Grenzenlos frei: Die Zukunft der Arbeit

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21.08.2008 135 Leser 0 Debatten 549 Wörter Lesezeit: 3 Minuten, 23 Sekunden

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Alle reden vom freien, unbegrenzten Arbeiten, wo und wie man will. Ich gestehe: So toll das klingt und so sehr ich selbst diesen Lebensstil vertrete, bin ich skeptisch, ob sich das alles genau so umsetzen lässt. Denn es gibt Grenzen!

Jochen Mai hat auf Karrierebibel.de einen sehr guten und informativen Artikel zu zukünftigen Arbeitsformen geschrieben. Darin entwirft er einerseits eine schöne Utopie vom dezentralen Arbeiten dank moderner Technik, weg von den Großraumbüros (ich frage mich ohnehin immer, wie man da konzetriert arbeiten können soll) hin zum „gemütlichen“ Home-Office.

Aber er zeigt auch die Probleme auf, die dabei entstehen können: Psychische Belastung und die Gefahr, dank fehlender Selbstorganisation und ständiger Unterbrechungen völlig unproduktiv zu werden. Auch Nils Dreyer hat im KoopTech-Blog dazu einen schönen Artikel geschrieben.

Grenzen des dezentralen Arbeitens

Dem stimme ich vorbehaltlos zu: Genau dies Freiheit bei der Arbeitsplatzwahl und in der Zeiteinteilung, die für mich erforderlich sind, um kreativ arbeiten zu können, ist ja das was ich an meinem Beruf besonders schätze. Genau deshalb sehe ich aber auch die Probleme bei dieser Arbeitsform und frage mich, ob sie sich tatsächlich durchsetzen kann.

Update: Ganz konkret habe ich einer Artikelserie zum Thema Coworking diese Arbeitsform getestet. Und Lukas Pustina vom Überallbüro berichtet in einem Interview darüber, wie entgrenztes Arbeiten technisch funktionieren kann. Das Bild oben zeigt z.B. mich bei Coworking im Garten – auch eine, neue orginelle Arbeitsform!

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

Zunächste habe ich den Eindruck, dass viele Firmen, gerade auch im Kreativbereich, wieder verstärkt dazu übergehen, Leute fest einzustellen – weil sie gemerkt haben, dass Sie Ihre Mitarbeiter dann besser kontrollieren können.

Häufig ist es auch so: Wenn von flexibler Arbeitszeitgestaltung die Rede ist, heißt das meist, dass die Mitarbeiter flexibel sein müssen, wann der Chef will.

Homeoffice gleich weg vom Fenster?

Auch die Digitalarbeiter zu Hause haben einen entscheidenden Nachteil: Die fehlende Kommunikation. Denn offenbar ist der Mensch einfach nicht fürs digitale Kommunizieren gemacht, immer mehr Menschen gehen wieder dazu über, sich auch persönlich statt nur im Internet zu treffen.

Außerdem sind die unmittelbaren Kommunikationswege im Unternehmen viel direkter, der Mitarbeiter vor Ort schnappt schneller mal was per Flurfunk auf und erhält Informationen früher als dies per E-Mail oder Telefon möglich wäre. Und Mitarbeiter vor Ort sind Ihren Chefs einfach viel präsenter.

Ständiger Kommunikationszwang

Dieser Zustand macht viele Digitalarbeiter unruhig: Man versucht untentwegt zu kommunizieren, entweder per E-Mail, Telefon oder in sozialen Netzwerke – vielleicht auch aus der Angst vor einer gewissen Vereinsamung heraus.

Und man hat schnell das Gefühl, ständig bereit stehen zu müssen. Diese Unruhe kann einen an die Grenzen der psychischen Belastung bringen und lässt die Grenzen zwischen Privatleben und Freizeit verschwimmen.

Fazit: Man muss es hinkriegen

Damit will ich gar nichts schwarzmalen – ich fand auch gar nicht, dass Herr Mai das getan hat. Im Gegenteil: Prinzipiell ist diese Arbeitsform absolut begrüßenswert, da sie viel Freiraum für kreative Produktivität freisetzt. Nur muss man es eben auch organisatorisch hinkriegen.

Was da zum Beispiel helfen kann, ist das Einhalten gewisser Regelmäßigkeiten in der Arbeitszeit, auch damit man sich selbst und anderen Grenzen der ständigen Erreichbarkeit setzt. Räumliches Grenzen setzten zwischen Arbeits- und Privatleben. Außerdem ein stabiles Soziales Umfeld und ein gutes berufliches Netzwerk, das hilft, Ängste und Vereinsamung abzubauen. Das kann verhindern, dass man sich statt im frei-kreativen-Home-Office schon bald im Hamsterrad eigener Zwänge wiederfindet.

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