnt!

Apropos Strategie: Wie vermarktest du deine Musik?

Ich vermarkte eigentlich gar nichts: Dass machen die Fans für mich. Bei YouTube stehen zum Beispiel über 3000 Videos von mir – und keines davon habe ich selbst eingestellt. Die Fans kommen mittlerweile schon mit Aufnahmegeräten zu meinen Konzerten. Diese Begeisterung ist natürlich super. Der Nachteil ist, dass ich nicht kontrollieren kann, was die Leute einstellen. Aber das gehört eben dazu.

Musik selbst übers Internet zu vermarkten klappt also gut?

Ja.  Denn wie man sieht, hat Musik eben auch im Internet eine Zukunft! Aber auch die Touren sind wichtig, denn nichts kann den persönlichen Kontakt zu den Fans ersetzen.

Deine Fans – wer ist das denn?

Ursprünglich waren das vor allem jugendliche Gamer und ich dachte eigentlich auch, dass sich Leute ab einem bestimmten Alter nicht mehr für meine Musik interessieren. Aber meine Fans wachsen mit und bleiben dabei. Das freut mich sehr.

Was hast du gegen Plattenfirmen?

Ich habe nicht direkt etwas gegen Plattenfirmen. Aber ich will mit meiner Musik vor allem Spaß vermitteln: Ich bin mir nicht sicher, ob das mit einer Plattenfirma so gut gehen würde, weil man da eben vor allem auch den Ansprüchen des Marktes genügen muss. Dabei steht man dann sehr unter Druck, einem perfekten Image zu entsprechen. Das ist natürlich jedem selbst überlassen, wie er damit umgeht und was er erreichen will: Vielleicht würde ich mit einer Plattenfirma mehr verdienen, aber ich schätze meine Freiheit sehr.

Hast du eigentlich einen „seriösen“ Beruf gelernt?

Ich habe Biochemie studiert. Das Studium habe ich dann aber für die Musik abgebrochen, weil ich mir nicht mehr vorstellen konnte, den ganzen Tag im Labor zu stehen.

Willst du weiterhin solche Musik machen?

Mal sehen. Momentan läuft es sehr gut. Aber ich bin gerade dabei, mir ein zweites Standbein aufzubauen. Ich beschäftige mich z.B. mit Musik des 19. Jahrhunderts.


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