Wie viel Weiterbildungen kosten: Es gibt große Unterschiede – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Wie viel Weiterbildungen kosten: Es gibt große Unterschiede



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Dreh- und Angelpunkt Ihrer Weiterbildung sind natürlich die Kosten und die Finanzierung. Denn es bringt Ihnen nichts, dass es theoretisch sinnvolle Weiterbildungen gibt, die Sie in der Praxis kaum bezahlen können. Doch wie teuer ist eine Weiterbildung überhaupt und welche Möglichkeiten haben Sie, diese zu finanzieren? Auch hier fehlen leider statistische Erhebungen und Vergleichstabellen. Die Kosten von Weiterbildungen können sehr unterschiedlich sein und lassen sich, auch aufgrund unterschiedlicher Inhalte, Zielsetzungen und Dauer, nur schwer miteinander vergleichen.


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Überblick: Kosten der Weiterbildung

Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat in einer Studie, bei der 2000 Leute befragt wurden, einige durchschnittliche Werte für die Kosten einer Weiterbildung ermittelt. Demnach betragen die Kosten, die direkt mit einer Weiterbildung zusammenhängen (als Teilnahmegebühren, Unterrichtsmaterial usw.) pro Jahr und Person durchschnittlich 568 Euro.

In vielen Fällen tragen die Teilnehmer die Kosten häufig nicht vollständig selbst, sondern sie werden teilweise erstattet – etwa durch die Arbeitsagentur oder durch den Arbeitgeber. Diese Refinanzierung macht durchschnittlich etwa einen Anteil von 36 % aus. Letztendlich tragen die Teilnehmer Kosten von 375 Euro selbst. Der Hauptanteil dabei entfällt auf die Teilnahmegebühren und die Fahrtkosten. Zusätzlich entstehen indirekte Kosten, etwa durch Verdienstausfall von 137 Euro pro Teilnehmer, wobei hier in geringem Umfang (durchschnittlich etwa 7 %) Kosten erstattet werden, z. B. durch Zuschüsse zum Lebensunterhalt. Doch diese indirekten Kosten lassen sich nicht nur in Euro berechnen: Sie müssen auf jeden Fall auch den Zeitaufwand, die Zeit, die Sie unter Umständen im Beruf nacharbeiten müssen, berücksichtigen.

Durchschnittlich werden jährlich 138 Stunden in die Weiterbildung investiert. 74 Stunden davon entfallen nicht in die Arbeitszeit, sondern kosten Freizeit. Weitere 59 Stunden müssen für Überstunden (aufgrund der Weiterbildung), Information, Vor- und Nachbereitung sowie Fahrzeiten aufgewendet werden.

Unterschiede ja nach Zielgruppe

Außerdem gibt es bei den einzelnen Teilnehmergruppen erhebliche Differenzen, was die Kosten für eine Weiterbildung angeht: Personen, die an nichtbetrieblichen Weiterbildungen teilnehmen, wenden mit 856 Euro jährlich wesentlich mehr Geld auf als Teilnehmer an betrieblichen Weiterbildungen – nämlich 285 Euro. Das liegt daran, dass die Arbeitgeber häufig die Kosten übernehmen, während bei den Teilnehmern nicht-betrieblicher Weiterbildung nur 14 % eine Erstattung erhalten.

Arbeitnehmer haben wesentlich häufiger die Möglichkeit zu einer kostenfreien Weiterbildung als Arbeitslose oder Selbständige. Auch soziodemografische Merkmale spielen eine Rolle: Junge Teilnehmer bis 24 Jahre bilden sich häufiger kostenfrei weiter, Teilnehmer zwischen 25 bis 34 sowie von 55 bis 64 wenden durchschnittlich die höchsten Kosten für eine Weiterbildung auf. Auch die Ausbildung spielt eine Rolle: Je höher der Ausbildungsstand, desto höher sind im Schnitt auch die Weiterbildungskosten, denn wer bereits eine höhere Grundausbildung besitzt, ist eher bereit, in eine höher qualifizierende und dementsprechend teuere Weiterbildung zu investieren.

Unterschiede nach Art der Weitebildung

Je nach Art der Weiterbildung sind die Kosten dafür höchst unterschiedlich und verteilen sich auch sehr unterschiedlich auf die einzelnen Teilnehmergruppen: Etwa 45 % der befragten Teilnehmer müssen keinerlei Kosten selbst tragen. 14 % haben Kosten bis etwa 99 Euro, 28 % tragen Kosten zwischen 100 und 999 Euro. 13 % der Teilnehmer müssen mehr als 1.000 Euro berappen und 2 % haben sogar Kosten von mehr als 5.000 Euro. Die höchsten Kosten verursachen klassische Kursformen: Hier fallen neben Teilnahmegebühren auch Fahrt- und gegebenenfalls Übernachtungskosten an. Außerdem muss der Verdienstausfall einkalkuliert werden.

Auch wenn die Teilnahmegebühren oft höher scheinen, sind E-Learning und selbstorganisierte Lernformen insgesamt etwas günstiger: Hier fallen vor allem die Lern- und Arbeitsmittel (Bücher, PC, Telefon- und Internetzugang usw.) ins Gewicht. Hingegen erfordern diese Lernformen den geringsten Zeitaufwand; die Fahrtkosten entfallen und der Verdienstausfall ist geringer.

Das sollte Sie beachten!

