Wirtschaftskrise: Warum die Arbeitsagentur keine Weiterbildung für den Mallorcaurlaub zahlt – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Wirtschaftskrise: Warum die Arbeitsagentur keine Weiterbildung für den Mallorcaurlaub zahlt



Wie die Wirtschaftskrise auch seltsame Blüten treibt, konnte man kürzlich in der Westdeutschen Zeitung lesen. Denn im Superwahljahr 2009 will die Politik hohe Arbeitslosigkeit um jeden Preis vermeiden. Ergebnis dieser Zahlenkosmetik: Kurzarbeit nimmt rasant zu. Und wer trägt die Kosten dafür? Die Arbeitsagentur – und damit letztlich der Steuerzahler. Die Damen und Herren aus Nürnberg haben jedoch klar gemacht, dass Sie keine unnötigen Weiterbildungen, etwa den Spanischkurs für den nächsten Mallorcaurlaub, finanzieren wollen. Ob das klappt?

In der Vorweihnachtszeit hatte die Wirtschaftskrise noch etwas Virtuelles. Wir staunten über die unfassbar schlechten Zahlen, die täglich verkündet wurden – und hauten dann, letztlich unbeeindruckt, unser Weihnachtsgeld auf den Kopf. Inzwischen meldet ein Unternehmen nach dem anderen Kurzarbeit an: Aus Zahlen werden Schicksale. Nun ist Kurzarbeit zwar kein Jobverlust. Aber die Lösung aller Probleme ist sie auf Dauer nicht.

Kurzarbeit leistet zweierlei: Sie hilft Unternehmen, eine konjunkturelle Flaute zu durchstehen, ohne massenweise qualifizierte Mitarbeiter entlassen zu müssen – Mitarbeiter, die beim nächsten Aufschwung fehlen würden. Und sie hilft den Arbeitnehmern. Diese können bei überschaubaren finanziellen Einbußen ihre Stelle behalten und im besten Fall die zusätzliche Zeit nutzen, um sich weiterzubilden.

Doch hier liegt schon der erste Haken: Die Bundesagentur für Arbeit soll die Sozialbeiträge der Kurzarbeiter demnächst komplett übernehmen, wenn sie innerbetrieblich weitergebildet werden. Das wird viele Arbeitgeber dazu verleiten, auch eine an sich unnötige Weiterbildung zu organisieren, nur um an die Subventionen zu gelangen. „Spanischkurse für den Mallorca-Urlaub“ wolle man nicht unterstützen, heißt es bei der Arbeitsagentur. Aber vernünftige Kontrollinstrumente wird sie dazu nicht an die Hand bekommen.

Der zweite Haken ist der größere: Kurzarbeit hilft auch jenen Unternehmen, die nicht nur konjunkturelle Probleme haben, sondern zusätzlich strukturelle. Beispiel Automobilindustrie: Sie hat jahrelang die technologische Entwicklung verschlafen. Soll jetzt die Gesellschaft solche Versäumnisse über das Kurzarbeitergeld ausgleichen – auch wenn es gerade Mode ist, alle möglichen Verluste zu sozialisieren?

Um kein Missverständnis zu provozieren: Kurzarbeit ist im Moment für alle Beteiligten das kleinere Übel. Aber wenn sich die Konjunktur nicht in absehbarer Zeit aufhellt, dann wird das Heer der Kurzarbeiter unweigerlich in die Arbeitslosigkeit marschieren, dann hat die teure Kurzarbeit die Probleme nicht gelöst, sondern nur kaschiert. Wenn im September der Bundestag neu gewählt wird, sollten wir also nicht nur auf die Arbeitslosenzahl schauen. Die Zahl der Langzeit-Kurzarbeiter ist ebenso aufschlussreich.



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