Jobsuche für Geistes- und Sozialwissenschaftler: Was können Sie tun, um einen Job zu finden? – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Jobsuche für Geistes- und Sozialwissenschaftler: Was können Sie tun, um einen Job zu finden?



Geistes- und Sozialwissenschaftler haben oft hochfliegende, idealistische Pläne, was ihre berufliche Zukunft angeht – und scheitern dann sehr schnell bei der Jobsuche an der Realität.


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Jobsuche pragmatisch angehen

Es empfiehlt sich daher, die Jobsuche ganz pragmatisch anzugehen. Klagen bringt nicht weiter, handeln ist angesagt. Wer also einen Job sucht, muss eine geforderte Gegenleistung erbringen, die den Bedürfnissen des Arbeitgebers entspricht.

Und natürlich gilt: Je mehr Bewerber auf dem Markt sind, desto mehr Auswahl hat das Unternehmen. Das klingt banal und hart zugleich, hilft aber Absagen besser «wegzustecken». Denn wer sich die Beweggründe des Arbeitgebers vor Augen führt, merkt schnell, dass diese häufig nicht persönlich gemeint sind und nur aus Zeitnot so unfreundlich und standardisiert ausfallen.

Pluspunkt Arbeitserfahrung

Auch Arbeitserfahrung ist ein Pluspunkt bei der Bewerbung: Sie zeigt in der Regel, dass man in der Lage ist, seine Fähigkeiten in Unternehmen auch gewinnbringend umzusetzen. Dabei kann auch jede noch so unbedeutend scheinende Erfahrung weiterqualifizieren – beispielsweise zeigt ein Kellnerjob, dass man hart, unter Druck und im Team arbeiten und mit Kunden umgehen kann.

Allerdings ist es nicht sinnvoll, irgendwelche Arbeitserfahrungen wahllos aneinanderzureihen; vielmehr sollten die Jobs eine rote Linie im Lebenslauf und einen Fortschritt erkennen lassen, da potentielle Arbeitgeber sonst schnell den Eindruck gewinnen, der Bewerber sei unentschlossen und unambitioniert. Nach dem Abschluss sollte daher Schluss sein mit prekären Beschäftigungen wie unbezahlten Praktika und Studentenjobs. Denn diese sind auch aus sozialversicherungstechnischer Sicht schwierig.

Methoden der Jobsuche

Oft gehört zur Jobsuche auch das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein oder die richtigen Leute zu kennen. Denn viele Unternehmen suchen ihre Mitarbeiter kurzfristig und sparen sich gerne langwierige Auswahlverfahren. Natürlich lassen sich solche glücklichen Zufälle nicht planen, und doch kann man ihnen systematisch auf die Sprünge helfen, indem man sich rechtzeitig ein Netzwerk an guten Kontakten aufbaut. Dadurch stehen die Chancen gut, von freien Stellen zu erfahren, noch bevor diese ausgeschrieben werden. Möglichkeiten, solche Kontakte zu knüpfen, gibt es genug:

Praktika und Studentenjobs, Zeitarbeit, Messen, Recruitingveranstaltungen, Stammtische oder Onlinenetzwerke wie die Xing-Gruppe Geistes- und Sozialwissenschaftler in der Wirtschaft unter http://www.xing.com/net/gewiwiwi/. Doch Networking heißt nicht, besonders viele Kontakte jedweder Art zu knüpfen. Viele Situationen erfordern nur wenige Kontakte, dafür aber genau die richtigen. Um diese herzustellen muss man Initiative zeigen und Vorleistung erbringen. Denn es geht darum, Vertrauen aufzubauen. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt. Wer hingegen vorschnell Erwartungen äußert, verspielt seine Chance nur allzu leicht.

Die Methode: Life Work Planning

Eine Methode, die sich für Jobsuche, Bewerbung und Networking gleichermaßen eignet, ist das aus den USA stammende Life Work Planning, das in drei Schritten abläuft und in Seminaren oder im Selbststudium mit Hilfe von Büchern erlernt werden kann (mehr dazu z.B. hier: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/lwp).

Das wichtigste dabei: Absolventen müssen sich nicht mehr mit den vorhandenen Stellenangeboten zufriedengeben, sondern können systematisch ihr eigenes Profil herausarbeiten und sich dann einen Arbeitgeber suchen, der zu ihnen passt. Angeblich haben durchschnittlich 86% aller Teilnehmer/innen ein Jahr nach einem LWP-Seminar einen erfüllenden Job.

