Autoren & Interviewpartner illegal schröpfen: Geschäftsmodelle von (Print)Medien

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03.12.2010 86 Leser 6 Debatten 701 Wörter Lesezeit: 5 Minuten, 7 Sekunden

Wir sind: Eines der 500 wichtigsten deutschen Blogs, laut DIE ZEIT & Wikipedia eines der meistgelesenen Jobblogs. Schwerpunkt: Digitaler Wandel in Bildung & Arbeitswelt.

In den Medien geht die Angst um: Die Gratiskultur im Internet, Magazine und Zeitungen sterben – da müssen dringend neue Geschäftsmodelle her. Das dachte sich auch ein Verlag für hochwertige Weiterbildungsmagazin aus Bonn – und schickte mir ein unwiderstehliches Angebot. Naja, fast..

Gestern bekam ich eine E-Mail von der managerSeminare Verlags GmbH in Bonn, meiner alten Heimat – und habe mich zunächst sehr gefreut.

Lachen oder Weinen?

Schließlich schätze ich managerSeminare als Fachmagazin für Management- und Weiterbildungsthemen wirklich sehr. Für meinen Artikel über Perfektionismus, der dort im Mai 2009 Titelgeschichte war, habe ich ein ordentliches Honorar erhalten. Und bei der Seite Trainerlink.de wird mein Blog seit März aufgeführt. Alles in allem eine bislang positive Geschäftbeziehung.

Beim Lesen der E-Mail wusste ich dann allerdings schnell nicht mehr, ob ich lachen oder weinen soll. Denn offenbar leidete auch managerSeminare mittlerweile an finanziellen Nöten und meint, seine Kasse mit merkwürdigen Geschäftsmodellen aufbessern zu müssen.

Der Vorfall

Dabei war der Anfang der E-Mail noch wirklich super – wenn man mal von der fehlenden persönlichen Anrede absieht:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie gehören zu den Besten!

Genauer gesagt, Ihre Website.

Die Redaktion von trainerlink.de hat Ihre Website mit „sehr gut“ bewertet. Sie zählen damit zu den besten Adressen im Weiterbildungs-Web! Damit Ihre potentiellen Kunden auch davon erfahren, veröffentlicht das Weiterbildungsmagazin managerSeminare in seiner März-Ausgabe ein Sonderheft zu diesem Thema.

Aufgenommen werden nur Websites, die als mindestens „gut“ von unserer Redaktion bewertet wurden.

Ihr Eintrag wird mit einer Auflage von 20.000 Exemplaren an Führungskräfte, Personalentwickler und Weiterbildner verbreitet. Zusätzlich wird Ihr Eintrag ­ ohne zeitliche Beschränkung ­ zum kostenfreien Download im Internet zur Verfügung gestellt.

Bis hierhin noch alles ok, aber mir schwahnt schon Böses. Denn so ging es weiter:

Nutzen Sie die Möglichkeit, mit folgendem Eintrag vertreten zu sein:

Rubrik: Infoquellen der Weiterbildung > Newsletter/Blogs/Podcasts …

VERÖFFENTLICHUNGS-AUFTRAG Ja, ich/wir möchte(n) in o.g. Sonderveröffentlichung vertreten sein. Veröffentlichen Sie bitte von meiner/unserer Website http://berufebilder.de

( ) Nur Titel und URL –> 68,- Euro zzgl. MwSt. ( ) Titel, Kurzbeschreibung und URL ohne Abbildung –> 158,- Euro zzgl. MwSt. ( ) Titel, Kurzbeschreibung und URL mit Abbildung der Website –> 198,- Euro zzgl. MwSt.

Rechnung und Belegexemplar werden Ihnen nach der Veröffentlichung zugesandt.

Dazu ein paar Fragen und Gedanken von mir:

