Podiumsdiskussion mit Ex-Kanzlerberaterin Dr. Monika Wulf-Mathies & Simone Janson: Berufseinstieg für Geisteswissenschaftler

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30.09.2009 36 Leser 2 Debatten 81 Wörter Lesezeit: 0 Minuten, 17 Sekunden
Location: University of Bonn, Regina-Pacis-Weg 3, 53113 Bonn, Deutschland (Karten-Link)

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Am 30.09.2009 fand anlässlich des Deutschen Romanistentages an der Universität Bonn die folgende 90-minütige Podiumsdiskussion „Romanistik & Beruf“ statt. Ich war dabei als Autorin des Buches „Der optimale Berufseinstieg. Perspektiven für Geisteswissenschaftler“. Ebenfalls dabei: Die Ex-Kanzlerberaterin und frühere ÖTV-Vorsitzene Dr. Monika Wulf-Mathies, Andrea Frank vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und Juana Juan-Banner, Alumni-Koordinatorin der Universität Bonn. Mehr zu den Diskutantinnen  im Video!

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    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. Liebe Frau Janson, ich hoffe, Sie erinnern sich noch an unser Gespräch nach der Veranstaltung. Nochmal vielen Dank für Ihre kompetente Ermutigung. Allein die Tatsache zu sehen, dass heute erfolgreiche Geisteswissenschaftler nach Abschluss ihres Studiums erstmal genauso orientierungslos waren wie ich jetzt, hat mich aufgebaut.Sie haben ja in gewisser Weise vom Journalismus abgeraten, dennoch interessiert mich die Branche (ich habe übrigens einen Magisterabschluss in Komparatistik, Spanisch und Französisch). Im Moment suche ich eine Einstiegsmöglichkeit und nehme an, dass es auf ein Praktikum hinauslaufen wird. Können Sie das bestätigen? Und wenn ja, welche Praktika sind dafür am geeignetsten? Ich habe beispielsweise an ein Lokalradio gedacht. Desweiteren interessiert mich die Möglichkeit der Selbstständigkeit (freie Mitarbeit, Übersetzen, usw.). Inwieweit ist das als Berufseinsteiger sinnvoll? Vielen Dank für Ihre Mühe! Herzliche Grüße, Anke

  2. Simone Janson

    Liebe Anke,

    ich hatte Sie schon erwartet. Leider habe ich jetzt auch etwas länger
    gebraucht für die Antwort, aber da sie etwas ausführlicher wird…

    Vorweg eine wirklich gute Anlaufadresse: http://www.jungejournalisten.de

    Das Netzwerk hat mir, durch persönliche Kontakte bei den
    Jahrestreffen, sehr viele Möglichkeiten eröffnet. Man muss sich
    allerdings persönlich bewerben und dafür schon was in dem Bereich
    gemacht haben. Es gibt auch ein Mentorenprogramm.

    Falls man gar keine Ahnung hat, was man machen will: [http://www.lifeworkplanning.de]

    nie selbst ausprobiert, aber viel gutes darüber gehört.

    Es gibt auch ein Buch dazu:

    Durchstarten zum Traumjob: Das ultimative Handbuch für Ein-, Um- und Aufsteiger

    Ich fange mal mit den negativen und demotivierenden Sachen an:

    Es ist sicherlich ein schöner und interessanter Beruf. Allerdings
    sind derzeit tiefgreifende Änderungen im Gange, die durch das Internet
    bedingt sind. Sprich: Den Verlagen und Medienanbietern, auch den
    großen, brechen die Einnahmen weg, da Werbekunden abspringen und viel
    Kunden nicht bereit sind, für Inhalte im Internet zu bezahlen (weil es
    jeder gewohnt ist, alles konstelos zu konsumieren.)

    Daraus ergibt sich ein tiefgreifender struktureller Wandel, auf den
    vor allem die Deutschen Medien noch nicht wirklich wissen, wie man
    darauf reagieren kann.

    Und auch das Berufsbild des einzelnen (freien) Journalisten ist im
    Wandel: Man sitzt eben nicht in Ruhe da uns schreibt seine Artikel für
    den nächsten Tag (so wie ich mir das früher vorgestellt habe) sondern
    muss sehr schnell Content liefern (Internet will topaktuelle News), der
    zunehmend billig bis umsonst bereit gestellt werden muss.

    Ich kenne auch Redakteure, die den Beruf auch deshalb gut fanden,
    weil sie da spät morgens anfangen können – und jetzt morgens um 6 zum
    Frühdienst müssen. Außerdem werden klassische Medien immer mehr durch
    andere Medien-Anbieter (z.B. Soziale Netzwerke, Twitter usw.) abgelöst.
    Man darf gespannt sein, was sich da noch entwickelt.

