Erfolgsrezept Qualität, Service und professionelles (Web)Marketing: Wie ein kleiner Eisladen in Berlin mit großen Ideen erfolgreich ist

Letzte Woche, als es noch warm war, spazierten wir durch Kreuzberg – und gingen Eis essen. Natürlich nicht in irgendeine Eisdiele, sondern in die, die gerade “in” war und wir Schlange stehen mussten. Aber was ist eigentlich das Erfolgsrezept?

Meine Freundin meinte, dass sie den Laden erst seit drei Wochen kennt und dass er plötzlich überall im Gespräch ist. Abgesehen davon, dass ja auch erst sein ein paar Tagen richtiges Eiswetter ist war, gibt es “Vanille & Marille” aber schon seit Mai 2009.

Nur die Preise sind dieses Jahr neu: Letzes Jahr kostete die Eiskugel noch 90 Cent, dieses Jahr sind wir schon bei einem Euro. Ein Zeichen des Erfolgs. Ebenso wie die ziemlich lange Schlange vor der himmelblauen Tür in der violetten Hauswand.

Das Erfolgsrezpt

Aber worin besteht denn nun das Erfolgsrezept genau? Erstmal natürlich in der qualitativ hochwertigen Ware: Das Eis is frei von künstlichen Farb-, Zusatz- und Aromastoffen und wird jeden Tag frisch hergestellt. Und zwar ziemlich abgefahrenen Sorten wie Weiße Schokolade mit Ingwer und Orange, Indische Mango, Zitrone-Zimt oder Dörr-Marille mit kandierten Pinienkernen und weißem Pfeffer. Dann aber auch in dem Service – die Leute im Laden waren total freundlich und mit Spaß bei der Arbeit – und das überträgt sich auch auf die Kundschaft.

Einfach gute Laune und gute Ware und dann kommt der Erfolg von selbst? So einfach ist es dann doch nicht: Wer sich die Website anschaut, stellt schnell fest, dass dahinter auch eine ausgefeilte Marketingstrategie steht. Die Macher kommen aus der professionellen Gastronomie. Es gibt ein Corporate-Design, alles ist in knalligem Violett und Himmelblau gehalten: Sonnenschirme, Eingangsbereich und Website.

Professionelle Website und viel Transparenz

Die Website vermittelt das Image des kleinen, sympathischen Ladens um die Ecke, ist aber nicht etwa laienhaft sondern ausgesprochen professionell programmiert – ich erwähne das nur deshalb so nachdrücklich, weil das viele kleine Läden, die mal eben einen Webauftritt ins Netz stellen, zu vergessen scheinen, dass einfach nicht unprofessionell sein sollte.

Und es gibt Transparenz: Kunden finden auf der Website Fotos aus dem Laden, Eissorten – und sie können in der „Gläsernen Eismanufaktur“ beobachten, wie das Eis hergestellt. Es sind auch kleine Führungen, Eisseminare und andere Veranstaltungen möglich.

Wer seine Kunden kennt, ist klar im Vorteil!

Die Macher kennen ihre Klientel, die offenbar zum Großteil aus jungen Kreuzberger Eltern besteht, wahrscheinlich ganz genau: Denn die Kunden achten natürlich darauf, dass die lieben Kleinen möglichst biologisch einwandfreie naschen, das aber dennoch preislich nicht viel höher liegt als das konventioneller Eisdielen.

Ein Newsletter informiert über Neuigkeiten: Ich muss zugeben, dass ich die Berliner Band “Eisblume“, die in diesem Jahr für den Comet nominiert ist, nicht kenne, aber als Marketinggag wirkte das natürlich nicht nur wegen des Promibonus und der gemeinsamen Zielgruppe sondern gerade auch wegen des Namens.

Das alles führt dann zu einer guten Presse, bis dato 19 positiven Bewertungen bei Quype und jeder Menge positiver Mundpropaganda in der Nachbarschaft. Fast vermisse ich bei der ganzen Professionalität einen Eis-Blog und  einen passenden Twitter-Account; vermutlich ist das aber bei so einem kleinen Laden wirklich eine Resourcen-Frage und der bisherige PR-Weg zunächst der erfolgversprechendere.

Und dann?

Einen Bonus hat der Laden aber auch: Den als kleiner, sympathischer Laden um die Ecke zu gelten. Aber Wachstum gilt ja bekanntlich als eine der schwierigsten Herausforderungen für Unternehmen. Und das könnte auch in diesem Fall zu sein. Denn meine Freundin z.B. kam zu einer überraschenden Erkenntnis: “Wenn der Eisladen eine Filiale aufmacht, dann ist er genau genommen eine Kette… und eigentlich kaufen wir aus Prinzip nicht bei Ketten…”


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