Denken Sie bei der Planung einer Weiterbildung daran, was diese kostet und wie diese Kosten Sie sowohl finanziell als auch zeitlich belasten. Erkundigen Sie sich auf alle Fälle genau nach den Gesamtkosten des jeweiligen Kurses. Berücksichtigen Sie dabei alle direkten und indirekten Kosten und verschaffen Sie sich so einen möglichst breiten Überblick über die verschiedenen Angebote. Schauen Sie genau hin! Wie viele Unterrichtsstunden hat der Kurs? Wie verteilen sich diese, ist das für Sie geeignet? Hier wird auch der oben angesprochene Zeitfaktor wichtig! Beachten Sie, dass Unterrichtsstunde nicht gleich Unterrichtsstunde ist: Grundsätzlich geht man von 45 Minuten pro Unterrichtseinheit aus, aber bei einigen Anbietern können es mehr oder weniger sein. Das müssen Sie auf jeden Fall bei dem Vergleich berücksichtigen.

Auch in anderen Punkten gibt es qualitative Unterschiede, wie folgende Beispiele zeigen:

Beispiel: Bei einer Handwerkskammer würden Sie für einen Kurs in Tabellenkalkulation I: MS-Excel (33 Unterrichtsstunden an drei Tagen) 330 Euro bezahlen. Ein privater Bildungsanbieter verlangt für einen Grundlagenkurs Excel 2007 (Dauer: l Tag mit sieben Unterrichtsstunden) 207,64 Euro. Allerdings sind hier nur maximal acht Teilnehmer pro Kurs zugelassen, was eine bessere Lernatmosphäre verspricht. Ein Englisch-Sprachkurs beim gleichen Anbieter kostet zwischen 420 Euro (für einfache Sprachkurse) und 500 Euro (für berufsbezogene Sprachkurse und Konversation) – alle Kurse mit insgesamt 60 Unterrichtsstunden.

Zum Vergleich die Preise einer Volkshochschule: 26 Unterrichtsstunden, egal welcher Level, kosten hier insgesamt 72,80 Euro, wenn über 10 Personen an dem Kurs teilnehmen, sinkt der Preis auf 52 Euro. Größere Klassen sind natürlich wieder schlecht für das Lernen und Volkshochschulkurse haben im Allgemeinen nicht den besten Ruf. Doch möglicherweise bezahlen Sie bei dem privaten Anbieter aber auch nur sein Image mit?

Deutlich teurer ist es übrigens, wenn Sie eine ganze Ausbildung nachholen möchten: Eine Fortbildung zur Europasekretärin mit insgesamt etwa 4.800 Unterrichtsstunden (30 Monate lang Vollzeitunterricht) kostet an dem einen Institut 12.000 Euro, bei einem anderen Anbieter 10.400 Euro – allerdings mit nur etwa der Hälfte an Unterrichtsstunden. Ein berufsbegleitender Intensivlehrgang zum Fachkaufmann Personalfachwesen (Dauer: 4 Monate, ca. 12 Stunden/Woche) schlägt bei einem Anbieter mit 3.000 Euro zu Buche, bei der Konkurrenz würden Sie für einen sechsmonatigen Kurs (insgesamt 460 Unterrichtsstunden) aber nur 2.875 Euro zahlen. Wenn Sie dann auf den Fachkaufmann noch den Betriebswirt draufsetzen wollen, können Sie z. B. für einen Kurs mit 700 Unterrichtsstunden mit 3.579 Euro rechnen.

Welche Kosten Sie noch bedenken müssen

In einigen Lehrgängen ist die Prüfung mit den Gebühren dafür übrigens schon eingeschlossen, bei anderen Anbietern müssen Sie diese noch extra bezahlen. Bei den hier vorgestellten Beispielen liegen die Prüfungsgebühren je nach Art des Abschlusses zwischen 260 Euro und 450 Euro.

Berücksichtigen Sie die Kosten und den zeitlichen Aufwand, wenn Sie eine Weiterbildung planen und suchen Sie gegebenenfalls nach günstigeren Alternativen. Günstig heißt aber nicht unbedingt billiger: Bei den einzelnen Weiterbildern gibt es zum Teil große Unterschiede, was Länge, Inhalte und Dauer der Weiterbildung betrifft. Was da besser ist, können Sie sicherlich nur im Einzelfall und nicht pauschal feststellen. Schauen Sie auch bei den Zahlungsmodalitäten im Vertrag genau hin:

Ratenzahlungen

Einige Anbieter bieten die Möglichkeit einer Ratenzahlung; meist muss vorab zumindest ein Teil der Summe bezahlt werden. Wenn der Gesamtbetrag bereits vor Beginn der Maßnahme gezahlt werden muss, kann es hinterher Probleme mit der Rückerstattung geben. Daher sollten Sie mit solchen Vertragsbedingungen vorsichtig sein.

Ob Sie bei Nicht-Gefallen Ihr Geld zumindest teilweise zurückerhalten, hängt übrigens von den einzelnen Vertragsbedingungen ab. Lesen Sie also das Kleingedruckte genau. Bei längerfristigen Maßnahmen sollten Sie eine vierteljährliche oder monatliche Zahlungsweise vereinbaren – das kann Ihnen viel finanziellen Ärger ersparen, falls Sie vorzeitig kündigen möchten. Tipp: steuerlich absetzbar Die Kosten einer beruflichen Weiterbildung sind in der Regel steuerlich absetzbar, wenn Sie keine Zuschüsse erhalten.

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