  1. In Schritt 1 soll sich der Jobsuchende über seine Ziele, Wünsche und Fähigkeiten klar werden, z.B. indem er sie aufschreibt. Denn: Je genauer jemand weiß, was er will, desto eher findet er es auch.
  2. In Schritt 2 wird überlegt, wie sich die persönlichen Interessen in einen Beruf einbringen lassen. Wer sich dabei fragt “Was kann ich mit meinem Studienfach anfangen?” schränkt die Auswahl automatisch ein. Besser ist die Frage: Welche Berufstätigkeit strebe ich an? – denn es gibt mehr Möglichkeiten, als viele denken.
  3. Schritt 3 schließlich ist der schwierigste: Jetzt wird aktiv nach Kontakten gesucht, und zwar indem man gezielt Leute anspricht, die eine Stelle haben, die einen interessieren würde. Aber: in dieser Phase geht es noch nicht um die eigentliche Jobsuche, sondern um das Sammeln von Informationen und den Abgleich zwischen Realität und persönlichen Vorstellungen. Wer ohne allzu viele Hintergedanken offen auf andere zugeht, wird die erstaunliche Entdeckung machen, dass die meisten Menschen sich über ehrliches Interesse an ihrer Person oder Arbeit freuen und gerne Auskünfte geben.

Vorteile von LWP

Life Work Planning ist auch deshalb so erfolgreich, weil Absolventen, die wissen, was sie wollen, bei der Bewerbung auch ehrliches Interesse und Eigeninitiative mitbringen. Das machen die Personalentscheider häufig schon an der äußeren Form der Bewerbung fest. Daher sind standardisierte Bewerbungen Tabu, ganz zu schweigen von Massen-E-Mails, die den Eindruck von Beliebigkeit erwecken.

Besser ist es herauszustellen, dass man sich intensiv mit dem Unternehmen befasst hat und weiß, was einen dort erwartet – und das möglichst kurz und knapp: Im Schnitt nimmt sich ein Personaler 30 Sekunden für eine Bewerbung und sortiert alles, was nicht passt, sofort aus. Und: Die häufig gestellte Frage: «Warum wollen Sie gerade bei uns arbeiten?» zielt ganz klar darauf ab, welchen Nutzen das Unternehmen von einer Mitarbeit des Bewerbers haben könnte – und das sollte sich ein Bewerber schon im Voraus überlegen.

Kompetenzen erweitern

Bei der Jobsuche von der Frage auszugehen, welche Möglichkeiten ein geisteswissenschaftlicher Studienabschluss bietet, ist auch deshalb zu kurz gedacht, weil sich vorhandene Kompetenzen jederzeit durch Weiterbildungen und Aufbaustudiengänge erweitern lassen. Dabei ist die Finanzierung nicht das Hauptproblem, da es hier Stipendien, Kredite und staatliche Förderungen gibt. Weitaus schwieriger ist es, im Angebotsdschungel den passenden Inhalt und Abschluss zu finden.

Denn: Auf gesetzlich kaum reglementierten Weiterbildungsmarkt gibt es neben zahlreichen auch international anerkannten Angeboten (etwa dem Master of Business-Administration in verschiedensten Variationen) auch Zertifikate einzelner Institute, die auf dem Arbeitsmarkt völlig unbekannt sind. Wer jedoch Zeit und Geld in eine Weiterbildung investieren will, sollte genau darauf achten, wie potentielle Arbeitgeber den Abschluss annehmen. Das ist z.B. dann gewährleistet, wenn ein Studiengang akkreditiert wurde und in einschlägigen Rankings auftaucht. Und auch inhaltlich bringt die Weiterbildung nur dann etwas, wenn sie auch konkret und praxisnah auf eine ganz bestimmte Berufstätigkeit vorbereitet, z.B. durch Praxiseinheiten innerhalb des Kurses.

Den gesamten Beitrag finden Sie unter:

Der Beitrag erschien auch am 29.08.2009 unter dem Titel „Wie aus der Flaute frischer Wind weht“ im Rhein-Main-Markt, Beilage zu Frankfurter Neuen Presse und zur Rhein-Main-Zeitung, dem Lokalteil der FAZ, auf Seite 3.

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