  • Was stört, ist zunächst die Art und Weise: Erst sich einschleimen wollen – und dann unten abkassieren wollen. Das wirkt leider wie Abzocke – ziemlich unseriös.
  • managerSeminare hat eine Auflage von 20.000 Exemplaren – so viele Leser hat mein Blog monatlich auch. Auch Führungskräfte, Personalentwickler und Weiterbildner erreiche ich mit meinem Blog nachweislich einige – warum sollte mich dieses Angebot also interessieren.
  • Noch dazu ist es Print – einen Backlink, der meine Seite aufwertet, bekomme ich durch diese Aktion nicht.
  • Dennoch sind die Preise – im Vergleich zu Online-Werbung – gesalzen; ein entsprechendes Werbebanner auf diesem Blog wäre z.B. bei gleicher Reichweite ein gutes Stück billiger.
  • Die Frage ist: Ist die Bereitschaft, für Werbung in Printprodukten auszugeben, tatsächlich immer noch so hoch – oder haben die Printverlage noch immer nicht verstanden, dass Werbeumsätze in Zukunft immer öfter im Online-Bereich gemacht werden und solche Angebote daher eine nutzlose Unverschämtheit sind?
  • Damit geht es gleich um den nächsten Punkt: Hier wird versucht, mich als Werbekunden zu gewinnen. Meine „Anzeige“ würde dann aber hinterher nicht als Werbung publiziert werden, sondern in einer Sonderausgabe. Damit hätten wir das selbe Problem, wie ich es bereits hier für Textlinks erörtert habe: Der Verlag verstößt gegen das Telemediengesetz §5, die potentiellen Werbekunden gegen das Gesetz gegen Unlauteren Wettberwerb §Beide riskieren Abmahnungen.
  • Ob, da die Aufnahme in die Sonderausgabe bezahlt werden muss, wirklich nur die besten Aufnahme finden, ist mehr als fraglich.
  • Besonders begeisternd ist, dass der Verlag auf diese Weise nicht nur seine (zahlenden) Leser mit einer Sonderausgabe täuscht, sondern den Wettberwerbsverstoß auch gegenüber seinen potentiellen Werbekunden kleinredet, statt sie über die Rechtslage aufzuklären.
  • Was ich mich auch gefragt habe: Wird das nun das neue Geschäftmodell von Verlagen, die eigenen Autoren auf diese unseriöse, ja genau genommende illegale Weise um Geld anzugehen?
  • Und wer ist dann als nächstes dran: Vielleicht Interviewpartner, die dafür bezahlen sollen, dass sie in der Zeitung auftauchen?

Zu Ehrenrettung des Verlages muss gesagt werden, dass so ein Vorgehen bestimmt kein Einzelfall ist… naja ob, das die Ehre rettet…  ab wirklich, wirklich schade, ich fand das Magazin bislang wirklich gut!

berufebilder

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    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. Simone Janson

    @AlmaMeise die machen das wohl jedes Jahr – siehe Kommentar – #Geschäftsmodelle von (Print)Medien #managerSeminare

  2. @SimoneJanson Das ist echt enttäuschend! #managerSeminare Geschäftsmodelle von (Print)Medien Kommentiert bei Twitter

  3. Simone Janson

    Hallo Herr Wolf,
    das mit der Überprüfung zeigt ja auch schonmal, wohin es geht.
    Ganz nutzlos ist es sicher nicht, aber die Preise sind ja schon gealzen und ich finde eine Verlinkung innerhalb des Internets immer sinnvoller: Nicht nur wegen des Pagerankes – aber wer gibt schon jede Adresse einzeln im Browser ein? Sprich, auf einen Link, der schon online steht, wird eher mal geklickt.

    Was die Kennzeichnung im Impressum angeht: Immerhin etwas. Allerdings steht das da wahrscheinlich relativ klein. Und das ist dann zwar Auslegungssache – aber die Grundintention finde ich dann dennoch nicht so begeisternd.

    Gruß
    Simone Janson

  4. Christian Wolf | fernstudi.net

    Diese Mail habe ich auch bekommen (schon zum zweiten Mal). Nach der ersten Mail vor etwa einem Jahr ist mir dann auch klargeworden, warum man meine Seite aufgenommen hatte.

    Tatsächlich ist der Eintrag sogar veraltet und verweist noch auf den alten Domainnamen, ob die Einträge so stimmen und aktuell sind, wird also offensichtlich nicht überprüft.

    Sei’s drum, die Mail ist ein normales Mailing, dass an hunderte oder tausende rausgeht, und dass die Veröffentlichung ganz nutzlos ist, würde ich auch nicht unbedingt sagen. Ob es „illegal“ ist, hängt davon ab, ob die Einträge in der Sonderausgabe als bezahlte Einträge gekennzeichnet werden. In den alten Ausgaben steht im Impressum: „trainerlink ist eine Werbeveröffentlichung vom gleichnamigen Online-Service der managerSeminare
    Verlags GmbH.“

  5. KompetenzPartner

    Autoren & Interviewpartner illegal schröpfen? Geschäftsmodelle von (Print)Medien: In den Medien …

  6. Simone Janson

    Frisch gebloggt: Autoren & Interviewpartner illegal schröpfen? Geschäftsmodelle von (Print…

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