Auch Rechtsanwälte reisen viel: Eigentlich wollte sie in den außwärtigen Dienst! – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Auch Rechtsanwälte reisen viel: Eigentlich wollte sie in den außwärtigen Dienst!



„Bitte die Rückenlehnen senkrecht stellen und die Anschnallgurte anlegen. Wir beginnen nun mit dem Landeanflug“, ertönt es aus dem Lautsprecher auf dem Rückflug von Stockholm nach Düsseldorf. Das Flugzeug ist fester Bestandteil in dem Berufsalltag von Ulrike Gantenberg.


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Eigentlich lieber in den auswärtigen Dienst

Mehrmals im Monat, manchmal sogar mehrmals wöchentlich, fliegt sie verschiedene Ziele auch im europäischen oder außereuropäischen Ausland an. Neben Mandantenterminen und dem Besuch internationaler Konferenzen stehen nicht selten Vertragsverhandlungen mit ausländischen Vertragspartnern auf der Tagesordnung.

Gerade bei diesen Terminen ist es unerlässlich, seinem Verhandlungspartner persönlich gegenüberzustehen, um das Beste für den Mandanten herauszuholen. Dass auch Rechtsanwälte international arbeiten und mehrmals wöchentlich Mandanten im Ausland besuchen, konnte sich Ulrike Gantenberg nicht vorstellen. Deshalb wollte die Juristin ursprünglich in den Auswärtigen Dienst. Heute ist sie Rechtsanwältin und Mitglied des Management Teams der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek und am Düsseldorfer Standort tätig.

Die Kanzlei ist mit insgesamt neun Standorten eine der großen wirtschaftsberatenden Sozietäten. Zu den nationalen und internationalen Mandanten zählen mittelständische und große Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistung ebenso wie Verbände, öffentliche Körperschaften und anspruchsvolle Privatklienten.

Auch Anwälte reisen viel

Dass sie dafür oft Tausende von Kilometern überwinden muss und auf die unterschiedlichsten Mentalitäten trifft, nimmt sie dabei gern in Kauf. Denn der fließend englisch und französisch sprechenden Rechtsanwältin war es wichtig, einen Beruf auszuüben, bei dem sie international arbeiten kann. Dies hätte die ehemalige Studentin der Universität des Saarlandes beinahe davon abgehalten, ihren heutigen Beruf zu ergreifen.

Erst verschiedene Gespräche mit Rechtsanwälten größerer Kanzleien überzeugten Gantenberg davon, diesem Berufszweig eine Chance zu geben. Ihre Wahl hat sie bis heute nicht bereut. Neben dem Gesellschaftsrecht/Mergers & Acquisitions ist ihr Steckenpferd die Internationale Schiedsgerichtsbarkeit. Hierbei handelt es sich um ein spezielles Mittel der außergerichtlichen Streitbeilegung. Aufgrund einer Abrede der Streitparteien entscheidet ein privates Schiedsgericht mit rechtlich bindender Wirkung abschließend über den Rechtsstreit.

Berufserfahrung hilft, Herausforderungen zu meistern

Da es gegenüber staatlichen Verfahren insbesondere den Vorteil der Prozessbeschleunigung, Vertraulichkeit und Sachnähe hat und Schiedssprüche international einfach vollstreckt werden können, ist das Schiedsverfahren vor allem im internationalen Wirtschaftsverkehr sehr beliebt. Im Rahmen solcher Schiedsverfahren agiert Gantenberg in der Regel als Vertreterin einer Schiedspartei oder als Mitglied des Schiedsgerichts. Vor allem die Funktion als Schiedsrichterin verlangt ihr dabei nicht nur anspruchsvolle Aufgaben fachlicher Natur ab. Neben den sprachlichen Schwierigkeiten liegt das Rechtsverständnis der Schiedsparteien, die aus verschiedenen Rechtssystemen kommen, oft weit auseinander.

Dementsprechend unterschiedlich ist auch das Verhalten in den Schiedsverhandlungen. Die einen sind es gewohnt, ihre Rechtsauffassungen schreiend auszutauschen, andere wiederum sind eher an einen ruhigen und sachlichen Austausch der Argumente gewöhnt. Gantenberg ist der Auffassung, dass sich solche Herausforderungen im Berufsalltag leichter meistern lassen, wenn bereits Studenten oder Referendare die Möglichkeit hatten, in oder zumindest mit anderen Rechtsordnungen Erfahrungen zu sammeln.

Pre-Moot zur Karrierevorbereitung

Dementsprechend unterstützt sie intensiv den VIS Moot Court in Wien und initiiert bereits zum dritten Mal in Folge federführend die jährlich stattfindenden Düsseldorfer Pre-Moot-Rounds. Der Pre-Moot bereitet Studententeams aus aller Welt auf den Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot Court in Wien vor. Dort stehen sich jedes Jahr im Frühling knapp 4000 Studenten aus aller Welt in simulierten Schiedsverhandlungen zum UN-Kaufrecht gegenüber, die in englischer Sprache geführt werden müssen.

Die Düsseldorfer Pre-Moots dienen neben der praxisorientierten Vorbereitung vor allem einem frühzeitigen Kennenlernen aller Beteiligten. So werden auf Seiten der Studenten aber auch auf Kanzleiseite wichtige Kontakte geknüpft. Insgesamt 22 Teams gehen in Düsseldorf an den Start, mehr als die Hälfte davon kommen aus dem Ausland. In diesem Jahr finden sie vom 18. bis 20. März 2010 statt. Die Veranstaltung beginnt am Donnerstag mit einem Empfang für alle Teilnehmer und Organisatoren in den Räumen der Kanzlei. Am 19. und 20. März finden die Pleadings in diversen Düsseldorfer Anwaltskanzleien statt. Am Samstag ab ca. 14 Uhr werden dann im Schulungssaal des Oberlandesgerichts die Final Pleadings der beiden besten Teams abgehalten.

Nachwuchsförderung ist wichtig

Auf die Nachwuchsförderung legt Ulrike Gantenberg ebenso wie ihre Kanzlei großen Wert. Im Düsseldorfer Büro sind etwa 20 Referendare und Praktikanten zeitgleich tätig, die auf das Examen und den Anwaltsberuf intensiv vorbereitet werden. In anderen Standorten ist dies ähnlich. Selbst die Aufgaben der Referendare haben oft internationale Schnittstellen.

So ist der Entwurf oder die Überarbeitung von kleinen Verträgen für ausländische Mandanten oder die Bearbeitung eines kleinen Teilausschnitts in einem internationalen Schiedsverfahren keine Seltenheit. „Mir hat gefallen, dass man früh direkt in die Projekte eingebunden wurde und teilweise sogar direkten Mandantenkontakt hatte. Dass hierbei die Verhandlungen zum Teil auf englisch oder französisch geführt wurden, fand ich besonders interessant“, sagt Katharina Meckelnborg, die zunächst als Referendarin und nunmehr seit 2 Jahren als Rechtsanwältin bei Heuking Kühn Lüer Wojtek tätig ist.

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