    Wie neue Geschäftsmodelle im Internet funktionieren können, darüber gibt es ein paar interessante Bücher: [http://berufebilder.de]

    Gerade frisch gefunden und selbst noch nicht gesehen: [http://www.elektrischer-reporter.de]

    Von freien Journalisten wird daher zunehmend erwartet, dass sie
    sich nicht nur mit einem Medium auskennen, sondern schreiben, Videos
    und Podcasts machen usw. können. Sprich, die klassische Aufteilung
    verschwindet immer mehr. Ich habe Kollegen, die prognostizieren, dass
    TV und Radio in 10-15 Jahren tot sind. Schon jetzt heißt es ja
    angeblich, dass gerade jüngere Leute ja vor allem das Internet nutzen.

    Tipps für Freie und Infos darüber, was in der Branche so aus Sicht der Freien los ist, bietet [http://www.freischreiber.de]

    Wenn Sie sich über die rechtlichen Grundlagen für die Selbständigkeit informieren wollen: [http://www.mediafon.net]

    Jetzt der positive Teil – Tipps:

    Dennoch glaube ich, es gibt Möglichkeiten. Wenn man sich als Autor
    fachlich auf bestimmte Themen – die nicht alle können – spezialisiert
    und so aus der Masse heraussticht. Wenn man sich ein Renommee schafft.
    Das allerdings braucht Zeit. Oder wenn man eigene Ideen entwickelt,
    eigene Blogs, Videoprojekte usw. Das Internet bietet da vielfältige
    Möglichkeiten. Man braucht aber auch hier einen langen Atem.

    Und es gehört auch Selbstbewusstsein dazu – siehe auch das Interview mit Monika Wulf-Mathies in meinem Blog: [http://berufebilder.de]

    Dementsprechend: Warum Lokalsender? Wenn Sie schon erfahrungen
    haben: Warum nicht weiter oben versuchen einzusteigen – mit so guten
    Sprachkenntnissen z.B. bei der Deutschen Welle? Dort dann ins
    Volontariat übernommen zu werden ist allerdings sehr schwierig. Oder
    warum es, vielleicht nach 1-2 Praktika, nicht gleich auf der
    Journalistenschule versuchen. Dort liegt die Altersgrenze bei 27! Ich
    kenne zwei Frauen, die, allerdings nachdem sie schon vorher ein paar
    Jahre frei gearbeitet haben, es dann einfach mal versucht haben und
    beide auf der Henri-Nannen-Schule genommen wurden. Und es beide nicht
    geglaubt haben.

    Warum nicht erstmal was ganz anderes ausprobieren? Eine andere,
    spanische Bekannte hat, mit Abschlüssen in Deutsch, Englisch, Spanisch,
    3 Jahre als Aktienbrokerin in London gearbeitet. Ihre Qualifikation
    waren die 3 Sprachen, alles andere Learning on the Job. Danach ist sie
    allerdings lieber Übersetzerin auf Gran Canaria geworden 🙂

    Generell finde ich es wichtig, gerade als Geisteswissenschaftler,
    nicht in seinem eigenen Saft zu schmoren, sondern auch Erfahrungen mit
    Menschen zu machen, die ganz anders Ticken… auch wenn es manchmal weh
    tut, lernt man doch einiges dabei.

    Apropos: Übersetzen können sie natürlich immer. Man kann sich z.B. bei [http://www.proz.com]
    eintrag. Oder sich direkt bei Übersetzungsfirmen bewerben. Einziges
    Problem: Man ist ja für Übersetzungsfehler voll haftbar. Und da es sich
    in der Regel um technische Übersetzungen handelt, kann das teuer
    werden.. mir ist zwar kein einziger Fall diesbezüglich bekannt, aber
    ich sags mal lieber.

    Eine andere Möglichkeit auf Zeit: Sprachkurse. Auf Dauer ist das
    jedoch keine Lösung, wie man an diesem, zugegebn extra-krass
    geschilderten Beispiel sieht: [http://berufebilder.de]

    Dennoch habe ich mit Bildungsinstitutionen auch so meine
    Erfahrungen…. dazu gibt es auch ein interessantes Buch, zu dem ich
    hier einen Artikel geschrieben habe:

    [http://berufebilder.de]

    So, ich hoffe, Ihnen etwas weitergeholfen und sie nicht vollends abgeschreckt zu haben.

    Sie sehen, es gibt zahlreiche Möglichkeiten. Man muss sich dabei
    leider auch immer entscheiden, das ist, wie Frau Wulf-Mathies so
    treffend sagte, mit Risiken verbunden, erfordert Selbstbewusstsein und
    Willensstärke. Weil man nur dann auch andere von sich überzeugen kann,
    wenn man selbst überzeugt ist.

    Gruß und viel Glück

    Simone Janson

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