Wenn mobiles Arbeiten erschwert wird: Zeitmanagement mit der Deutschen Bahn? – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Wenn mobiles Arbeiten erschwert wird: Zeitmanagement mit der Deutschen Bahn?



Zeit ist Geld, heißt es heute. Das gilt besonders für diejenigen, die beruflich viel unterwegs sind. Da ist es praktisch, wenn man beides verbinden kann – das Reisen mit dem Arbeiten. Das mobile Büro für Unterwegs sozusagen. Ein Trend, der im Zeitalter von Netbook und Iphone noch zunehmen wird: Mobiles Arbeiten ist im Kommen.

Die Theorie: Steckdosen im Fernverkehrszug

Vor allem in Berufsgruppen, die mobiles Arbeiten auch immer mehr als Lebensstil begreifen. Und zu diesem Lebensgefühl könnte die Bahn, die hipp und modern sein will, beitragen und so viele neue Kunden gewinnen. In der Praxist fehlen ihr dazu technische Details und guter Wille.

Die Deutsche Bahn AG hat die Zeichen der Zeit offenbar schon lange erkannt und in Deutschen Fernverkehrszügen Steckdosen und Laptop-Arbeitsplätze geschaffen. Und genau die sind für viele Reisende ein Argument, die oftmals teurere Bahn dem billigeren Auto (desse Kosten man ohnehin tragen muss) oder dem schnelleren und nicht selten auch billigeren Flug vorzuziehen. Davon haben beide was: Die Bahn lockt genau die Klientel, auf die sie es abgesehen hat, nämlich finanzkräftige Geschäftsleute, die meist nicht viel Gepäck mitbringen. Und die vielbeschäftigten Workahlic nutzen die Bahn als praktisches Zeitmanagement-Tool.

Die Praxis sieht leider anders aus!

In der Theorie zumindest. Die Praxis sieht leider anders aus, wie ich schon öfter feststellen durfte: Mal ganz zu schweigen davon, dass WLAN im Zug erst auf wenigen ICE-Strecken angeboten wird und dann vom Kunden auch noch teuer bezahlt werden muss – bei den Fahpreisen wäre eigentlich kostenloses WLAN-angesagt, aber vielleicht denkt die Bahn ja, dass automatisch jeder Kunde schon eine Flatrate hat: Die Sache mit den Steckdosen an den Laptop-Arbeitsplätzen, die manchmal erst per Kugelschreiber aktiviert werden müssen, gestaltete sich ausgesprochen schwierig. Und das kann ein wirkliches Problem werden, denn die Akkus von neueren mobilen Geräten sind bei intensivem Gebrauch bereits nach wenigen Stunden leer.

Selbst erlebt auf der IC-Strecke Bonn – Frankfurt, wo ich unterwegs meinen ausgesprochen stromfressenden Organizer aufladen wollte, den ich dann in Frankfurt wieder einsetzen wollte: Ich stöpselte das Ding also in die Steckdose – und nichts geschah! Eine Nachfrage beim Zugbegleiter ergab, dass die Steckdosen zwar eingebaut worden, aber nie an das Stromnetz angeschlossen worden seien. Wenn diese Tatsache nicht meinen gesamten Zeitplan durcheinander geworfen hätte, dieser Schwachsinn wäre ein Grund zum Totlachen gewesen

Inkompetentes Personal

Auf meine Beschwerde, dass ich mit meiner Fahrkarte ja auch so einen Service bezahle, zog der Zugbegleiter nur spöttisch die Augenbrauen hoch: Offenbar hat die Bahn zwar Ihre Wägen, zumindest in der Theorie, auf den mobilen Gebrauch umgestellt, in der Praxis dann aber vergessen, auch das Personal umzustellen: Will heißen, das Zugbegleitern offenbar nicht klar ist, wie notwendig für manche ihrer Kunden die Nutzung Ihrer Geräte auch unterwegs ist und wie sehr die Fahrzeiten auch als Arbeitszeiten eingeplant werden müssen. Traurig für ein Unternehmen, das verstärkt auf Businesskunden setzt. Übrigens war die Auskunft des Zugbegleiters, dass im ganzen Zug keine funktionierenden Steckdosen vorhanden sind, schlicht falsch: Auf der Zugtoilette gab es zum Beispiel welche – falls sich jemand rasieren will. Wie rücksichtsvoll! Wer arbeiten will, dem bringt das natürlich ebenso wenig wie der Hinweis des Zugbegleiters, dass in Frankfurt doch ganz sicher Steckdosen vorhanden seien – klar, aber wenn ich das Gerät vor Ort dann direkt brauche, macht das wenig Sinn. Das ist genau das Einfühlungsvermögen, dass ich mir vom Zugpersonal wünsche.

Fazit

Und wenn die Steckdosen in den Zügen schon nicht funktionieren, dann würde ich mir doch wenigstens wünschen, dass man Wartezeiten am Bahnhof sinnvoll nutzen kann, um sein mobiles Gerät aufzuladen. An Flughäfen ist dies ohne weiteres möglich. Am Bonner Bahnhof jedoch stieß dieser Wunsch auf großes Erstaunen. Ich persönlich bin erstaunt, dass die Bahn ihr Vorhaben, Zugreisen für Geschäftsleute attraktiver zu gestalten, so halbherzig umsetzt.

Die Bahn als Zeitmanagementtool – in der Theorie eine gute Idee, in der Praxis nicht zuverlässig!



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